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20.01.2005

17:10 Uhr

Forschung + Medizin

Experiment mit genveränderten Reben gescheitert

Nach einem gescheiterten Experiment mit gentechnisch verändertem Wein in Würzburg ist am Donnerstag der betreffende Weinberg gerodet worden. 540 Pflanzen und viele „normale Rebstöcke“ ringsherum wurden mit einem Pflug herausgerissen.

dpa WÜRZBURG. Nach einem gescheiterten Experiment mit gentechnisch verändertem Wein in Würzburg ist am Donnerstag der betreffende Weinberg gerodet worden. 540 Pflanzen und viele „normale Rebstöcke“ ringsherum wurden mit einem Pflug herausgerissen.

Das bestätigte der Abteilungsleiter Weinbau bei der bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG), Klaus Wahl. Der Bund Naturschutz in Bayern bekräftigte aus diesem Anlass seine Kritik an der Gentechnik-Freilandforschung. Auch der bundesweit erste Freilandversuch mit gentechnisch veränderten Weinreben im südpfälzischen Siebeldingen war kürzlich vorzeitig beendet worden.

Unter dem Protest von Naturschützern waren 1999 auf Flächen der LWG am Würzburger Pfaffenberg genmanipulierte Riesling-Reben gepflanzt worden. Ihnen wurden zwei Gene der Gerste eingesetzt. Damit sollten die Weinstöcke gegen Pilzerkrankungen widerstandsfähig gemacht werden, um weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen zu müssen. Das ursprünglich auf zehn Jahre angelegte Forschungsprojekt war vor kurzem vorzeitig abgebrochen worden, weil der gewünschte Effekt nicht eintrat.

Wahl verteidigte den Freisetzungsversuch als wichtigen Beitrag, um Erkenntnisse zu den Sicherheitsbemühungen rund um ein solches Projekt zu gewinnen. Das Projekt wurde von einer Sicherheitsforschung begleitet, die darstellen sollte, wie sich die übertragenen Gene auf Pilze und Umwelt auswirken. Einige Liter „Gen-Wein“ aus drei Jahrgängen sind auch geerntet worden. Sie werden derzeit von Fachleuten verkostet. „Wir konnten zum Beispiel nachweisen, dass Bruchstücke von genetischem Material kurze Zeit auch noch im Most auftauchen, aber nach etwa sechs Monaten nicht mehr nachweisbar sind.“

Das ebenfalls 1999 gestartete Projekt des Instituts für Rebenzüchtung Gauweilerhof in Rheinland-Pfalz hatte gezeigt, dass Pollen von gentechnisch veränderten Weinreben auch Eizellen normaler Weinreben befruchten und die Bildung von genveränderten Samen verursachen können. Eine wilde Ausbreitung gentechnisch veränderter Reben ist nach Darstellung von Institutsdirektor Prof. Reinhard Töpfer jedoch nicht zu fürchten, weil nicht jeder Samen aufgehe und weil wild wachsende Keimlinge von den Winzern entfernt würden. Das Projekt in Siebeldingen wurde seinen Angaben zufolge vorzeitig beendet, weil man genug Daten gesammelt habe.

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