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16.05.2011

01:57 Uhr

Gen-Lebensmittel

Und plötzlich haben alle die Gentechnik lieb

Mit Gentechnik ist bei deutschen Verbrauchern kein Blumentopf zu gewinnen. Einige Konzerne wollen das mit Hilfe von Gen-Lebensmitteln verändern, die einen zusätzlichen Gesundheitswert haben sollen.

BASF will Raps mit Algen-Genen züchten. Quelle: dpa

BASF will Raps mit Algen-Genen züchten.

Ludwigshafen/HamburgIn den Laboren und Gewächshäusern der BASF stehen die Pflanzen dicht an dicht. Hier werden Kartoffeln gezogen, dort Raps. Gemeinsam ist den meisten Pflanzen, dass einige fremde Gene in sie eingeschleust wurden, um ihre Eigenschaften zu verändern.

Die Forscher hier wissen, dass die grüne Gentechnik in Deutschland nach wie vor ein gewaltiges Akzeptanzproblem hat - in der Bevölkerung, aber auch in Teilen der Politik. Ihre Hoffnung setzen sie vor allem auch auf genveränderte Pflanzen, die nicht - wie bislang - vor allem Landwirten oder der Industrie nutzen sollen. Sondern direkt dem Verbraucher. So oder so ähnlich klingt der Traum vieler Gentechnik-Forscher: Einen genveränderten Apfel zu entwickeln, der nach dem Verzehr dafür sorgt, dass die menschliche Haut straff bleibt. Und plötzlich hätten alle die Gentechnik lieb. Oder?

Äpfel sieht man nicht bei der BASF-Tochter Plant Science im pfälzischen Limburgerhof, hier steht auf diesem Gebiet der Raps im Mittelpunkt: Die Forscher schleusen Gene aus Algen in die Nutzpflanze ein. Das Ziel: Der Raps soll - wie es die Algen tun - bestimmte Omega-3-Fettsäuren produzieren. Die kommen sonst vor allem in Fischen vor, die sich von Algen ernähren, und sollen gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Die BASF will erreichen, dass diese Fettsäuren im Raps produziert werden und anschließend in verschiedenen Lebensmitteln weiterverarbeitet werden könnten.

„Ohne den fischigen Geschmack, den sie im Fisch nun mal mit sich bringen“, sagt der Direktor Forschung der Plant Science Limburgerhof, Jürgen Logemann. Positiver Nebeneffekt: Es könnte auch ein Beitrag gegen die Überfischung der Meere sein.

Das Verfahren ist noch komplizierter als etwa eine Kartoffel gegen bestimmte Krankheiten resistent zu machen. Sind es in solchen Fällen zwei oder drei Gene, die in die Pflanzen eingeschleust werden, so sind es bei dem Raps/Algenprojekt knapp zehn. BASF strebt den Anbau eines solchen genveränderten Rapses zunächst in Nordamerika an, die Markteinführung ist derzeit für 2019 geplant.

Kommentare (3)

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Kranke-Welt

16.05.2011, 09:04 Uhr

Ein konkretes und deutliches NEIN zu allem was mit Gentechnik zu tun hat von mir !
Die Welt ist schon krank und pervers genug. Es wird immer schlimmer.....

Account gelöscht!

16.05.2011, 12:37 Uhr

Oh, welch Jubel, da tun sich für Geldanleger völlig neue Möglichkeiten auf:
Man könnte Gene in Lebensmittel einbringen, die resistent für die Medikamente der Mitbewerber machen, seine eigenen Medikamente darauf abstimmen. Möglicherweise könnte man Hausmittel unwirksam machen.
Die eigenen Medikamentenpreise ließen sich ins uferlose steigern.
Die Forschung geht nicht in solche Richtungen? Oh doch, für Geld macht man alles.
Schon jetzt gibt es gentechnisch verändertes Saatgut, das nur einmal keimt. Dann muß man - um nicht zu verhungern - wieder beim Hersteller kaufen.

Und um die Gier nach Geld und Macht zu stillen, wird das kommen. Wie stehts bei Marx? "300 Prozent und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens."

Gott steh' den Menschen bei.

gruen

17.05.2011, 19:24 Uhr

"Schon jetzt gibt es gentechnisch verändertes Saatgut, das nur einmal keimt. Dann muß man - um nicht zu verhungern - wieder beim Hersteller kaufen."

Sie haben Recht. Aber jeder Landwirt kann auch anderes Saatgut kaufen. Die meisten entscheiden sich aber schon heute für Hybrid-Saatgut, weil es bessere Erträge und weitere Vorteile bietet. Dieses Hybrid-Saatgut gibt es auch konventionell gezüchtet.
Jeder Landwirt macht eine Kosten-Nutzen-Rechunung. Wenn die ergibt, dass sich solches Saatgut lohnt, auch wenn er jedes Jahr nachkaufen muss, macht er es, ansonsten eben nicht.
Außerdem fallen auch für den Nachbau von "normalem" Saatgut Linzenzgebühren an, was leider oft vergessen wird.

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