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23.05.2017

08:48 Uhr

Evolution des Menschen

Stand die Wiege der Menschheit in Europa?

In Afrika trennten sich mit der Entwicklung der ersten Vormenschen die Wege von Menschen und Affen – so die bislang gängige Forschermeinung. Doch es könnte auch ganz anders gewesen sein, sagen deutsche Forscher.

Handelt es sich bei Graecopithecus um eine bislang unbekannte Vormenschenart? dpa

Unterkiefer von Graecopithecus freybergi

Handelt es sich bei Graecopithecus um eine bislang unbekannte Vormenschenart?

TübingenDie Abstammungslinien von Schimpansen und Menschen trennten sich möglicherweise in Europa – und nicht wie vielfach angenommen in Afrika. Diese Idee stellt ein Forscherteam um Madelaine Böhme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Paleoenvironment (HEP) in Tübingen im Fachmagazin „PLOS One“ vor.

Zudem könnte sich dieser Evolutionsschritt einige Hunderttausend Jahre früher ereignet haben als bisher angenommen. Die Wissenschaftler haben zwei Fossilfunde neu untersucht und die einstigen Umweltbedingungen an den Fundorten rekonstruiert.

Wann und wo sich die ersten Vormenschen entwickelten, ist bislang nicht abschließend geklärt. Der Schimpanse ist heute der nächste Verwandte des Menschen. Viele Experten gehen davon aus, dass sich die Entwicklungslinien der Schimpansen-Vorfahren und der menschlichen Linie vor fünf bis sieben Millionen Jahren in Afrika trennten.

Abspaltung im östlichen Mittelmeerraum

Das Team um Böhme untersuchte nun die beiden einzigen Funde des Hominiden Graecopithecus freybergi, der bei den Forschern den Spitznamen „El Graeco“ trägt. Zu den Hominiden gehören der Mensch samt seiner ausgestorbenen Verwandten und die Menschenaffen. Es handelt sich bei den Fossilien um einen in Griechenland gefundenen Unterkiefer und einen Zahn aus Bulgarien.

Detaillierte Untersuchungen lassen die Forscher nun vermuten, dass es sich bei Graecopithecus um eine bislang unbekannte Vormenschenart handelt. So seien die Zahnwurzeln weitgehend verschmolzen gewesen – ein charakteristisches Merkmal des Menschen und seiner ausgestorbenen Verwandten. Bei Menschenaffen liegen die Zahnwurzeln üblicherweise getrennt vor.

„Wir waren von unseren Ergebnissen selbst überrascht, denn bislang waren Vormenschen ausschließlich aus Afrika südlich der Sahara bekannt“, sagte Jochen Fuss, einer der beteiligten Wissenschaftler. Über Analysen der Sedimente, aus denen die Fossilien geborgen worden waren, datierten die Forscher den Unterkiefer auf ein Alter von 7,175 Millionen Jahren, den Zahn auf 7,24 Millionen Jahre.

Die Funde seien damit älter als der bisher älteste aus Afrika bekannte Vormensch Sahelanthropus mit einem Alter von sechs bis sieben Millionen Jahren. Daraus folgern die Forscher, dass die Abspaltung der Entwicklungslinien von Vormenschen und Schimpansen womöglich früher und nicht in Afrika, sondern im östlichen Mittelmeerraum stattfand.

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