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18.01.2005

12:25 Uhr

Gefahr für die Deiche droht

Klimawandel bringt eine Revolution fürs Wattenmeer

Einige Folgen der Klimaerwärmung sind bereits im Wattenmeer sichtbar - lange bevor der erwartete Meeresspiegelanstieg zur Gefahr für die Deiche werden könnte. Pflanzen und Tiere müssen sich an veränderte Umweltbedingungen gewöhnen und bekommen Konkurrenz von eingeschleppten Arten.

dpa LIST/SYLT. Der Leiter der Sylter Wattenmeerstation des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung, Prof. Karsten Reise, spricht von einer regelrechten Revolution. „Wenn das so weitergeht, werden wir ein ganz anderes Wattenmeer haben.“ Der Wissenschaftler sieht die Vorgänge aber noch gelassen: „Solange keine wirtschaftlichen Interessen betroffen sind, können wir die Entwicklung neutral gegenüberstehen.“

Entscheidend für Veränderungen im Wattenmeer sind nach Reises Angaben weniger die steigenden Durchschnittstemperaturen von Luft und Wasser, sondern eher einzelne Phänomene wie das Ausbleiben kalter Winter. So sei die Wassertemperatur der Nordsee im Jahresdurchschnitt um weniger als ein Grad in den vergangenen 100 Jahren gestiegen. Kritisch für die heimische Flora und Fauna werde es aber erst bei der Maximalprognose von vier Grad Erwärmung.

Auch der Kieler Klimaforscher Mojib Latif rechnet mit ausbleibenden Wintern. „Im Jahr 2 100 gibt es nach unseren Klimamodellen 50 Tage weniger Frost. Praktisch haben wir dann gar keinen Winter mehr“, sagte der Professor am Leibnitz-Institut für Meereswissenschaften Anfang Januar bei einer Tagung in Radolfzell.

Als Beispiel für bereits eingetretene Veränderungen aus der Pflanzenwelt nennt Reise das Englische Schlickgras, das in den 20er Jahren zum Küstenschutz angepflanzt wurde, um die Verschlickung zu fördern. Jetzt wachse es an Orten, wo es bisher nicht gedieh. „Das lässt sich mit der Temperatur im Frühjahr erklären.“ Seit 1987 seien wärmere Frühjahre zu beobachten.

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