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17.05.2012

20:11 Uhr

Gehirn-Chip

Gelähmte steuert Roboter-Arm mit ihren Gedanken

Fast 15 Jahre war eine Amerikanerin nach einem Hirnschlag gelähmt. Nun kann sie - nach dem Einsatz eines Gehirn-Chips und hartem Training - immerhin wieder selbstständig Kaffee trinken. Vor einem breiteren Einsatz muss die Technik jedoch noch verbessert werden.

Per Gedanken einen Roboter steuern - diese DLR-Technik macht es möglich. dpa

Per Gedanken einen Roboter steuern - diese DLR-Technik macht es möglich.

Oberpfaffenhofen/LondonDie Frau streckt den Arm aus, greift nach einem Becher, führt ihn zum Mund und trinkt einen Schluck Kaffee. Was banal klingt, ist für viele Wissenschaftler - und vor allem für die Frau selbst - eine kleine Sensation: Denn sie ist seit 15 Jahren vom Hals abwärts gelähmt. Der Arm, den sie steuert, ist nicht ihr eigener, sondern ein in Deutschland entwickelter Roboter-Arm. Sie bewegt ihn über ein in ihr Gehirn eingesetztes Implantat, und zwar allein mit der Kraft ihrer Gedanken. Von diesem und einen weiteren Versuch mit einem 66-jährigen Mann berichtet ein Forscherteam aus Deutschland und den USA im Fachblatt „Nature“.

Das Kaffeetrinken sei die bisher komplexeste Funktion, die je jemand über eine Mensch-Maschine-Schnittstelle ausgeführt habe, schreiben die Wissenschaftler. Eine praktische Anwendung der Technik sei trotz der Erfolge jedoch noch Jahre entfernt, betont Hauptautor Leigh Hochberg von der Brown University in Providence.

Die zum Zeitpunkt der Untersuchung 58-jährige Frau hatte bereits 2005 ein Hirnimplantat erhalten. Es funktioniert wie ein Sensor, der über winzige Elektroden die Nervensignale aus dem Gehirn an einen Computer leitet. Dieser ist mit einem Roboter-Arm verbunden und wandelt die Nervensignale in Bewegungen um. Der Arm stammt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen.

Es sei bemerkenswert, dass die Nervensignale auch 15 Jahre nach dem Auftreten der Lähmung ausreichten, um ein externes Hilfsgerät wie den Arm zu steuern, schreiben die Forscher um Hochberg. Zudem sei ermutigend, dass das Implantat noch funktioniere, obwohl es bereits fünf Jahre vor den aktuellen Versuchen eingesetzt worden sei. Eine langfristige Funktionsfähigkeit sei eine zentrale Voraussetzung, um Hirnimplantate bei Gelähmten möglicherweise routinemäßig einzusetzen.

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