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04.11.2011

10:27 Uhr

Evolution des Menschen

Pioniere sind fruchtbarer

Quelle:Zeit Online

Vom Vorteil, der Erste zu sein: Pioniere, die neue Gebiete besiedeln, sind fruchtbarer als andere Menschen und geben diese Eigenschaft weiter. Wie passt das zur Evolutionstheorie?

Diese Aufnahme aus dem Jahr 1960 zeigt die Nachkommen des kanadischen Pioniers Achille Bherer, der sich 1876 in der Region Lac-Saint-Jean niederliess. dapd

Diese Aufnahme aus dem Jahr 1960 zeigt die Nachkommen des kanadischen Pioniers Achille Bherer, der sich 1876 in der Region Lac-Saint-Jean niederliess.

HamburgKönnen erworbene Eigenschaften an die eigenen Nachkommen vererbt werden? Diese Frage unterschied wohl die beiden großen Evolutionsbiologen des 19. Jahrhunderts – Charles Darwin und Jean-Baptiste Lamarck. Während Lamarck argumentierte, dass etwa die Giraffenmutter ihren langen Hals an ihre Kinder weitergibt, sagte Darwin, dass Giraffen mit langen Hälsen einen evolutionären Vorteil gegenüber anderen Giraffen hatten (etwa weil sie höher wachsende Blätter von Bäumen fressen konnten) und die langen Hälse deswegen blieben.

Wessen Theorie sich durchsetzte, weiß jeder aus dem Schulunterricht – umso merkwürdiger scheint da das Ergebnis einer Studie, die nun im Magazin Science erscheint. Ein internationales Forscherteam um Claudia Moreau von der Universität Montréal erklärt darin, dass menschliche Fruchtbarkeit eine Eigenschaft sei, die sich bei ausbreitenden Bevölkerungen schnell entwickelt und von einer an die nächste Generation weitergegeben wird. 

Zu diesem Schluss kommen die Wissenschaftler, nachdem sie die Nachkommenschaft von 88.000 verheirateten Paaren anhand von Kirchenregistern zurückverfolgt haben. Insgesamt betrachteten sie die Genealogie von rund 1,2 Millionen Menschen, die zwischen 1686 und 1960 vom kanadischen Quebec aus die Region Charlevoix sowie die Orte Saguenay und Lac Saint-Jean besiedelten. Dabei stellten sie fest, dass Familien an der Front der Gebietserweiterung mehr Kinder zeugten als jene, die im Kern des Ursprungsgebietes blieben oder erst später dasselbe Gebiet besiedelten.

Demnach hatten Frauen an der Front eine um 15 Prozent höhere Fruchtbarkeitsrate, schreiben die Forscher – also 15 Prozent mehr Nachwuchs als Frauen im Kern des Besiedlungsgebietes. Einen Grund sehen die Wissenschaftler in der Tatsache, dass die Pionierinnen etwa ein Jahr früher heirateten und damit ein Jahr mehr Zeit hatten, sich fortzupflanzen.

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