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22.05.2015

09:14 Uhr

Europäischer Erfinderpreis

Häuptling Silberscheibe

VonClaudia Wessling

Knisterndes Vinyl prägte Anfang der 80er noch das tägliche Musikerlebnis. Dann kam Kornelis Schouhamer Immink und revolutionierte die Unterhaltungsindustrie. Ohne den Niederländer gäbe es weder CD noch DVD oder Blu-ray.

Der von ihm geschaffene Code legte den Grundstein für die Entwicklung von CD, DVD und Blue-Ray.

Kornelis Schouhamer Immink

Der von ihm geschaffene Code legte den Grundstein für die Entwicklung von CD, DVD und Blue-Ray.

BerlinDie Liebhaber knisternden Vinyls, die in Second-Hand-Läden von Berlin bis Tokio nach alten Plattenaufnahmen der Rockheroen ihrer Jugend stöbern, werden das Jahr 1982 vielleicht nicht als besonders denkwürdig empfinden. Am 17. August wurde seinerzeit im Werk des Philips-Konzerns im niedersächsischen Langenhagen die erste kommerzielle Compact Disc gepresst: „The Visitors“ von Abba – der offizielle Beginn einer digitalen Revolution in der damals noch analog geprägten Welt der Musik- und Filmaufnahmen.

Auch Kornelis Schouhamer Immink ahnte damals nicht, dass die Silberscheibe, die er seit Mitte der siebziger Jahre mit einem Team bei Philips entwickelt hatte, binnen nur weniger Jahre die Schallplatte fast völlig verdrängen würde. „Es gab natürlich eine starke Hoffnung, damit den Massenmarkt zu erreichen. Doch gerade in den Anfängen war die Technik sehr teuer“, sagt der heute 68-Jährige.

Allein die Geräte, mit denen analoge Musikaufnahmen digitalisiert wurden, kosteten zehntausende Dollar, Abspielgeräte waren für Normalbürger unerschwinglich. „Ich bin meinen Chefs wirklich dankbar, dass sie uns trotzdem das Geld und die Ausrüstung für unsere Experimente gaben“, sagt der Erfinder rückblickend.

Dabei waren die Versuche mit von Lasern ausgelesenen digitalen Datenträgern für Philips zunächst erfolglos verlaufen: Eine digitale Video Disc in der Größe einer Schallplatte wurde zum kommerziellen Flop. Dennoch setzten sich Ende der siebziger Jahre Ingenieure von Philips und Sony zusammen, um ein digitales Medium für Musikaufnahmen zu entwickeln. Die späteren erbitterten Konkurrenten schrieben Standards für CDs fest, die bis heute gelten: Durchmesser 11,5 Zentimeter, Spieldauer 74 Minuten.

Auf letzteres einigten sich die damaligen Partner Gerüchten zufolge, damit eine CD auch Beethovens Neunte fassen konnte – dem Vernehmen nach das Lieblingsstück der Frau des damaligen Sony-Chefs. Immink hat dazu eine etwas andere Theorie: Sony habe auf die längere Spieldauer nur gepocht, weil das Philips-Werk in Langenhagen bereits 60-minütige CDs produzieren konnte und dadurch zum Umstellen gezwungen worden sei.

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