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01.04.2014

14:22 Uhr

Forschungsskandal

Japans erloschener Komet

VonMartin Kölling

Erst wurde Haruko Obokata für einen vermeintlichen Durchbruch in der Stammzellforschung gefeiert, kurz darauf dann als Fälscherin verdammt. Jetzt schlägt die junge Forscherin in ganz unjapanischer Weise zurück.

Sieht sich schweren Vorwürfen gegenüber: Stammzellforscherin Haruko Obokata. Reuters

Sieht sich schweren Vorwürfen gegenüber: Stammzellforscherin Haruko Obokata.

TokioSie ist erst 30 Jahre jung und galt als für einen Moment als Japans neuer Komet am Wissenschaftshimmel. Doch mit dem heutigen Dienstag scheint ihr Ruf endgültig zerstört. Ein Untersuchungsausschuss des japanischen Grundlagenforschungsinstituts Riken wirft der Wissenschaftlerin Haruko Obokata nicht nur Fehlverhalten, sondern regelrecht Fälschung vor: Sie soll Teile einer vermeintlich bahnbrechenden Studie zur Stammzellforschung verfälscht haben.

Für Japans Wissenschaftsgemeinde sind die Anschuldigungen ein schwerer Schlag. Obokata hatte im Wissenschaftsmagazin Nature eine extrem einfache Methode beschrieben, mit der normale Zellen junger Mäuse durch ein Bad in Säure gestresst und so zu Stammzellen verwandelt werden können.

Ethisch weniger bedenklich: Revolution in der Stammzellen-Forschung

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Ein kurzes Säurebad überführt Mauszellen in einen einzigartigen Embryonalzustand. Diese Entdeckung ist bahnbrechend, weil sich Stammzellen bislang nur mit wesentlich komplizierteren Verfahren herstellen ließen.

Diese Zellen, die sich in jedes Gewebe entwickeln können, sind ein Hoffnungsträger der Medizin. Aber sie können bisher nur mit großem Aufwand hergestellt werden. Obokatas Fund weckte daher die Hoffnung in der Wissenschaft, aber auch der Öffentlichkeit, dass Japan seine führende Stellung in der globalen Stammzellenforschung festigen kann.

Doch schon bald wurde aus der Sensation ein Skandal. Erst konnten Wissenschaftler die Ergebnisse nicht reproduzieren. Dann flog auch noch auf, dass Bilder teilweise nicht zu den Versuchen passten.

Der Untersuchungsbericht stellte nun fest, dass Obokata zwei von sechs Bildern aus ihrer Doktorarbeit übernommen hatte. An anderer Stelle hat sie zudem Bilder kopiert, was in den Augen der Inspektoren einer Verfälschung von Daten gleichkommt. Ob Obokatas Entdeckung stichhaltig ist, beurteilte der Bericht nicht.

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