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10.01.2007

14:09 Uhr

Evaluation

Die Qual mit der Qualität

VonEva-Maria Schnurr

"Evaluation" ist zum Zauberwort der Zeit aufgestiegen. Im wissenschaftlichen Betrieb wird alles und jeder evaluiert. Doch was Evaluation ist und nach welchen Regeln sie funktioniert, scheint nicht immer klar. Vor allem nicht in den Geisteswissenschaften.

Wie soll wissenschaftliche Leistung in den Geisteswissenschaften beurteilt werden? Bisherige Verfahren sind oftmals rein subjektiv. Foto: dpa Quelle: dpa

Wie soll wissenschaftliche Leistung in den Geisteswissenschaften beurteilt werden? Bisherige Verfahren sind oftmals rein subjektiv. Foto: dpa

HAMBURG. Der Brockhaus hilft nicht weiter. Unter dem Stichwort "Evaluation" steht in der Online-Ausgabe von 2005 nur schwer Verständliches von Denkpsychologie und Taxonomie. Nichts, was erklären würde, warum der Begriff zum Zauberwort der Zeit aufgestiegen ist. Nach Evaluationsergebnissen werden an Universitäten Projekte verlängert, Forschungserfolge beurteilt und manchmal sogar Stellen geschaffen. Doch was Evaluation ist und nach welchen Regeln sie funktioniert, scheint nicht immer klar. Vor allem nicht in den Geisteswissenschaften.

Eigentlich soll Evaluation Daten und Informationen bereitstellen, mit denen Forschung bewertbar wird. Weil es keine objektiven Indikatoren für Forschungsqualität gibt, einigt man sich auf bestimmte Beurteilungskriterien und-verfahren. Doch nicht für alle Fächer gibt es standardisierte Methoden der Qualitätsmessung. "Und insbesondere den Geisteswissenschaften fehlt eine Verständigung darüber, was Qualität überhaupt ist", sagt Stefan Hornbostel, Leiter des Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung in Bonn.

In den Naturwissenschaften gilt Forschung als gute Forschung, wenn sie häufig zitiert wird. Auf wen sich viele Fachkollegen beziehen, der hat etwas Wichtiges herausgefunden, so die Idee. Das lässt sich in den Naturwissenschaften statistisch messen, denn Teilchenphysiker oder Neurobiologen publizieren ihre Ergebnisse meist auf Englisch als Artikel in internationalen Fachzeitschriften. In Datenbanken ("Citation Index") ist verzeichnet, welcher Artikel wie oft von anderen Artikeln zitiert wird.

In den Geisteswissenschaften ist diese quantitative Art der Qualitätskontrolle mittels "Bibliometrie" bisher nicht üblich. Hier wird meist die qualitative Bewertung durch andere Experten des Fachs praktiziert. Diese derzeit gängigste Methode sei jedoch nicht nur sehr aufwendig, sondern auch anfällig für subjektive Wahrnehmungsverzerrungen, kritisiert Hornbostel.

Zwar entwickeln sich auch in den Geisteswissenschaften "Citation-Indices". Doch anders als Naturwissenschaftler publizieren Philosophen, Germanisten und Historiker ihre Ergebnisse in vielen verschiedenen Formen: in Sammelbänden, als Monografien, in landessprachlichen Fachzeitschriften und manchmal in englischen. Bisweilen müsse deshalb mit eher handgestrickten Methoden evaluiert werden, sagt der Soziologe Hornbostel: So würden beispielsweise Seiten gezählt, um einen Aufsatz mit einem Buch vergleichbar zu machen, oder es werde per Hand versucht, Zitate auszuwerten.

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