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27.05.2014

12:22 Uhr

Europäischer Erfinderpreis

Dem Tuberkuloseerreger den Saft abdrehen

VonStefanie Reinberger

Multiresistente Erreger sind eines der Hauptprobleme beim Kampf gegen die Tuberkulose. Der Belgier Koen Andries hat ein völlig neues Medikament entwickelt, mit dem diese Bakterien attackiert werden können.

Koen Andries: „Mit 18 dachte ich, Tierarzt wäre bestimmt ein toller Beruf, aber ich hab schon im Studium gemerkt, dass ich mich mehr für die Forschung begeistere.“

Koen Andries: „Mit 18 dachte ich, Tierarzt wäre bestimmt ein toller Beruf, aber ich hab schon im Studium gemerkt, dass ich mich mehr für die Forschung begeistere.“

KölnWenn Koen Andries nicht im Labor steht, findet man ihn vielleicht auf der Ostsee. Gerade erst war er wieder da, um zusammen mit einem Freund vor Rügen Lachse zu fangen. Bei nichts sonst könne er so gut abschalten, verrät er. „Wenn Sie von einem Boot aus fischen, müssen Sie völlig bei der Sache sein, sonst kann es schnell mal gefährlich werden“, sagt Andries.

Alltag und Arbeit müssen also an Land bleiben. Dann lacht er: „Aber irgendwie ist es mit dem Fischen ja doch wie mit der Suche nach neuen Wirkstoffen: Für beides brauchen Sie Geduld, Glück und eine gute Strategie.“

Andries brachte für seine berufliche Laufbahn offensichtlich alle drei Faktoren mit. Denn ihm ist mit seinem Team bei Janssen in Antwerpen gelungen, worauf die Welt beinahe ein halbes Jahrhundert lang warten musste: Die Entwicklung eines völlig neuen Medikaments zur Behandlung der Tuberkulose. Das hat ihm jetzt die Nominierung für den Europäischen Erfinderpreis 2014 eingebracht.

Die Krankheit, früher als Schwindsucht bekannt, wird durch Mycobacterium tuberculosis verursacht, seltener durch andere Mycobacterium-Vertreter. Es befällt beim Menschen am häufigsten die Lunge. Zwar ist Tuberkulose in Mitteleuropa selten geworden, doch weltweit stecken sich jedes Jahr mehr als 8 Millionen Menschen mit dem Erreger an. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben allein im Jahr 2012 etwa 1,3 Millionen Menschen an der Infektionskrankheit.

Das größte Problem: Weltweit sind multiresistente Tuberkulose-Erreger auf dem Vormarsch 2012 machten sie rund 500.000 aller Neuinfektionen aus. Besonders betroffen sind einige Teile Osteuropas und Zentralasiens. Gängige Medikamente sind gegen diese Keime machtlos, die Suche nach neuen Wirkstoffen ist entsprechend dringlich.

Dass er mit seiner Arbeit einmal Hoffnungsträger so vieler Menschen werden würde, hätte Andries zu Beginn seiner Laufbahn sicher nicht erwartet. „Mit 18 dachte ich, Tierarzt wäre bestimmt ein toller Beruf, aber ich hab schon im Studium gemerkt, dass ich mich mehr für die Forschung begeistere“, erzählt er. Nach seinem Abschluss forschte er daher einige Jahre an Schweine-Viren. Aber auch das brachte nicht die erhoffte Zufriedenheit. „Das Forschungsfeld interessierte kaum einen, und außerdem sah ich keine Chance, an der Universität eine stabile Karriere aufzubauen.“

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