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17.03.2016

11:53 Uhr

Feuer-Experiment Saffire

Die Nasa zündelt im All

VonThomas Trösch

Noch ist wenig bekannt darüber, wie sich Feuer an Bord von Raumschiffen entwickeln und wie sie sich wirksam bekämpfen lassen. Mit einem flammenden Experiment im All will die US-Weltraumbehörde Nasa das nun ändern.

Feuer an Bord von Raumschiffen gehört zu den am meisten gefürchteten Gefahren der bemannten Raumfahrt. AFP; Files; Francois Guillot

US-Astronaut im All

Feuer an Bord von Raumschiffen gehört zu den am meisten gefürchteten Gefahren der bemannten Raumfahrt.

BerlinFeuer auf einem Raumschiff oder einer Raumstation – kaum ein anderes Szenario ist derart gefürchtet in der bemannten Raumfahrt. Doch obwohl die großen Raumfahrtnationen seit Jahrzehnten Menschen ins All schicken, ist noch verhältnismäßig wenig darüber bekannt, wie sich Feuer unter Weltraumbedingungen ausbreitet und wie man es am besten bekämpft. Das will die Nasa nun ändern.

„Ein Brand an Bord eines Raumschiffs ist eines der größten Sicherheitsrisiken überhaupt“, so Gary Ruff, Projektmanager von Saffire. Der Name steht für „Spacecraft Fire Experiment“ und beschreibt eine Serie von drei geplanten Experimenten der US-Weltraumbehörde. Kommende Woche soll ein Cygnus-Raumtransporter das erste davon ins All befördern.

Raumfahrt-Katastrophen

22. März 1961

Kurz vor dem ersten russischen Raumflug kommt der Kosmonaut Walentin Bondarenko beim Training in einer Isolationskammer des Moskauer Instituts für Raumfahrtmedizin ums Leben. Ein mit Alkohol getränkter Wattebausch hatte sich entzündet und die mit reinem Sauerstoff gefüllte Kammer in Brand gesetzt.

27. Januar 1967

Bei einem Bodentest der US-Raumkapsel Apollo 1 am Raketenstartplatz Cape Canaveral (US-Bundesstaat Florida) verbrennen drei amerikanische Astronauten. Ein Funke hatte die Kapsel in Brand gesetzt.

24. April 1967

Der sowjetische Kosmonaut Wladimir Komarow zerschellt nach der Rückkehr aus dem Weltraum mit seinem Raumschiff Sojus 1 auf der Erde. Das Fallschirmsystem hatte versagt.

29. Juni 1971

Die dreiköpfige Besatzung des sowjetischen Raumschiffes Sojus 11 wird bei der Rückkehr von der Saljut-Raumstation tot in ihrer Kapsel aufgefunden. Bei der Landung hatte der Druckausgleich der Kapsel versagt.

18. März 1980

Eine Wostok-2M-Rakete explodiert beim Betanken direkt auf der Startrampe des russischen Weltraumbahnhofs Plessezk. 48 Menschen sterben.

28. Januar 1986

Nur 73 Sekunden nach dem Start explodiert die US-Raumfähre Challenger und stürzt in den Atlantik. Alle sieben Astronauten kommen ums Leben. Unglücksursache: eine fehlerhafte Dichtung zwischen Segmenten einer Antriebsrakete.

15. Februar 1996

Eine chinesische Rakete des Typs CZ-3 kommt kurz nach dem Start vom Kurs ab und stürzt in ein Dorf. Bei der Explosion sterben nach offiziellen Berichten sechs Menschen, inoffizielle Quellen sprechen von bis zu 500 Toten.

1. Februar 2003

Die Raumfähre Columbia bricht während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre auseinander. Alle sieben Astronauten an Bord sterben. Ursache der Katastrophe: Beim Start war ein Stück Schaumstoff vom Außentank abgerissen und hatte die Hitze-Isolierung des Spaceshuttles beschädigt.

22. August 2003

Eine brasilianische Trägerrakete des Typs VLS-1 explodiert auf der Startrampe des Weltraumbahnhofs Alcantara im Norden Brasiliens. 21 Menschen sterben.

„Saffire wird das bislang größte von Menschen im All kontrolliert gezündete Feuer entfachen“, so Ruff. Das Experiment besteht aus einem Behälter, in dem sich neben diversen Sensoren und Kameras ein etwa ein Meter langer Streifen aus brennbarem Material und eine Zündvorrichtung befinden.

Die Cygnus-Kapsel wird zunächst wie üblich an der Raumstation ISS andocken. Nachdem die ISS-Crew die Versorgungsgüter ausgeladen und die Kapsel mit Abfall befüllt hat, schickt sie Cygnus auf den Heimweg. Der führt die Raumkapsel dann aber nicht sofort zur Erde. Stattdessen entfernt sich der Transporter zunächst mehrere Stunden lang von der Raumstation, um dann in sicherer Entfernung das Feuer-Experiment zu starten.

„Saffire erlaubt uns, auch größere Materialproben zu verbrennen, ohne die Station und ihre Crew einem Risiko auszusetzen“, so Ruff. Nach dem Ende des Experiments bleibt der Raumtransporter noch im All, bis alle Daten zur Kontrollzentrale gefunkt sind. Erst dann kehrt Cygnus zur Erde zurück, wo er wie geplant in der Atmosphäre verglühen wird.

„Saffire soll uns Antworten auf zwei Fragen liefern“, erläutert David Urban, der Leiter des Forschungsteams. „Zum einen: Wie werden Flammen durch die Bedingungen der Mikrogravitation beeinflusst? Zum anderen: Welche Materialien fangen überhaupt Feuer und wie verbrennen sie?“

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