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19.01.2005

18:00 Uhr

Genialität und Wissen

Kommentar: Einstein und der Airbus

VonHeribert Adamsky

Am Dienstag hat Bundeskanzler Gerhard Schröder in Toulouse den Airbus gefeiert, nur einen Tag später eröffnet er in Berlin das Einsteinjahr. Anlass sind der fünfzigste Todestag des theoretischen Physikers und der hundertste Jahrestag der Veröffentlichung seiner speziellen Relativitätstheorie.

Kein Name steht so für Genialität und Wissen wie Albert Einstein. Und auch wenn die Wenigsten wissen, was Relativitätstheorie bedeutet, so scheint doch eines klar: Aus Genie und Wissen wird Innovation, und aus Innovation werden Hochtechnologieprodukte wie der Airbus. Damit das auch in Zukunft so bleibt, muss man Wissen und Bildung fördern. Darum hat der Bundeskanzler seine Ministerin Edelgard Bulmahn mitgebracht, die für gute Universitäten sorgen soll, in deren Klima Wissen wächst und gedeiht. In welchem Umfang man dafür Elite-Unis fördern und Studiengebühren fordern muss und wer - Bund oder Land - dafür zuständig ist, sind wichtige Fragen. Aber entscheidend ist das alles noch nicht. Worauf es viel mehr ankommt, sind die Menschen, die lernen, forschen und lehren.

Albert Einstein hat sich zum genialen Physiker entwickelt, weil er Probleme zuende dachte und Fragen bis zur Antwort verfolgte. Und weil er den Mut aufbrachte, eigene neue Ideen zu entwickeln, wenn er zur Überzeugung kam, dass die alten nicht mehr reichten. Als er untersuchte, was die klassische Theorie der Lichtwellen vorhersagt, wenn deren Ausbreitungsgeschwindigkeit für jeden Beobachter gleich ist, stieß er auf Widersprüche. Aus dem konsequenten und radikalen Versuch, diese Widersprüche aufzulösen, entstand seine Spezielle Relativitätstheorie. Deren mathematischen Formalismus hat er übrigens nicht allein im Elfenbeinturm entwickelt, vielmehr baute er auf dabei auf die Erkenntnisse seiner Kollegen Poincaré und Lorentz auf.

Anders als in der landläufigen Vorstellung vom einsamen Genie hat auch Albert Einstein interdisziplinär arbeiten müssen, um sein Ziel zu erreichen. Noch viel mehr gilt das für die komplexen Forschungsprojekte unserer Zeit. Bei der Weltraummission Cassini-Huygens haben wir vor wenigen Tagen miterleben dürfen, wie ein großes Team aus Wissenschaftlern und Technikern Experimente auf einem mehr als eine Lichtstunde entfernen Mond durchgeführt hat. Auf dem Weg dorthin hat übrigens das Mutterschiff Cassini im Jahr 2002, als die Sonne genau zwischen Erde und Raumschiff stand, den bisher genauesten experimentellen Nachweis der Speziellen Relativitätstheorie geliefert. Einsteins Genius begleitet uns noch heute. Übrigens auch in GPS-Navigationssystemen. Die müssen nämlich Korrekturterme aus Einsteins Relativitätstheorie berücksichtigen, um die Koordinaten eines Flugzeugs wie des Airbus A380 mit der erforderlichen Präzision bestimmen zu können.

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