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30.08.2014

12:02 Uhr

Fledermausforscher

Auf den Spuren von Batman

Batman räumt in Gotham City auf. Doch die Realität von Fledermäusen ist weniger glamourös, viele Arten sind gefährdet. Um sie besser zu schützen, gehen Naturschützer nachts auf die Pirsch – und fangen die Tiere ein.

Das Braune Langohr ist eine von 23 Fledermausarten in Deutschland. dpa

Das Braune Langohr ist eine von 23 Fledermausarten in Deutschland.

MudershausenEin behutsamer Griff - schon hält Andreas Kiefer das kleine Tier sicher in Händen. Dem Fledermausexperten des Naturschutzbundes (Nabu) Rheinland-Pfalz ist ein Braunes Langohr buchstäblich ins Netz gegangen. Der Kopf des Tierchens ist kaum größer als eine Fingerkuppe, es wird gewogen und vermessen. Kiefer ist gemeinsam mit Rolf Klenk von der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie (GNOR) zu einer nächtlichen Netzfangaktion an den Ausgang eines alten Stollens nahe Mudershausen im Hintertaunus gekommen. Ziel der Aktion: Sie sammeln Daten von Tieren, um mehr über den Bestand und den Zustand der Exemplare in der Region zu erfahren.

Kiefer und Klenk, die sich im Arbeitskreis Fledermausschutz Rheinland-Pfalz engagieren, haben ein feines Netz vor dem Ausgang eines 1,7 Kilometer langen Stollens postiert. Wo früher Kalkstein abgebaut wurde, fühlen sich heute Fledermäuse wohl. Wenn es dunkel wird, verlassen sie ihr Quartier, diesen Moment passen die Naturschützer ab. Mit Kopflampen leuchten sie die Szenerie im Wald spärlich aus, neben dem Netz steht ein Gerät, aus dem Sozialrufe von Fledermäusen kommen. Die meisten sind für den Menschen nicht wahrnehmbare Ultraschall-Laute, sie sollen Tiere anlocken.

In Rheinland-Pfalz gibt es reichlich bedeutende Fledermaus-Quartiere, wie Kiefer erklärt. Eines der wichtigsten Überwinterungsquartiere in ganz Mitteleuropa ist das Mayener Grubenfeld in der Eifel mit seinem verschlungenen System aus rund 500 Schächten. Dieses Gebiet besuchen Zehntausende Tiere jedes Jahr. Im Stollen bei Mudershausen sind es nicht so viele, in dieser kühlen August-Nacht fangen Kiefer und Klenk insgesamt 19 Exemplare, neben dem Braunen Langohr auch Bechstein- und Wasserfledermäuse.

Fledermaus-Forscher Andreas Kiefer prüft ein Fangnetz. dpa

Fledermaus-Forscher Andreas Kiefer prüft ein Fangnetz.

Insgesamt leben laut Nabu in Deutschland 23 Arten, viele davon sind gefährdet. Probleme bereiteten etwa Insektizide und Pestizide, erklärt Klenk. Zudem seien Bestände von giftigen Substanzen in Holzgebälken von Gebäuden dezimiert worden, in denen sich die Tiere wohlfühlen. Derweil nimmt Kiefer das Braune Langohr unter die Lupe. „Das ist ein erwachsenes Tier“, sagt er. Der Fachmann erkennt das an dem abgeschlossenen Knochenwachstum und den abgenutzten Zähnen.

Das Alter schätzt er auf fünf bis sechs Jahre. „Man sieht deutlich, dass es ein recht potenter Mann ist“, sagt er schmunzelnd. Um das Tier zu beruhigen, setzt er es in ein kleines Säckchen. Dann wird gewogen, 7,5 Gramm schwer ist der geflügelte Zeitgenosse. Kiefer misst die Unterarmlänge, befestigt einen Metallring mit einer Identifikationsnummer und entlässt das Tier wieder in die Freiheit.

Nach wenigen Augenblicken ist das Braune Langohr in der Dunkelheit verschwunden - und dürfte nach Fressbarem Ausschau halten. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Nachtfalter. Per Echo-Ortung lokalisierten sie ihre Beute, erklärt Kiefer. Abgesehen haben sie es auf den Körper der Falter. „Wenn man morgens auf dem Balkon Reste von Falterflügeln findet, weiß man, es war Fledermausbesuch da.“

Im Spätsommer sind die Fledermäuse aber nicht nur auf Nahrungs-, sondern auch auf Partnersuche. Die Weibchen haben zuvor in sogenannten Wochenstuben oft zu Tausenden gemeinsam Junge aufgezogen. „Da sind keine Männchen dabei“, betont Klenk. Nun treffen beide Geschlechter wieder zusammen, auch an dem Stollen im Taunus. Die größten Wochenstuben der Großen Mausohren etwa mit Tausenden Weibchen liegen gleich um die Ecke - in Nassau, Kamp-Bornhofen und Cramberg.

Doch warum fühlen sich die Tiere hier so wohl? „Der optimale Lebensraum sind Kulturlandschaften“, erklärt Klenk. Perfekt sei ein Mix aus Waldgebieten mit Baumhöhlen, Streuobstwiesen, Dörfern, Gewässern und landwirtschaftlichen Flächen ohne Monokulturen.

Von

dpa

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