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07.02.2006

08:45 Uhr

Falsche Diagnosen bedenklich

Krebstest versetzt Männer in Panik

VonHans Schürmann

Namenhafte Prominente wie der Ex-Torhüter Sepp Maier und der Zehnkämpfer Frank Busemann werben für eine vermeintlich gute Sache – die Prostatakrebs-Vorsorge für Männer. Doch kann eine Vorsorgeuntersuchung auf Prostatakrebs wirklich Leben retten?

DÜSSELDORF. Ex-Torhüter Sepp Maier, Zehnkämpfer Frank Busemann und Eberhard Gienger, Weltmeister am Reck, werben für eine vermeintlich gute Sache – die Prostatakrebs-Vorsorge für Männer. Initiiert wird die Prominenten-Aktion von der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und dem Berufsverband der Urologen (BDU). „Die Prostata ist leider für viele immer noch ein Tabuthema“, beklagen die Mediziner Nur etwa 15 Prozent der über 45-Jährigen nehmen die von den Krankenkassen bezahlte Vorsorgeuntersuchung in Anspruch.

Doch kann eine Vorsorgeuntersuchung auf Prostatakrebs wirklich Leben retten? Diese Frage wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Umstritten ist vor allem der so genannte PSA-Test, ein Bluttest mit dem angeblich das Entstehen von Prostatakarzinomen frühzeitig entdeckt werden kann. Er sei zu ungenau und führe zu einer Übertherapie, schimpfen die Kritiker.

In der Regel ist der Prostatakrebs eine Krankheit des älteren Mannes: Fast 90 Prozent der Patienten sind zum Zeitpunkt der Diagnose über 60 Jahre alt, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 72 Jahren. Weil ein Nutzen des routinemäßigen PSA-Screenings ohne Verdacht – also bei möglichst allen gesunden Männern ohne Symptome – bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte, ist diese Untersuchung nicht Teil des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms und wird auch nicht von den Krankenkassen bezahlt.

Dennoch werben die urologischen Praxen weiter für den Bluttest, den der Patient als „individuelle Gesundheitsleistung“ (IGeL) selbst bezahlen muss. Kosten: bis zu 50 Euro.

Skeptiker haben jetzt neue Argumente für ihre Einwände erhalten. Eine Studie des US-Mediziners John Concato an der Yale-Universität in New Haven zeigt: Ob der Tumor durch eine PSA-Untersuchung diagnostiziert wurde oder nicht, hat offenbar keinen Einfluss auf die Sterblichkeit der Patienten. Die Mediziner haben 501 Männer ermittelt, die bis 1999 an einem Prostatakarzinom gestorben waren. Diesen Patienten wurde eine gleich große Gruppe von Personen gegenübergestellt, die ebenfalls an einem Prostatakarzinom erkrankt waren, die gleiche Behandlung erhalten hatten, aber noch am Leben waren.

Die Forscher rechneten damit, dass bei den verstorbenen Patienten seltener ein PSA-Test durchgeführt worden war. Dies war aber nicht der Fall. Der Anteil der Patienten, die an einem Bluttest teilgenommen haben, war in beiden Gruppen gleich.

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