Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.10.2011

10:05 Uhr

Exoskelett

Roboter-Gehhilfe lässt Gelähmte hoffen

Für manchen Rollstuhlfahrer scheint ein Lebenstraum in greifbare Nähe gerückt: Die erste Schritte auf eigenen Beinen – ein neuer Roboter soll es möglich machen. Doch Experten warnen vor zu hohen Erwartungen.

"Testpilotin" Amanda Boxtel mit ihrem anziehbaren Roboter Ekso. Mit dem Exoskelett ist es der querschnittsgelähmten Frau möglich, erstmals seit ihrer Verletzung wieder aufzustehen und zu gehen. dpa

"Testpilotin" Amanda Boxtel mit ihrem anziehbaren Roboter Ekso. Mit dem Exoskelett ist es der querschnittsgelähmten Frau möglich, erstmals seit ihrer Verletzung wieder aufzustehen und zu gehen.

München„Ich hätte es mir nie erträumt, dass ich in meinem Leben jemals wieder laufen würde.“ Amanda Boxtel aus Colorado sitzt seit rund 20 Jahren im Rollstuhl. Seit einem Skiunfall ist sie querschnittgelähmt. Jetzt ist sie „Testpilotin“ für einen Roboter, der wie ein äußeres Skelett – ein sogenanntes Exoskelett – auf den Körper angelegt wird und Querschnittsgelähmten wieder eigene Schritte ermöglichen soll.

Mehrere Firmen weltweit arbeiten an solchen Gehhilfen, unter anderem in Israel, Japan und Neuseeland. Die US-Firma Ekso Bionics stellte am Donnerstag in München ihren Roboter Ekso vor. Das Gerät solle nun in amerikanischen und europäischen Rehakliniken an Querschnittgelähmten, aber auch an Schlaganfall- und Multiple-Sklerose-Patienten getestet und für den heimischen Gebrauch weiterentwickelt werden, kündigte Geschäftsführer Eythor Bender an.

„Wir haben die führenden Reha-Zentren auf unserer Seite.“ Rund ein halbes Dutzend Roboter sind nach Angaben der Firma schon für die Erprobungsphase ausgeliefert. „Hier in Europa fangen wir gerade an.“ Im Frühjahr könnten auch hier die ersten Roboter zum Einsatz kommen.

In den Kliniken soll unter anderem untersucht werden, ob die Geräte einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben. Etwa könnten Wundstellen vermieden, die Durchblutung gefördert, Osteoporose eingedämmt und Gelenke flexibel gehalten werden.

Amanda Boxtel sagt, sie spüre den positiven Effekt: „Im Rollstuhl sind meine Beine kalt und lila, wenn ich mit Ekso gehe, sind sie warm und rosa.“ Ursprünglich ist der Roboter eine militärische Entwicklung. Studenten der Universität von Berkeley hatten die Idee, die US-Armee zeigte Interesse. Soldaten sollen mit der Gehhilfe rund 100 Kilogramm Last tragen können, ohne gesundheitliche Schäden zu riskieren.

Derzeit wird das Gerät laut Ekso Bionics noch für das Militär getestet. Hauptproblem ist die Batterie, die maximal acht Stunden hält, bei dem Exoskelett für Patienten sind es vier Stunden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×