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19.10.2011

13:20 Uhr

Galileo vor dem Start

Mit 30 Satelliten gegen die Dominanz der Amerikaner

VonThomas Trösch

Mit gehöriger Verspätung bringt Europa sein Satellitennavigationssystem Galileo auf den Weg. Es verspricht genauere Positionsbestimmungen als etwa der US-Konkurrent GPS. Doch die Präzision hat ihren Preis.

Die Illustration zeigt das Aussetzen eines Satelliten des europäischen Navigationssystems Galileo in der Erdumlaufbahn. Am Donnerstag sollen die ersten beiden Galileo-Satelliten vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana starten. dpa

Die Illustration zeigt das Aussetzen eines Satelliten des europäischen Navigationssystems Galileo in der Erdumlaufbahn. Am Donnerstag sollen die ersten beiden Galileo-Satelliten vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana starten.

Düsseldorf30 Satelliten in 23.000 Kilometer Höhe, bis zu 40 Antennenstationen weltweit und Kontrollzentren in Darmstadt, Toulouse, Fucino und Oberpfaffenhofen – das ist Galileo. Drei Jahre nach dem eigentlich geplanten Starttermin des europäischen Satellitennavigationssystems ist es am Donnerstag endlich soweit: Die ersten beiden Satelliten werden an Bord einer russischen Sojus-Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou (Französisch-Guayana) ins All starten.

Das ebenso ehrgeizige wie umstrittene Galileo-System soll die europäische Eigenständigkeit unterstreichen und die Vormacht des US-amerikanischen GPS (Global Positioning System) brechen. Galileo wird viel präziser arbeiten als die US-Konkurrenz: Während GPS die Position auf zehn Meter genau erkennt, sollen die Galileo-Satelliten bis auf einen Meter genaue Bestimmungen ermöglichen.

Das eröffnet dem System Möglichkeiten weit über die bisherigen Bereiche der Satellitennavigation hinaus. „Viele Anwendungen werden erst mit der verbesserten Genauigkeit möglich“, so Walter Päffgen, Leiter des Galileo-Kontrollzentrums beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Containerzüge sind dafür ein gutes Beispiel.“ Wenn im Bahnhof Gleis an Gleis liegt, nutzt eine nur halbwegs genaue Positionsbestimmung wenig. Schon Abweichungen von wenigen Metern machen es unmöglich, den Container auf seinem Weg zu verfolgen.

Einsatzszenarien für das Prestigeprojekt von EU und Europäischer Weltraumorganisation (ESA) gibt es zu Lande, zu Wasser und in der Luft: Fahnder können die Daten bei der Verbrecherjagd nutzen, Bauingenieure beim Einmessen von Gebäuden. Flüge sollen pünktlicher und sicherer werden: Durch präzisere Anflüge könnten Verspätungen, Umleitungen oder Stornierungen – etwa wegen Unwetters – reduziert und dabei sogar noch Treibstoff gespart werden.

Kommentare (11)

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der_Mahner

19.10.2011, 13:32 Uhr

Keine Frage, tolle Technik. Weniger Abhängigkeit von USA.

Was gut ist, kann jedoch leider auch gegen einen verwendet werden.

Vor allem kann dann die satellitengestützte Totalüberwachung des dt. Michel und Autofahrers stattfinden. Radaranlagen werden überflüssig. Streckenabhängige Geschwindigkeitsüberwachung wird Standard. Binnen weniger Jahre werden wir ein streckenabhängiges durch satelliten gestütztes Abrechnungssystem für alle beweglichen PKW/Motorräder/LKW haben. Die Politik bereitet dies seit vielen Jahren gezielt vor. Ansonsten hätte die Regierung niemals so lange Verzögerungen beim Mautsystem akzeptiert. Andere Systeme hätten nur einen Bruchteil gekostet und wären in der halben Zeit fertig gewesen.
" Wehret den anfängen " Der grüne MP Krätschmann von BW prescht bereits vor.

Island

19.10.2011, 13:57 Uhr

Das GPS System der Amerikaner ist sehr genau es wird nur für den „Zivilen Bereich“ mit einer größeren Ungenauigkeit angeboten. Die Gründe liegen in der Militärischen Nutzung des GPS, dieses System kann deutlich mehr leisten.

Es ist unverständlich das wir kein eigenständiges Programm besitzen. Wir könnten ebenso eine bemannte Raumfahrt durchführen durch das „Sänger Programm“ leider hat sich unsere Bundesregierung sich damals entschlossen das Hermes Programm der Franzosen zu unterstützen.

Die Folgen sind bekannt!

Wir haben keine funktionsfähige Raumfähre für den bemannten Raumflug geschweige ein eigenständiges Ortungssystem.

Daniel

19.10.2011, 15:09 Uhr

Für die von Ihnen beschriebenen Szenarien sehe ich keine wesentliche Änderung durch die höhere Genauigkeit durch GPS. Sprich: Alles das wäre auch bereits jetzt per GPS möglich.

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