Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.01.2007

13:54 Uhr

Folgen des Klimawandels

Selbst der Kunstschnee schmilzt dahin

VonJoachim Hofer

In den Alpen herrschen Frühlingstemperaturen, der Boden ist zu warm für den Kunstschnee: In diesem Winter wird den Bewohnern der Wintersportgebiete deutlich vor Augen geführt, wie der Klimawandel die wirtschaftliche Existenz einer ganzen Branche gefährdet. Ein Ortstermin im Salzburger Land.

LEOGANG. Es sind die kleinen Dinge, an denen die Menschen in den Alpen merken, dass das Klima nicht mehr so ist wie früher. „Es ist noch nicht so lange her“, erzählt Helmut Zinkl, „da haben wir in Leogang die Wasserleitungen 1,20 Meter tief in die Erde eingegraben, damit sie nicht einfrieren. Heute reichen 60 Zentimeter.“ Der Boden, meint der pensionierte Schreiner, werde einfach nicht mehr richtig kalt.

Als wolle er seinen Worten noch mehr Nachdruck verleihen, blickt der Mann, der die Berge im Pinzgau bestens kennt, an diesem Sonntag nach dem Dreikönigstag in den Nieselregen, der die Schneereste auf den Wiesen in kleine Rinnsale verwandelt.

Den Touristen in dem beschaulichen Wintersportort Leogang im Salzburger Land fällt etwas ganz anderes auf: Wo sich der Schnee vergangenes Jahr um diese Zeit noch anderthalb Meter hoch türmte, liegt jetzt allenfalls ein Hauch von Weiß. Kein Wunder, dass in den Gondeln, mit denen die Skifahrer hoch auf den Hausberg Asitz fahren, in diesen Tagen eher über den Klimawandel als über Tiefschneeabfahrten diskutiert wird.

Experten haben längst keinen Zweifel mehr, dass es in unseren Breiten langfristig deutlich wärmer wird. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa (OECD) hat jüngst eine Studie veröffentlicht, die weit über die Alpen hinaus für Aufsehen sorgte. Das Fazit der Forscher: Niedrig gelegene Orte wie Leogang oder die nicht weit entfernten Skiorte Schladming und Kitzbühel sollten sich schon heute Gedanken machen, wie sie die Touristen auch dann noch anlocken können, wenn die Hänge dauerhaft grün bleiben.

„Durch den Klimawandel wird die Schneesicherheit in den österreichischen Skigebieten dramatisch sinken“, prognostizieren die Ökonomen der OECD. Wenn die Schneefallgrenze bis in 40 Jahren nur um 300 Meter steigt, so hat die OECD ausgerechnet, dann werden sich fast zwei Drittel der Skistationen im Salzburger Land nicht mehr auf natürlichen Schnee von Dezember bis ins Frühjahr verlassen können.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×