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18.03.2016

13:36 Uhr

Freilandversuch

Mit genetisch veränderten Moskitos gegen Zika

VonLars Fischer
Quelle:Spektrum.de

Florida bekommt die Stechmücke Aedes aegypti nicht unter Kontrolle, die als Überträgerin von Zika, Dengue und anderen Erkrankungen gilt. Nun sollen die Mücken mithilfe der Gentechnik bekämpft werden.

In Florida soll die Mücke mittels Gentechnik bekämpft werden. AFP; Files; Francois Guillot

Stechmücke Aedes Aegypti

In Florida soll die Mücke mittels Gentechnik bekämpft werden.

HeidelbergDie US-amerikanische Lebensmittel- und Medikamentenbehörde FDA prüft die Genehmigung eines Freilandversuchs mit genetisch veränderten Moskitos. Das Unternehmen Oxitec will dabei an der Südspitze Floridas männliche Mücken der Art Aedes aegypti frei lassen, die genetisch so verändert sind, dass ihr Nachwuchs stirbt, bevor er voll ausgewachsen ist.

Auf diese Weise soll die Mückenpoulation reduziert werden und damit auch die Gefahr von Zika, Dengue und anderer von dem Insekt übertragener Krankheiten. Laut ihrem jüngst veröffentlichten Umweltgutachten erwartet die Behörde von dem Experiment keine signifikanten Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Der Befund ist allerdings vorläufig, denn vor dem endgültigen Beschluss hat die Öffentlichkeit noch bis April Gelegenheit, den Entwurf zu kommentieren.

Das Zika-Virus

Das Virus

Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 bei einem Affen aus dem Zikawald im afrikanischen Uganda festgestellt. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und wurde wiederholt bei heimkehrenden Touristen nachgewiesen.2007 wurde Zika im Pazifikraum (Mikronesien) festgestellt, einen größeren Ausbruch gab es 2013/2014 in Französisch-Polynesien.

Der Überträger

Das Zika-Virus wird durch Aedes-Stechmücken auf den Menschen übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht beobachtet.

Der Ausbruch

Seit 2015 beobachten Mediziner einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft.

Die Symptome

Zu den klassischen Symptomen einer Zika-Virus-Infektion zählen Hautausschlag und leichtes Fieber, seltener Erbrechen und Kopfschmerzen. Infektionen verlaufen meist mild, der Hautausschlag klingt üblicherweise nach etwa einer Woche ab, die anderen Symptome früher.

Die Gefahr

Es besteht der Verdacht, dass Zika-Infektionen von Schwangeren zu Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen führen können. In Brasilien wurden in den vergangenen Monaten rund 3900 Fälle der sogenannten Mikrozephalie registriert, eines zu kleinen Schädelvolumens bei Neugeborenen. In sechs Fällen hatten Schwangere sich mit Zika infiziert, bei Hunderten weiteren Fällen besteht ein entsprechender Verdacht.

Die Bekämpfung

Ein Impfstoff gegen das Virus existiert nicht, die Bekämpfung zielt daher auf den Überträger, die Aedes-Stechmücke. Mückenbekämpfungs-Programme wie jetzt Brasilien sind ein Weg, ein anderer ist der persönliche Schutz: Wer in Zika-gefährdete Regionen reist, sollte lange, bedeckende Kleidung tragen, freie Hautflächen mit Mückenschutzmitteln schützen und in mit Insektengittern gesicherten Räumen oder unter Moskitonetzen schlafen. Schwangeren rät das Auswärtige Amt inzwischen von Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen ab.

Die veränderten Moskitos der Sorte OX513A tragen zusätzlich zu dem Tötungsgen einen Regulator, der das Gen unterdrückt, wenn das Antibiotikum Tetracyclin vorhanden ist – auf diese Weise kann sich der Stamm unter kontrollierten Bedingungen vermehren, jedoch nicht im Freiland. Dass die Strategie im Prinzip funktioniert, haben frühere Versuche unter anderem in der Karibik gezeigt.

In Florida wird die Freisetzung der Tiere seit 2012 geplant, nachdem mehrere schwere Ausbrüche des Dengue-Fiebers das Scheitern der bisherigen Moskitobekämpfung offenlegten. Allerdings hat sich im Staat lautstarker Widerstand formiert, und auch andere Forscher auf dem Gebiet kritisieren das Vorgehen von Oxitec als voreilig.

Das Unternehmen hofft nun, dass das Aufkommen von Zika die Bürgerinnen und Bürger vom potenziellen Nutzen des Freilandversuchs überzeugt. Das Zika-Virus, das mit Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen in Zusammenhang gebracht wird, hatte sich in den vergangenen Monaten fast über ganz Amerika ausgebreitet.

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