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20.03.2017

10:22 Uhr

Event Horizon Telescope

Forscher wollen Schwarzes Loch fotografieren

Seit einem halben Jahrhundert sprechen Wissenschaftler über Schwarze Löcher, aber fotografiert haben sie noch nie eins. Das könnte sich jetzt ändern: Ein weltweites Netzwerk von Teleskopen soll das ersehnte Bild liefern.

Die Illustration verdeutlicht, wie sich Astronomen ein Bild von einem Schwarzen Loch vorstellen: als hellen Ring rund um einen schwarzen Kreis. dpa

Schwarzes Loch

Die Illustration verdeutlicht, wie sich Astronomen ein Bild von einem Schwarzen Loch vorstellen: als hellen Ring rund um einen schwarzen Kreis.

BerlinIn Hollywood-Filmen war schon oft eines zu sehen, aber in der Wirklichkeit warten Wissenschaftler bis heute auf das erste Bild von einem Schwarzen Loch. 1915 stellte Albert Einstein erstmals die Theorie auf, dass es solche Orte der Extreme geben könnte, die alles anziehen und kein Licht nach außen lassen. Und ein halbes Jahrhundert ist es her, dass der Begriff „Schwarzes Loch“ für derlei Phänomene etabliert wurde. Wirklich gesehen hat jedoch noch niemand eines.

Das will eine Gruppe von Forschern nun ändern. Mit dem „Event Horizon Telescope“ (EHT), einem weltumspannenden Netzwerk von Teleskopen – unter anderem am Südpol, in Europa sowie Nord- und Südamerika – wollen sie im April versuchen, erstmals ein Bild von einem Schwarzen Loch zu machen.

Schwarze Löcher

Was sind Schwarze Löcher?

Schwarze Löcher sind Objekte mit so starker Gravitation, dass nichts ihrer enormen Anziehungskraft entkommen kann – nicht einmal Licht. Schwarze Löcher sind also quasi unsichtbar, was ihnen ihren Namen gab.

Wie entstehen Schwarze Löcher?

Ein Entstehungsszenario ist die Explosion sehr massereicher Sterne (Supernova), wenn der Kernbereich des Sterns unter der eigenen Schwerkraft kollabiert. Dabei wird die stellare Materie auf winzigstem Raum zusammengepresst. Auch die Kollision zweier massereicher Sterne kann zu einem Schwarzen Loch führen.

Wie lassen sich Schwarze Löcher beobachten?

Zwar sind die Löcher selbst unsichtbar, sie verraten sich jedoch über die Materie, die sie verschlucken. Wegen der extrem starken Schwerebeschleunigung heizt sich Materie auf dem Weg in ein Schwarzes Loch auf Millionen Grad Celsius auf und strahlt dann hell im Röntgenlicht. Dieses Leuchten können Röntgenteleskope registrieren.

Wie groß sind Schwarze Löcher?

Schwarze Löcher gibt es wohl in fast jeder Größe im Kosmos – von der einfachen Masse unserer Sonne bis zu Milliarden Sonnenmassen. Besonders massereiche Löcher sitzen in den Zentren vieler Galaxien. Auch unsere Milchstraße besitzt eine solche zentrale Schwerkraftfalle, Astronomen haben ihr den Namen „Sagittarius A*“ gegeben.

Wie lange „lebt“ ein Schwarzes Loch?

Schwarze Löcher existieren nicht ewig. In dem enormen Kraftfeld bilden sich nach den Gesetzen der Quantenphysik ständig spontan Paare von Teilchen und Antiteilchen, die nach Sekundenbruchteilen wieder zerstrahlen. Entstehen diese Teilchenpaare jedoch am Ereignishorizont des Schwarzen Lochs, kann es vorkommen, dass ein Teilchen diesseits des Ereignishorizonts landet und dem Schwarzen Loch entkommt. Dieses Phänomen wurde vom britischen Physiker Stephen Hawking beschrieben und heißt deshalb Hawking-Strahlung. Sie sorgt dafür, dass ein Schwarzes Loch im Laufe der Äonen sehr langsam zerfällt.

„Es gibt große Aufregung“, sagte Projektleiter Shepherd Doeleman vom Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik in Cambridge (US-Staat Massachusetts) dem Sender BBC. „Wir stellen unser virtuelles Teleskop seit inzwischen fast zwei Jahrzehnten zusammen und im April werden wir die Beobachtungen machen, die erstmals die Chance haben, den Ereignishorizont eines Schwarzen Loches in den Fokus zu bringen.“

Im vergangenen Jahr hatte das EHT schon einmal versucht, das Schwarze Loch Sagittarius A* im Zentrum unserer Milchstraße abzulichten – ohne Erfolg. „Nichtssagende Kleckse“ seien zu sehen gewesen, schrieb das „Science“-Magazin seinerzeit. Aber in diesem Jahr stehen die Chancen besser, denn es sind weitere leistungsstarke Teleskope zu dem Netzwerk dazugekommen.

Einmal im Jahr wird das Teleskop-Netzwerk in Richtung der Schwarzen Löcher gerichtet, diesmal an fünf Nächten zwischen dem 5. und 14. April. Dann stehen die Chancen auf passendes Wetter an den beteiligten Teleskopen gut – aber sicher ist das nicht. Und wenn das Wetter schlecht ist, wird wieder kein Schwarzes Loch auf dem Bild zu sehen sein.

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