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17.06.2014

12:50 Uhr

Europäischer Erfinderpreis

Europa ehrt seine findigsten Köpfe

VonThomas Trösch

In Berlin ist der Europäische Erfinderpreis 2014 vergeben worden. Der „Oscar für Innovation“ geht in diesem Jahr unter anderem an den geistigen Vater des 3D-Druckers – und an Deutschlands unumstrittenen Patentkönig.

Gewinner Lebenswerk: Ein Dübel für die ganze Welt. Artur Fischer hält etwa so viele Patente wie Thomas Edison und gilt als Legende.

Gewinner Lebenswerk: Ein Dübel für die ganze Welt. Artur Fischer hält etwa so viele Patente wie Thomas Edison und gilt als Legende.

BerlinEr gilt als eine Art Oscar für Technologie und Innovation: Der Europäische Erfinderpreis wird seit 2006 alljährlich vom Europäischen Patentamt (EPA) verliehen. Geehrt werden Erfinder, die einen besonderen Beitrag zum gesellschaftlichen, technologischen und wirtschaftlichen Fortschritt geleistet haben. Zur diesjährigen Preisverleihung luden die Patentschützer am Dienstag ins ehemalige kaiserliche Telegrafenamt in Berlin. In Anwesenheit von Bundesjustizminister Heiko Maas, EPA-Präsident Benoit Battistelli sowie zahlreicher Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft nahmen sechs Erfinder die begehrte Auszeichnung entgegen.

Unter den Preisträgern war in diesem Jahr auch der deutsche „Patentkönig“ Artur Fischer. Der mittlerweile 94-jährige Erfinder und Firmengründer wurde für sein Lebenswerk geehrt. Mehr als 1100 Patente hat Fischer in den vergangenen 70 Jahren angemeldet, von denen die grauen Fischer-Dübel und das synchronisierte Blitzlichtgerät die bekanntesten sein dürften.

„Artur Fischer ist als Erfinder und Unternehmer ein Aushängeschild für Deutschland, Europa und die Welt“, sagte EPA-Präsident Benoit Battistelli. „Ich freue mich sehr, heute ein phänomenales Lebenswerk und einen außergewöhnlichen Menschen auszeichnen zu dürfen.“ Fischer selbst nahm die Ehrung sehr emotional auf: „Das ist etwas gang, ganz Tolles. Ich betrachte meine Tätigkeit als Geschenk Gottes. Mein ganzes Leben habe ich als Geschenk betrachtet, weil es wunderschön ist, zu erfinden.“

Ihr innovatives Verfahren zur Wasserfilterung bescherte den Dänen Peter Holme Jensen und Claus Hélix-Nielsen den Preis in der Kategorie „Kleine und mittlere Unternehmen“. Das von ihnen entwickelte Filtersystem arbeitet nach dem Vorbild natürlich vorkommender Reinigungsproteine, sogenannter Aquaporine, die in unseren Zellen dafür sorgen, dass nur Wasser die Zellmembran passieren kann.

Die von Jensen und Hélix-Nielsen entwickelten Aquaporin-Membranen reinigen Wasser extrem effektiv und kostengünstig. Das Verfahren eignet sich ebenso zur Gewinnung von Trinkwasser wie für die Herstellung von Reinstwasser etwa für die Elektronikindustrie. „Wir haben uns mit unserer Forschung unmittelbar am Vorbild der Natur orientiert und daraus eine Technologie für die industrielle Anwendung entwickelt“, so Hélix-Nielsen im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Dass wir dafür mit diesem Preis belohnt werden, freut mich natürlich sehr.“

Auch der US-Amerikaner Charles „Chuck“ Hull, Preisträger in der Kategorie „Außereuropäische Staaten“, konnte seine wichtigste Erfindung als Unternehmer selbst erfolgreich vermarkten. Hull gilt als geistiger Vater des 3D-Druckers, seine 1986 gegründete Firma 3D Systems ist heute Weltmarktführer. Und der 74-Jährige, der Ende der 90er Jahre schon einmal in Rente gegangen war, mischt als Executive Vice President und Chief Technology Officer mittlerweile wieder kräftig mit.

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