Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.10.2014

10:49 Uhr

Flüchtige Begegnung

Komet rast knapp am Mars vorbei

Es ist ein seltenes Rendezvous: Komet trifft Mars - zumindest fast. Entsprechend groß ist die Aufregung vieler Astronomen. Etliche Teleskope, Sonden und Marsrover-Geräte werden auf den kosmischen Flirt ausgerichtet sein.

Künstlerische Darstellung zeigt den Kometen „Siding Spring”, der am kommenden Sonntag in knapp 140 000 Kilometern Entfernung am Mars vorbeirasen wird. dpa

Künstlerische Darstellung zeigt den Kometen „Siding Spring”, der am kommenden Sonntag in knapp 140 000 Kilometern Entfernung am Mars vorbeirasen wird.

Göttingen/WashingtonEin Komet wird am Wochenende knapp am Mars vorbeirasen. Die flüchtige Begegnung soll genau erfasst werden: Mehr als ein Dutzend Raumsonden, Teleskope und Marsfahrzeuge bringt die US-Raumfahrtbehörde Nasa für das Treffen am Sonntag in Stellung. Erstmals werde ein Komet aus so großer Nähe von so vielen Instrumenten beobachtet, sagte Markus Fränz vom Max-Planck-Institut (MPI) für Sonnensystemforschung in Göttingen am Freitag. „Siding Spring“ soll in 140 000 Kilometern Entfernung am Roten Planeten vorbeirasen und ihn dabei mit seinem Schweif streifen.

Der Komet stammt aus der sogenannten Oortschen Wolke, einem Bereich gewaltigen Ausmaßes, der die Sonne in großer Entfernung umgibt. Fränz schätzt, dass „Siding Spring“ bislang rund 14 Milliarden Kilometer zurückgelegt hat. Am Sonntagabend passiert der Komet mit einer Geschwindigkeit von rund 56 Kilometern pro Sekunde den Mars. Die Nasa erwartet sowohl Daten über die Zusammensetzung des Kometen als auch über das Wechselspiel zwischen der Marsatmosphäre und ihrem Umfeld.

Mars-Missionen

4. November 1962

Die Sowjetunion startet mit „Sputnik 24“ den ersten Landeversuch auf dem Roten Planeten. Die Sonde zerbricht allerdings schon kurz nach dem Start und verglüht am 19. Januar 1963 in der Erdatmosphäre.

27. November 1971

Das Landemodul der sowjetischen Raumsonde „Mars 2“ zerschellt an der Oberfläche des Roten Planeten. Es ist das erste menschengemachte Objekt auf dem Mars.

2. Dezember 1971

Dem Landemodul der sowjetischen Raumsonde „Mars 3“ gelingt die erste weiche Landung auf dem Roten Planeten, nach 20 Sekunden versagen jedoch seine Instrumente.

9. März 1974

Das Landemodul der sowjetischen Sonde „Mars 7“ verfehlt den Roten Planeten um 1300 Kilometer – vermutlich durch einen Computerfehler.

20. Juli 1976

Die Landekapsel der US-Sonde „Viking 1“ landet weich auf dem Mars. Mehr als sechs Jahre sendet sie Bilder und Daten.

3. September 1976

Das Landemodul der amerikanischen „Viking 2“-Sonde setzt weich auf dem Roten Planeten auf. Es funkt rund dreieinhalb Jahre lang Bilder und Daten.

17. November 1996

Die russische Raumsonde „Mars 96“ stürzt nach einem fehlerhaften Start samt Mars-Einschlagmodulen in den Pazifik.

4. Juli 1997

Die US-Sonde „Pathfinder“ landet auf dem Mars und liefert spektakuläre Bilder. Mit dem Roboter „Sojourner“ erkundet erstmals ein ferngesteuertes Fahrzeug einen anderen Planeten.

25. Dezember 2003

Der Landeroboter „Beagle 2“ der europäischen Sonde „Mars-Express“ wird auf der Oberfläche abgesetzt, sendet aber keine Funksignale.

4. Januar 2004

Der amerikanische Landeroboter „Spirit“ erreicht den Mars. Drei Wochen später landet sein Zwilling „Opportunity“, der noch immer die Oberfläche erkundet. Der Kontakt zu „Spirit“ bricht im März 2010 ab.

26. Mai 2008

Die US-Marssonde „Phoenix“ setzt weich am Nordpol des Roten Planeten auf. Mittels Bodenproben können NASA-Forscher zwei Monate später Wasser auf dem Planeten nachweisen. Seit November 2008 ist „Phoenix“ nicht mehr in Betrieb.

6. August 2012

Der Nasa-Rover Curiosity landet auf dem Mars. Das Hightech-Gefährt soll die Oberfläche unseres Nachbarplaneten erforschen und nach Spuren möglicher Lebensformen suchen.

Mindestens 16 Geräte im All und auf dem Mars seien an den Analysen beteiligt, darunter der Marsrover „Curiosity“ und das Weltraumteleskop „Hubble“, hieß es von der Nasa. Auch die Raumsonde „Maven“, die erst kürzlich den Mars erreichte, wird eingesetzt. „Das ist ein kosmisches Geschenk an die Wissenschaft“, sagte kürzlich John Grunsfeld, Chef des Nasa-Wissenschaftsdirektorats. Die Geräte der Nasa seien auf vollen Empfang gestellt.

Von den Daten versprechen sich die Forscher Rückschlüsse auf die Materialien, die es bei der Bildung des Sonnensystems vor etwa 4,6 Milliarden Jahren gab. Die Oortsche Wolke, aus der der Komet stammt, ist chemisch sehr ursprünglich. „Es besteht die Möglichkeit, einzelne Atome und Ionen einzufangen“, sagte Fränz. Die Göttinger Forscher sind mit dem Teilchendetektor „Aspera-3“ an Bord der Esa-Raumsonde „Mars Express“ an den Untersuchungen beteiligt.

Daneben erhoffen sich die Wissenschaftler Erkenntnisse über den Mars selbst. Es wird erwartet, dass „Siding Spring“ die Atmosphäre des Planeten beeinflusst. Diese Wechselwirkung könne Hinweise darauf liefern, warum aus der Mars-Atmosphäre immer wieder geladene Teilchen herausgerissen werden, so Fränz.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×