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27.03.2016

14:57 Uhr

Forschung an Kirchenglocken

3000 Stunden Glockenklang im Schalllabor

Kirchenglocken können sehr alt werden, doch jeder Glockenschlag bedeutet für sie auch eine enorme Belastung. Forscher haben eine neue Methode entwickelt, um Schäden an den wertvollen Kulturgütern frühzeitig zu erkennen.

Der Glockensachverständiger Michael Plitzner bei der Arbeit im Schalllabor des Europäischen Kompetenzzentrums für Glocken in Kempten. dpa

Kirchenglocken im Schalllabor

Der Glockensachverständiger Michael Plitzner bei der Arbeit im Schalllabor des Europäischen Kompetenzzentrums für Glocken in Kempten.

KemptenDas Geläut von Kirchenglocken gehört für viele Menschen zu Feiertagen wie Ostern. Doch die schweren Schläge bedeuten für die Glocken auch eine starke Belastungen. Was bei ihnen zu Schäden führt, damit beschäftigen sich Forscher wie Michael Plitzner. Der Wissenschaftler hat eine Methode entwickelt, um Schäden an Kirchenglocken frühzeitig zu erkennen.

„Eine Glocke hält nicht ewig. Irgendwann entstehen Ermüdungsrisse, die den Klang unwiederbringlich zerstören können“, sagt Plitzner. Er ist Geschäftsführer des Europäischen Kompetenzzentrums für Glocken an der Hochschule Kempten. Nach einem mit EU-Mitteln geförderten Forschungsprojekt wurde es 2009 gegründet. Laut Hochschule ist diese Einrichtung weltweit einmalig.

Was genau passiert bei einem Glockenanschlag? Wie kann der Klang verbessert werden? Wie können Schäden vermieden werden, damit eine Glocke so lange wie möglich läuten kann? Mit Fragen wie diesen beschäftigen sich die Ingenieure in Kempten.

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Bei den Versuchen in einem mit Schaumstoff isolierten Schalllabor werden manche Glocken tagelang ohne Unterbrechung geläutet – zum Teil bis zu 3000 Stunden. „Das entspricht einer Lebenszeit von etwa 100 Jahren“, sagt Plitzner.

Die Wissenschaftler untersuchen auch Schadensfälle und forschen an historischen Glocken. So wurde in den vergangenen Jahren unter anderem das Läuten der Papstglocke im Petersdom in Rom, der größten Glocke Frankreichs in der Sacre Coeur in Paris sowie des „Dicken Pitter“, der größten Glocke im Kölner Dom, analysiert.

Sobald eine Glocke einen Riss hat, verändert sich ihr Klang. „Mit jedem Anschlag des Klöppels wächst der Riss und die Töne driften immer weiter auseinander“, erklärt Plitzner. Wenn die Klangveränderung mit dem menschlichen Gehör zu erfassen ist, sei es eigentlich schon zu spät.

In seiner Dissertation hat Plitzner untersucht, wie ein Schaden festgestellt werden kann, bevor eine Veränderung des Klangs hörbar ist. Dabei herausgekommen ist der „musikalische Fingerabdruck von Glocken“ – eine Frequenzanalyse des Klangs, für die zunächst nur ein Mikrofon nötig ist: „Die Datenerfassung oben auf dem Kirchturm ist kinderleicht. Jeder kann das machen, um festzustellen, ob eine Glocke noch intakt ist.“ Dies sei etwa bei der jährlichen Wartung möglich.

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