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01.03.2012

09:15 Uhr

„Friend“

Roboter hilft Behinderten beim Arbeiten

Querschnittsgelähmte haben auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen. Lena Kredel hat nach elf Jahren endlich wieder einen Job gefunden - dank des Roboters „Friend“.

Der Mathematiker Torsten Heyer am Institut für Automatisierungstechnik (IAT) der Universität Bremen führt die Roboterarm-Rollstuhl-Kombination „Friend“ für schwer körperlich behinderte Menschen vor. Mit einem „Kinn-Joystick“ wird dabei die Steuerung des stählernen Armes bedient. dpa

Der Mathematiker Torsten Heyer am Institut für Automatisierungstechnik (IAT) der Universität Bremen führt die Roboterarm-Rollstuhl-Kombination „Friend“ für schwer körperlich behinderte Menschen vor. Mit einem „Kinn-Joystick“ wird dabei die Steuerung des stählernen Armes bedient.

BremenLena Kredel sitzt seit mehr als 20 Jahren im Rollstuhl. Anfangs konnte sie noch ihre Arme bewegen, doch inzwischen sind auch diese gelähmt. Kredel ist ständig auf Hilfe angewiesen. Ein Glas Wasser trinken, sich kratzen oder die Tür öffnen - all das kann sie alleine nicht mehr. Trotzdem arbeitet sie seit einiger Zeit wieder. Möglich macht das ein Assistenzroboter.

Friend“ haben die Forscher der Universität Bremen ihren Prototypen getauft: ein wuchtiger Elektro-Rollstuhl ausgerüstet mit Computer, Roboterarm und Kameraauge. Mit seiner Hilfe wird Kredel bald Bücher in der Universitätsbibliothek katalogisieren können - und zwar ohne, dass andere Menschen sie dabei unterstützen. „Das ist schon eine wahnsinnige Selbstständigkeit für mich“, sagt die zierliche Frau.

Zum Steuern braucht Kredel nur ihren Kopf. Mit ihrem Kinn bedient sie einen Joystick, um auf dem Computerbildschirm die gewünschten Funktionen auszuwählen. Mit ihrer Stirn löst sie an einer Halterung den Mausklick aus. „Das System macht alles alleine, aber die Nutzerin behält die Kontrolle“, erläutert Projektleiter Torsten Heyer vom Institut für Automatisierungstechnik.

Zurzeit arbeiten Heyer und seine Kollegen noch daran, die Software zu verbessern. Außerdem entwickeln sie gerade ein Lesegerät, das mit Unterdruck die Seiten von Büchern ansaugt und dann mit einem Hebel umblättert. Kredel sitzt in ihrem Rollstuhl in einer Ecke des Labors und beobachtet die Wissenschaftler bei der Arbeit. Im Sommer wird das System wahrscheinlich soweit sein, dass sie damit in der Bibliothek starten kann.

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