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18.08.2014

17:16 Uhr

Flucht von Ebola-Kranken

Chaos und Angst in Liberia

Verheerende Zustände in Liberia: Nach dem Sturm auf eine Ebola-Klinik, bei dem infizierte Personen fliehen konnten, herrscht in der Hauptstadt Chaos. An der Grenze soll die Armee einen Schießbefehl erhalten haben.

Desinfektion für das Gesundheitspersonal: Bis zu 30 Infizierte sollen aus dem Krankenhaus in West Point geflüchtet sein. ap

Desinfektion für das Gesundheitspersonal: Bis zu 30 Infizierte sollen aus dem Krankenhaus in West Point geflüchtet sein.

MonroviaDie Flucht von Ebola-Patienten aus einer Isolierstation schürt in Liberia die Angst vor einer weiteren Ausbreitung der Epidemie. Wie die örtliche Zeitung „Front Page Africa“ am Montag berichtete, hatten Bewohner der Armensiedlung West Point in der Hauptstadt Monrovia Kranke am Samstag zur weiteren Versorgung mit nach Hause genommen. Die Patienten könnten nun weitere Menschen in dem dicht besiedelten Slum mit der Virus-Krankheit infizieren.

Viele Menschen in Monrovia werfen der Regierung vor, die Patienten nicht ausreichend zu versorgen. So berichtete eine Frau der Zeitung „Front Page Africa“, ihr kranker Mann habe trotz Anrufen bei verschiedenen Stellen tagelang keine Hilfe bekommen, bis er gestorben sei.

In dem Slum nahe des Zentrums der Hauptstadt leben etwa 75.000 Menschen. Am vorigen Donnerstag hatte das Gesundheitsministerium angekündigt, das Areal unter Quarantäne zu stellen. Am Samstag hatte dann eine aufgebrachte Menge das Krankenhaus gestürmt und geplündert. Die Situation in der Siedlung war Augenzeugen zufolge chaotisch: „Während ich spreche, ist die Polizeistation menschenleer. In West Point gibt es im Moment keine Sicherheit“, zitierte „Front Page Africa“ den Bewohner Moses Teah.

Arzt im Seuchengebiet: Ebola bestraft jeden Fehler brutal

Arzt im Seuchengebiet

Ebola bestraft jeden Fehler brutal

Wie bekämpft man eine Seuche, gegen die es kein Heilmittel gibt? Der Arzt Maximilian Gertler hat in Westafrika Ebola-Patienten behandelt, er berichtet über den Alltag der Menschen, die sich der Krankheit erwehren müssen.

Zusätzlich erschweren Gerüchte den Kampf von Helfern gegen das Virus: So gehen viele Liberianer davon aus, die Krankheit sei nur eine Erfindung der Regierung. Andere Gerüchte - vor allem aus ländlichen Gebieten - beschuldigen die Helfer unter anderem des Organraubs.

An der geschlossenen Grenze zu Sierra Leone erhielt die Armee laut einem Bericht der lokalen Zeitung „Daily Observer“ die Anweisung, jede Person in Sichtweite zu erschießen, die illegal das Land betreten wolle. Das Blatt beruft sich auf den stellvertretenden Stabschef, Oberst Eric Dennis. Mit der Anordnung soll dem Bericht zufolge die Einreise von potenziell an Ebola erkrankten Menschen verhindert werden.

In Liberia wütet die Ebola-Epidemie seit Monaten besonders heftig: In dem westafrikanischen Land gab es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis zum 13. August 786 bestätigte und Verdachtsfälle, 413 Menschen starben an der Krankheit - die Regierung hatte am 6. August einen dreimonatigen Ausnahmezustand verhängt. Insgesamt hat Ebola in den betroffenen Ländern Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria bis vergangenen Mittwoch mehr als 1100 Menschen getötet.

Von

dpa

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