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16.06.2015

12:43 Uhr

Gefährliche Virusinfektion

Deutscher stirbt nach Mers-Infektion

Monatelang kämpften die Ärzte um das Leben eines deutschen Mers-Patienten – vergeblich. Der Mann hatte sich bei einer Urlaubsreise in Arabien mit dem gefährlichen Krankheitserreger infiziert.

Tödlicher Virus

Erster Mers-Todesfall in Deutschland

Tödlicher Virus: Erster Mers-Todesfall in Deutschland

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OsnabrückEin 65 Jahre alter Mann aus Nordrhein-Westfalen ist an den Folgen seiner Mers-Erkrankung gestorben. Er erlag bereits in der Nacht zum 6. Juni in einem Krankenhaus im niedersächsischen Ostercappeln einer Folgeerkrankung, die auf das gefährliche Coronavirus zurückzuführen ist, teilten die Niels-Stensen-Kliniken am Dienstag mit.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa führte ein Organversagen zum Tod des Mannes aus dem Kreis Minden-Lübbecke. Er hatte sich im Februar bei einer Urlaubsreise in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Mers (Middle East Respiratory Syndrome)  infiziert.

Der Tod des Mannes kam für die Ärzte überraschend, schien es doch so, als habe der Patient die Erkrankung überwunden. Mitte Mai war er von der Isolierstation des Marienhospitals Osnabrück in das Krankenhaus in Ostercappeln verlegt worden.

Die wichtigsten Infos zum Mers-Virus

Woher kommt das Virus?

Das Mers-Virus zählt zu den Coronaviren, zu denen auch viele Schnupfen- und Erkältungsviren gehören. Mers ist vor allem im Nahen Osten verbreitet, da die Krankheit meist von Kamelen auf Menschen überspringt. Daher auch der Name Mers, der für „Middle East Repiratory Syndrome“ steht. Erstmals wurde der Erreger 2012 in Saudi-Arabien nachgewiesen. Bis Mitte Juni hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit 1289 bestätigte Mers-Fälle erfasst, darunter mindestens 455 Todesopfer.

Welche Symptome verursacht der Erreger?

Mers löst zunächst grippeähnliche Symptome wie Fieber und Atemprobleme aus. In schweren Fällen kann es zu Lungenentzündung und Nierenversagen kommen.

Wie begann der aktuelle Mers-Ausbruch in Südkorea?

Ein 68-jähriger Mann hat sich bei einer Reise in den Nahen Osten infiziert und das Mers-Virus nach Südkorea gebracht. Bei ihm wurde der Erreger am 20. Mai nachgewiesen. Da hatte der Patient schon Angehörige, Pflegepersonal in der Klinik sowie Mitpatienten und deren Besucher angesteckt. Anscheinend erkannten Ärzte die Erkrankung zunächst nicht.

Wie gefährlich ist Mers?

Der Ausbruch in Südkorea lässt vermuten, dass das Virus ansteckender ist als angenommen. Experten glauben, dass es sogenannte Superspreader gibt, also Erkrankte, die besonders viele Menschen anstecken. Gleichzeitig scheint das Virus in Südkorea aber auch weniger gefährlich zu sein. Die Todesrate liegt in Südkorea bei 7 bis 9 Prozent, deutlich unter der der weltweit registrierten Fälle (circa 35 Prozent).

Ist so ein Ausbruch auch in Deutschland möglich?

Davon gehen Experten aus. Mers wurde nach Angaben des Robert Koch-Instituts bislang bei drei Patienten in Deutschland nachgewiesen. Alle brachten den Erreger von der Arabischen Halbinsel mit. Weitere importierte Fälle seien jederzeit möglich, meint das Robert Koch-Institut. Jährlich fliegen etwa eine Million Menschen von der Arabischen Halbinsel nach Deutschland.

Gibt es einen Impfstoff?

Forscher arbeiten derzeit an einer Schutzimpfung gegen Mers. Ein Impfstoff wurde an der Universität München bereits an Mäusen getestet. Bald könnte eine erste Studie an Menschen zur Verträglichkeit folgen.

„Wir bedauern den Tod dieses Patienten sehr, unser Mitgefühl gilt den Angehörigen, die auf eine Besserung des Gesundheitszustandes gehofft hatten und nun diesen schweren Verlust verkraften müssen“, sagte Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD).

Die Ursache für die Erkrankung des Mannes ist nicht ganz klar. Möglicherweise hatte er sich während seiner Reise auf einem Tiermarkt mit dem Virus angesteckt. Dromedare und Kamele gelten als Überträger der Krankheit.

Hinweise darauf, dass der Mann seinerseits andere Menschen angesteckt hat, gibt es bislang nicht. Mehr als 200 Personen, die mit dem 65-Jährigen im Lauf von dessen Krankheit Kontakt hatten, seien negativ getestet worden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bei dem Erreger nach derzeitigem Wissensstand äußerst selten.

Kommentare (1)

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Frau Ursula Neumann

16.06.2015, 14:25 Uhr

Aber, wie die WHO versichert, besteht keinerlei Gefahr.
Und dort sitzen die Spezialisten - hat man ja bei Ebola gesehen.

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