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22.03.2011

10:31 Uhr

Gedruckte Elektronik

Technik von der Rolle

VonAndreas Menn
Quelle:WirtschaftsWoche

Biegsame Bildschirme, funkende Metro-Tickets, Lautsprecher aus Plastikfolie: Elektronik kommt künftig aus dem Drucker. Mini-Computer werden damit nicht nur spottbillig, sondern auch allgegenwärtig.

Strom aus der Plastikfolie ist schon Realität. Sogenannte organische Solarzellen wie von dem deutschen Hersteller Heliatek werden in Taschen eingebaut, um darin Handys aufzuladen. Quelle: Heliatek

Strom aus der Plastikfolie ist schon Realität. Sogenannte organische Solarzellen wie von dem deutschen Hersteller Heliatek werden in Taschen eingebaut, um darin Handys aufzuladen.

Wer die jüngste Ausgabe von "Canvas", dem renommierten Branchenblatt der US-Druckindustrie, in der Hand hält, fühlt sich beim Blick aufs Titelblatt in die Wunderwelt des Harry Potter versetzt. Das Cover aus einer dünnen Plastikfolie zeigt einen halbleeren Notizblock. Knickt der Leser aber ein Eselsohr in die rechte obere Ecke, geht der Spuk los: Wie von magischer Hand geschrieben erscheint eine blaue Schrift. Eine Münze auf eine vorgegebene Stelle gelegt, schon tauchen weitere Notizen auftauchen - der Titel wird lebendig.

Was wie Zauberei aussieht, ist das Ergebnis revolutionärer Technik, die traditionelle Druckverfahren mit modernstem IT-Know-how vereint: Unternehmen setzen dabei herkömmliche Druckmaschinen ein, um leitfähige Tinten auf Papier oder Folie zu drucken. So können sie Leiterbahnen, Displays und sogar eine hauchdünne Folienbatterie in die Canvas-Titelseite integrieren.

Noch ist das magische Cover, das vom amerikanischen Display-Startup Ntera mitentwickelt wurde, ein teures Pilotprojekt, um das Fachpublikum zu beeindrucken. Doch in naher Zukunft könnten solche Ideen auch die Supermärkte erobern. Bald, verspricht Ntera-Technologiechef Alain Briançon, "bedrucken wir Verpackungen, Lottoscheine oder EC-Karten in Siebdruck- und Inkjet-Maschinen mit elektronischen Displays".

Die Elektronik aus der Druckmaschine ist mehr als eine Technikdemonstration für verspielte Zeitschriftenmanager. Das neue Produktionsverfahren wird die etablierte Welt der klassischen Elektronik aus den Fugen heben.

Bisher werden Schalter, Silizium-Chips und Lämpchen auf Leiterplatten gelötet, geätzt und gebohrt. Die Technik ist aufwendig, teuer, starr und schwer. Gedruckte Elektronik dagegen überwindet diese Nachteile: Sie kann auf Plastikfolien, die Bruchteile eines Millimeters dünn sind, Schicht für Schicht Elektroden, Schaltkreise oder Leuchtstoffe auftragen.

"Dabei kommen extrem kostengünstige, hoch effiziente Massendruckverfahren zum Einsatz", sagt Klaus Hecker, der Geschäftsführer der Organic Electronics Association (OE-A), einer Arbeitsgruppe für gedruckte Elektronik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau.

Zwar sei die Rechenleistung der Plastik-Elektronik noch etwa um den Faktor Tausend geringer als bei aktuellen Silizium-Chips, sagt Hecker. Doch damit liegt sie auf dem Niveau des ersten IBM-PCs Anfang der Achtzigerjahre und reicht für einfache Sensoren oder elektronisch gesicherte Ausweise allemal.

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