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14.03.2016

13:13 Uhr

ExoMars

Europäisch-russische Marsmission gestartet

Gemeinsam wollen die Europäische Raumfahrtagentur Esa und ihr russischer Partner Roskosmos nach Spuren von Leben auf dem Mars suchen. Die erste schwierige Hürde für das Milliardenprojekt wurde jetzt genommen.

Eine russische Proton-Rakete brachte die ExoMars-Mission vom Weltraumbahnhof Baikonur aus ins All. AP

Start geglückt

Eine russische Proton-Rakete brachte die ExoMars-Mission vom Weltraumbahnhof Baikonur aus ins All.

BaikonurDie europäisch-russische Raumfahrtmission ExoMars ist am Montag planmäßig vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet. Eine russische Proton-M-Rakete brachte pünktlich um 10.31 Uhr MEZ einen Forschungssatelliten und ein Testlandemodul ins All. Die ersten drei Stufen der Trägerrakete wurden innerhalb weniger Minuten erfolgreich abgestoßen, wie die Leitzentrale mitteilte. Die vierte und letzte Antriebsstufe soll am Montagabend abgetrennt werden, bevor die Sonde ihre Solarmodule ausklappt und eigenständig Kurs auf den Roten Planeten nimmt.

ExoMars besteht aus dem Landegerät Schiaparelli und einer Atmosphärensonde mit der Bezeichnung TGO (Trace Gas Orbiter). Beide sollen den Mars im Oktober nach einer siebenmonatigen Reise über fast 496 Millionen Kilometer erreichen. Bei der Mission der europäischen Weltraumagentur Esa und der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos geht es vor allem um die Suche nach Methan auf dem Mars – das Gas könnte Hinweise auf organisches Leben liefern.

Mission ExoMars

Was ist das Besondere an ExoMars?

Sowohl für die europäische Weltraumbehörde Esa als auch für ihr russisches Pendant Roskosmos ist ExoMars ein wichtiger Schritt in der eigenen Mars-Forschung. Hatten bislang nur die USA dauerhaft erfolgreich Sonden und Rover auf dem Roten Planeten landen lassen, wollen die Europäer nun nachziehen. Das Projekt soll zudem ein Zeichen der Zusammenarbeit in einer von politischen Krisen überschatteten Zeit setzen.

Was kann der Satellit TGO?

Der 3,5 Meter große und rund 4 Tonnen schwere Wissenschaftssatellit soll bis mindestens 2022 um den Mars kreisen und die Zusammensetzung der Atmosphäre erforschen. Die Esa hofft vor allem auf einen Nachweis von Methangas. Da auf der Erde Methan vor allem von Organismen gebildet wird, wäre dies auch auf dem Mars nicht ausgeschlossen. Zudem befindet sich ein Neutronendetektor an Bord von TGO. Damit wollen die Forscher eine Karte von Eis unter der Mars-Oberfläche in einer Tiefe von bis zu einem Meter erstellen.

Was unterscheidet den ExoMars-Rover von bisherigen Rovern?

Der ExoMars-Rover soll im Marsboden nach Spuren von möglichem Leben in der Frühgeschichte des Roten Planeten suchen. Dazu ist der Roboter in der Größe eines Golf-Buggys mit einem Bohrer ausgestattet, der zwei Meter tief in den Marsboden vordringen kann. Zum Vergleich: Der US-Rover Curiosity kann nur wenige Zentimeter tief bohren.

Welche Aufgabe hat das Testlandemodul Schiaparelli?

Wenn die kreisrunde Station planmäßig am 19. Oktober in der Mars-Region Meridiani Planum landet, hat sie ihre Aufgabe schon erfüllt. Mit der 600 Kilogramm schweren Sonde wollen Esa und Roskosmos Erfahrungen mit Landungen auf dem Mars sammeln. Schiaparelli hat nur eine geplante Lebensdauer von wenigen Tagen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass Leben auf dem Mars gefunden wird?

Nach Experteneinschätzung ist das nicht sehr wahrscheinlich. In der bisherigen Mars-Forschung wurden zwar mehrfach Spuren von Wasser auf dem Roten Planeten nachgewiesen, aber keine Hinweise auf Leben. Selbst wenn der ExoMars-Rover Indizien für organische Moleküle finden würde, müssten die Proben für eine präzise Analyse auf die Erde gebracht werden.

Bringt ExoMars Erkenntnisse für eine bemannte Mars-Mission?

Nicht direkt. Im Vordergrund der beiden ExoMars-Missionen 2016 und 2018 steht die Suche nach Leben auf dem Mars. Indirekt könnten aber beispielsweise Karten von Eis unter der Oberfläche nützlich sein, die mit dem Neutronendetektor an Bord des TGO-Satelliten erstellt werden sollen. Diese Karten könnten helfen, einen Landeplatz für Raumfahrer auf dem Mars zu finden, an dem sie Trinkwasser produzieren könnten.

„Das ist eine lange und aufregende Mission“, sagte der Leiter des Raumfahrtkontrollzentrums Esoc in Darmstadt, Rolf Densing, vor dem Start. Die Darmstädter Kontrolleure erwarten um 22.29 Uhr MEZ das erste Lebenszeichen des Satelliten.

Nach Erreichen ihres Bestimmungsorts am 16. Oktober soll sich das Testlandemodul von der Atmosphärensonde trennen und drei Tage später auf dem Mars aufsetzen. Auf dem Roten Planeten wird das 600 Kilogramm schwere Schiaparelli-Modul mehrere Tage lang Technologien für die spätere Landung eines Rovers und einer Plattform zur Erforschung der Planetenoberfläche testen.

Methan als Schlüssel zu möglichem Mars-Leben

Diese Landung ist bei einer zweiten ExoMars-Mission geplant, die 2018 starten soll. Der Rover soll auf und unter der Mars-Oberfläche Hinweise auf gegenwärtiges oder früheres Leben finden – wenn es solche Spuren denn tatsächlich gibt.

Die Atmosphärensonde wiederum soll in eine Umlaufbahn um den Mars einschwenken und Spurengase in dessen Atmosphäre untersuchen. Dabei geht es den Wissenschaftlern besonders um das Aufspüren von Methan – Hinweise auf geringe Mengen dieses Gases hatte bereits die 2003 gestartete europäische Sonde Mars Express gesammelt.

Die Forscher wollen nun wissen, woher dieses Spurengas stammt. Denn eine mögliche Quelle könnten biologische Organismen sein – aber auch Vulkanismus. Um die Herkunft des Gases zu klären, soll die TGO-Sonde während ihrer mehrjährigen Wissenschaftsmission die geografische und jahreszeitliche Abhängigkeit der Methan-Konzentration messen.

Es ist das zweite Mal, dass Europa den roten Planeten erforschen will. Bei der Wissenschaftsmission Mars Express war 2003 der Mars-Roboter Beagle 2 verlorengegangen. Mehr als elf Jahre später wurde er mit Hilfe von Satellitenaufnahmen der Nasa-Sonde Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) wieder auf dem Mars entdeckt.

Die russischen Ambitionen waren zuletzt 2012 enttäuscht worden, als die Sonde Phobos-Grunt in den Pazifik stürzte. Russland und Europa taten sich nun für die milliardenschwere Exo-Mars Mission zusammen, die zunächst Nasa und Esa gemeinsam hatten starten wollen. Doch die US-Raumfahrtbehörde zog sich Anfang 2012 wegen Sparzwängen zurück.

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