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16.03.2014

09:12 Uhr

Flächen doppelt nutzen

Fischzucht zwischen Windkrafträdern

Die Fischbestände in Nord- und Ostsee schwinden. Deshalb wird nach Lösungen gesucht, wie der Bedarf an Speisefisch auch künftig gedeckt werden kann. Eine Möglichkeit könnte die Käfigzucht in Offshore-Windparks sein.

Professor Bela Buck vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven: Der Wissenschaftler arbeitet an einem Projekt zur Betreibung von Aquakulturen im Bereich von Offshore-Windparks. dpa

Professor Bela Buck vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven: Der Wissenschaftler arbeitet an einem Projekt zur Betreibung von Aquakulturen im Bereich von Offshore-Windparks.

BremerhavenMehr als 75 Prozent der weltweit kommerziell genutzten Fischbestände sind nach Angaben des Naturschutzbundes Nabu überfischt. Doch der Appetit auf Fisch ist ungebremst. Was also tun? Wissenschaftler des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung (AWI) erforschen, wie Steinbutt, Lachs und Kabeljau in den Windparks auf hoher See gezüchtet werden könnten. „So würden die riesigen Flächen zweifach genutzt“, sagt Projektleiter Bela H. Buck.

Die Fischzucht spielt in Deutschland bislang im Vergleich zur Küsten- und Hochseefischerei eine kleinere Rolle. „Aquakultur in geschlossenen Kreislaufsystemen ist teuer und lohnt sich nur bei hochpreisigen Fischen“, begründet Biologe Buck. Anders als etwa in den norwegischen Fjorden könne an der deutschen Nordseeküste zudem keine Freiwasserkultur betrieben werden, da das Wattenmeer Nationalpark ist. Nur die Miesmuschelzucht ist erlaubt. Und jenseits des Küstenmeeres war bislang wegen der Strömung und der Wellen nicht an eine Zuchtfarm zu denken.

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Das hat sich geändert. „Es gibt inzwischen bessere Netze und stabile Verankerungen, die den Kräften dort draußen standhalten“, sagt Buck. Die eigens konzipierten Käfige und Netze werden an den Fundamenten der Windräder befestigt. Hängen die Käfige mit den Zuchtfischen weit genug unter der Wasseroberfläche, lasse auch die Kraft der Wellen extrem nach. Und an die Strömung gewöhnten sich die Tiere. „Die Fische in den Käfigen könnten sowohl unter als auch über Wasser automatisiert abgeerntet werden“, sagt Buck.

Die Offshore-Parks sind aus Sicherheitsgründen für die Schifffahrt gesperrt. Nur die Versorgungsschiffe der Windparkbetreiber dürfen sie anfahren. Für die Aufzucht und Ernte der Tiere könnten Fischfarmer die Versorgungsschiffe mitnutzen - was die Kosten für beide Seiten senken würde, sagt Buck. „Eine Mehrfachnutzung der Windparks ist sicherlich sinnvoll“, sagt auch Ronny Meyer, Geschäftsführer der Windenergie-Agentur WAB in Bremerhaven.

Kommentare (1)

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17.03.2014, 10:17 Uhr

In den Offshore-Windparks braucht man überhaupt keine Aquakultur zu betreiben. Sie werden auch so zu ökologischen Inseln, weil in ihrem Umkreis das Fischen verboten ist und die Fundamente Verstecke bieten. Biologen sollten sich damit beschäftigen, welche einfachen Möglichkeiten es in dieser Richtung noch gibt.

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