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14.08.2013

11:44 Uhr

Gefährliche Seuchen

Hochsicherheitsforschung am Tier

Tierseuchen können für Menschen zur tödlichen Gefahr werden, wie BSE oder die Vogelgrippe zeigen. In einem neuen Hochsicherheitslabor auf der Insel Riems wird künftig nach Wegen gesucht, solche Erreger zu bekämpfen.

Die Insel Riems (Mecklenburg-Vorpommern), Hauptsitz des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) für Tierseuchenforschung. Nirgendwo in Europa gibt es ähnliche Labore und Ställe der höchsten Sicherheitsstufe 4. dpa

Die Insel Riems (Mecklenburg-Vorpommern), Hauptsitz des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) für Tierseuchenforschung. Nirgendwo in Europa gibt es ähnliche Labore und Ställe der höchsten Sicherheitsstufe 4.

RiemsPrüfend fährt der Tierseuchenforscher Martin Groschup mit seiner Hand über Labortische aus Edelstahl. Von der Decke der Hochsicherheitszone des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit auf der Ostsee-Insel Riems baumeln blaue Luftschläuche – Lebensadern, die die in Überdruckanzügen gekleideten Virologen bald bei ihrer Arbeit mit den gefährlichsten Tierseuchenerregern mit Atemluft versorgen sollen.

In den zwei Geschossen über den High-Tech-Laboren arbeitet die Lüftungstechnik – autarke Systeme in doppelter Ausführung. Sie verhindern, dass Erreger in die Umwelt entweichen. Im abgeschotteten Kellergeschoss warten sogenannte Kill-Tanks für verseuchte Abwässer und eine eigene unabhängige Tierkörperbeseitigungsanlage auf ihren Einsatz.

Nach fünfjähriger Bauzeit wird am kommenden Freitag mit dem Hochsicherheitstrakt das Herzstück des neuen Friedrich-Loeffler-Instituts übergeben. Nirgendwo in Europa gibt es ähnliche Labore und Ställe der höchsten Sicherheitsstufe 4, in denen mit Großtieren an tödlichen Erregern wie Sars, Ebola oder dem Krim-Kongo-Hämorrhagischen Fieber geforscht werden kann – Krankheiten, die, von Tieren übertragen, hochgefährlich für den Menschen sind und gegen die es bislang keine wirksame Impfung oder Therapie gibt. Lediglich im kanadischen Winnipeg und dem australischen Geelong arbeiten vergleichbar dimensionierte Einrichtungen, sagt Institutschef Thomas Mettenleiter.

Kanzlerin Merkel wird am Freitag bei der Einweihung des neuen Institutes einer der letzten Besucher in der tierischen Hochsicherheitszone sein. Schrittweise werden die komplexen Anlagen bis 2015 hochgefahren, Notfallsituationen trainiert und Mitarbeiter geschult, bevor dort mit den Erregern gearbeitet wird.

Rund 300 Millionen Euro investierte der Bund in den Forschungskomplex mit 89 Laboren und 163 Stalleinheiten. Aus Sicht der Tierseuchenforscher eine „weise, weitsichtige Entscheidung“, die der Bund 1996 und damit weit vor dem Rinderwahn BSE oder Vogelgrippe getroffen hatte. Erst kürzlich bescheinigte der Wissenschaftsrat dem Institut eine „exzellente Forschung“ im Kampf gegen Tierseuchen.

Kommentare (4)

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EPetras

14.08.2013, 20:15 Uhr

Vögel bekommen Grippe - ähnlich wie der Mensch. normalerweise ist das kein Problem. Auch starben durch die "Vogelgrippe" selbst auf Rügen 2005/6 nicht mehr Tiere als in normalen Wintern auch durch Kälte und Futtermangel. Das Problem ist die sehr enge Aufstallung sehr großer Herden, die die Tiere dauerhaft schwächt und stresst, dazu führt, dass es kaum unverletzte Tiere gibt - fast 100% der Puten leiden unter Fußschäden durch das Stehen im Kot und die Schwere der Körper! - und dadurch zur Anfälligkeit der Tiere und zur schnellen Verbreitung, schnellem Wirtswechsel und schneller Mutation von Viren und Bakterien führt. Ein schneller Wirtswechsel macht Viren potentiell aggressiver.

Wir Menschen quälen Tiere in der Forschugn, um die Schäden, die wir selbst durch tierquälerische Haltugn verursachen, zumindest zu mindern.

Sinnvoller wäre es, aufzuhören, Seuchen künstlich durch nicht artgemäße Haltung der Tiere zu schaffen. Dazu gehören auch und gerade MRSA und resistente Campylobakter, die für Menschen wirklich gefährlich sind - und die so leicht vermeidbar wären!

Alex

14.08.2013, 21:04 Uhr

Welche Qualen wohl diese Tiere aushalten müssen. Wie kann man sich als Forscher anmaßen, so mit Gottes Kreaturen umzugehen?

Dabei hätte es z.B. wie im Fall von BSE mit einem Mindestmass an gesundem Menschenverstand von vorneherein niemals infrage kommen dürfen, Tiermehle zu verfüttern.

Auch einem Tier sollte man Respekt entgegenbringen.

Ich bin der gleichen Meinung wie EPetras, dass nämlich für die Entstehung vieler dieser gefährlichen Seuchen der Mensch durch unnatürliche Turbo-Intensivtierhaltung und Gier nach staendiger Leistungssteigerung selbst verantwortlich ist.

karinu

16.08.2013, 18:43 Uhr

Da wird unglaublich viel Geld rausgehauen für ein Forschungslabor, in dem in letzter Konsequenz vielleicht die Gefahren gefährlicher Infektionen noch erhöht werden - wenn man bedenkt, dass Forscher dazu im Stande sind, Krankheitserreger zu Monstern umzubauen, die sogar noch ansteckender, noch tödlicher sind als die ursprünglichen Erreger. Keiner kann dafür garantieren, dass solche Konstrukte nicht in die Natur gelangen und zur Seuche werden!
EPetras legt den Finger in die Wunde: Unnatürliches Zusammenpferchen von hohen Individuenzahlen, deren Immunsystem durch nicht artgerechte Haltung geschwächt ist, leistet der Ausbreitung von Infektionskrankheiten und der Verbreitung von Seuchen Vorschub. bei der Massentierhaltung müsste ein Riegel vorgeschoben werden!

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