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02.08.2014

08:54 Uhr

Europas Raumfahrt

Mit dem Rücken zur Wand

Bald wird das letzte europäische Transportschiff an der Raumstation ISS andocken. Obwohl das ATV als derzeit modernster Transporter gilt, muss die Esa das Programm beenden. Beleg für die Krise der Raumfahrtnation Europa.

Start der Ariane-5-Rakete mit dem ATV-Transporter "Georges Lemaitre" an Bord. Nach nur fünf Flügen wird das europäische ATV-Programm eingestellt. dpa

Start der Ariane-5-Rakete mit dem ATV-Transporter "Georges Lemaitre" an Bord. Nach nur fünf Flügen wird das europäische ATV-Programm eingestellt.

BerlinFür rund drei Minuten war der Abschiedsschmerz vergessen. Ein riesiger orangegelber Feuerschein erhellte den nächtlichen Tropenhimmel, ein dumpfes Grollen wurde zu furchterregendem Dröhnen. Wenig später bebte selbst in sechs Kilometern Entfernung von der Abschussbasis der Dschungel-Boden. Begleitet von Jubelrufen startete die Ariane-5-Rakete mit dem letzten europäischen ATV-Raumtransporter „Georges Lemaitre“ in Richtung Raumstation ISS.

Ein wichtiger Start vom Weltraumbahnhof Kourou in Südamerika war damit geglückt: Der deutsche Esa-Astronaut Alexander Gerst und seine fünf Kollegen auf der ISS werden in knapp zwei Wochen frische Lebensmittel, neue Experimente sowie Nachschub an Treibstoff, Wasser und Atemluft in Empfang nehmen können.

Das ATV im Überblick

Größe

Länge: 10,3 Meter

Durchmesser: 4,5 Meter

Spannweite mit Solarpanel: 22,3 Meter

Gewicht

Gewicht beim Start: 20 Tonnen

Ladekapazität: 6,6 Tonnen

Geschwindigkeit beim Andocken

28.000 km/h (relativ zum Erdboden)

Maximale Andockzeit

Sechs Monate

Kosten

Ein Raumschiff: ca. 200 Millionen Euro

Eine gesamte Mission: ca. 400 Millionen Euro

Doch bei vielen Zuschauern kam in der Nacht zum Mittwoch schnell wieder Wehmut auf. Künftig werden nur noch US-amerikanische, russische oder japanische Transporter zur ISS fliegen – obwohl das europäische Versorgungsschiff ATV (Automated Transfer Vehicle) als das modernste, leistungsstärkste und eleganteste von allen gilt.

„Für uns war das ATV ein wichtiges Bauteil europäischer Raumfahrtpolitik“, so der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann-Dietrich Wörner. Wie die große Mehrheit in der Branche hätte es der 60-Jährige gerne gesehen, wenn das Programm fortgesetzt worden wäre. Nicht zuletzt, weil das ATV immer wieder auch als mögliches Basismodell für ein eigenes bemanntes Raumfahrzeug der Europäer im Gespräch war.

Vor allem Frankreich wollte aber nicht länger Geld für die von Airbus Defense and Space in Bremen gebauten Transporter geben. Damit ist das fast drei Milliarden teure Projekt nach fünf Starts bereits wieder Geschichte.

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