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22.03.2006

11:23 Uhr

Forschung + Medizin

Gemütliche Gesellschaft

VonAntje Schmid

Forschungsgegenstand Deutschland: Wie ausländische Wissenschaftler die Gesellschaft der Bundesrepublik analysieren und dabei für sie überraschende Ergebnisse zu Tage fördern.

STUTTGART. "Auf der Suche nach ihren verloren gegangenen Hunden bedecken ihre Herren Wände, Telefonzellen und Elektromasten mit Suchanzeigen. Diese Texte sind sehr pathetisch gehalten, so dass man sich unmittelbar dazu aufgerufen fühlt, auf die Suche nach dem armen Tier zu gehen", schreibt der Ethnologe Flavien Ndonko aus Kamerun in seiner Forschungsarbeit zum Thema "Deutsche Hunde - Ein Beitrag zum Verstehen deutscher Menschen".

Was sich banal anhört, lässt Rückschlüsse auf den Alltag und den Wandel in der deutschen Gesellschaft zu. Ndonko kommt zu dem Ergebnis, dass "die Desintegration der Familie sehr dazu beigetragen hat, dass in die deutsche Familie zunehmend Hunde integriert werden".

Das "Hunde-Thema" war schon immer ein gefragter Forschungsgegenstand ausländischer Wissenschaftler in Deutschland, meint der Tübinger Ethnologe Thomas Hauschild. Doch lange sei es in akademischen Kreisen nicht gern gesehen worden, dass dem eigenen Land der gesellschaftliche Spiegel vorgehalten wird. Man habe sich lieber mit der Erforschung anderer Völker beschäftigt, als anderen einen Blick in den deutschen Alltag zu gewähren, der eigene Verhaltensweisen in Frage hätte stellen können.

Seit einiger Zeit steigt das Interesse am Forschungsgegenstand Deutschland. Seit 1989 wurden im Ausland zunehmend Mittel dafür bereitgestellt. Aber auch Institutionen wie die Alexander von Humboldt-Stiftung, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und das Berliner Wissenschaftskolleg fördern ausländische Wissenschaftler, die sich mit Deutschland beschäftigen. So unterstützt der DAAD in Peking in den kommenden fünf Jahren das kürzlich eröffnete Zentrum für Deutschlandstudien mit 250 000 Euro - vorausgesetzt, die Peking-Universität investiert einen mindestens ebenso hohen Betrag.

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