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27.01.2007

07:59 Uhr

Forschungsstandort Braunschweig

Geballtes Wissen

VonDieter Dürand
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Braunschweig ist die unterschätzte Stadt. Als Stätten deutscher Spitzenforschung werden stets andere gefeiert: München, Karlsruhe, Aachen. Die Stadt an der Oker haben die Wenigsten auf der Liste. Zu Unrecht, wie eine EU-Studie zeigt.

Selbst Schulkinder begeistern sich in Braunschweig schon für die Forschung. Die TU lädt sie regelmäßig zu Vorlesungen ein. Foto: dpa

Selbst Schulkinder begeistern sich in Braunschweig schon für die Forschung. Die TU lädt sie regelmäßig zu Vorlesungen ein. Foto: dpa

BRAUNSCHWEIG. Vorsichtig legt Andreas Waag die bierdeckelgroße Glasscheibe auf Gummistützen und klemmt den Plus- und Minuspol an. Kaum fließt eine kleine Spannung, beginnt die Scheibe bläulich zu leuchten. Der schwache Strom lässt eine mit dem bloßen Auge nicht sichtbare, hauchdünne Schicht aus einer Million winzigster Leuchtdioden (LED) glimmen. Damit will Waag später mal Fensterscheiben bauen, die im Dunkeln Licht spenden. Osram, führender Hersteller von hochwertigen Lichtquellen, ist schon ganz scharf auf die Innovation, die eine neue Ära in der Beleuchtungstechnik einläuten könnte. "Damit sind wir ganz vorn", sagt Waag, Chef des Instituts für Halbleitertechnik an der Technischen Universität (TU) Braunschweig.

Die neuartigen Nano-LEDs sind nicht die einzige bahnbrechende Entwicklung aus Braunschweig. Doch als Städte und Stätten deutscher Spitzenforschung werden stets andere gefeiert: München, Karlsruhe, Aachen. Die Stadt an der Oker haben die Wenigsten auf der Liste. Zu Unrecht, wie eine EU-Studie zeigt: In keiner europäischen Region arbeiten mehr Beschäftigte (vier Prozent) in Forschung und Entwicklung (FuE). Bei den FuE-Ausgaben relativ zur Wirtschaftsleistung hängt die Stadt mit 7,1 Prozent Stuttgart (4,9 Prozent) und München (4,7 Prozent) locker ab und stellt mit diesem Wert sogar Kalifornien, die Heimat des Silicon Valley, in den Schatten, das 3,8 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts in die Zukunft investiert. Eine Studie von Prognos attestiert der Stadt eine auffallend hohe Gründerintensität und Patentdichte.

Das weiß bloß keiner. "Wir sind zu sehr graue Maus", übt TU-Präsident Jürgen Hesselbach Selbstkritik. Das soll sich jetzt nachhaltig ändern. Die Niedersachsen haben erkannt, dass Bescheidenheit im globalisierten Rennen um Investoren, Aufträge und die besten Köpfe nicht ziert. "Wir brauchen ein klares Profil als internationaler Standort für Spitzenforschung", fordert Hesselbach.

Auf einem Streifzug durch Braunschweigs Forschungslandschaft gibt es viele Wunderwerke zu entdecken. Hier wurden wesentliche Grundlagen für das digitale Fernsehen und die Magnetschwebebahn Transrapid entwickelt. Hier entstehen Computer-Prozessoren der nächsten Generation, auf denen sich mehrere Rechenkerne die Arbeit teilen. Hier suchen Forscher nach Antibiotika und konstruieren Flüsterflugzeuge, die beim Landeanflug Anwohner nicht mehr aus dem Schlaf reißen.

Neben der TU, an der rund 13 000 Studenten eingeschrieben sind, produzieren 14 Einrichtungen Topleistungen am Fließband, darunter zwei Fraunhofer-Institute, das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und die Physikalisch-Technische Bundesanstalt.

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