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11.01.2005

13:30 Uhr

Forschung + Medizin

Genveränderte Weinreben befruchten andere Stöcke

Die Pollen von gentechnisch veränderten Weinreben können die Eizellen normaler Weinreben befruchten und die Bildung von genveränderten Samen verursachen. Das wurde beim bundesweit ersten Freilandversuch mit gentechnisch veränderten Weinreben im südpfälzischen Siebeldingen festgestellt.

dpa SIEBELDINGEN. Die Pollen von gentechnisch veränderten Weinreben können die Eizellen normaler Weinreben befruchten und die Bildung von genveränderten Samen verursachen. Das wurde beim bundesweit ersten Freilandversuch mit gentechnisch veränderten Weinreben im südpfälzischen Siebeldingen festgestellt.

Bislang habe es weltweit keine Untersuchung zum Ausmaß der so genannten Auskreuzung bei gentechnisch veränderten Weinreben gegeben, sagte der Direktor des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof, Prof. Reinhard Töpfer, am Montag.

Eine wilde Ausbreitung gentechnisch veränderter Reben ist nach Töpfers Darstellung jedoch nicht zu fürchten. Der ursprünglich auf zehn Jahre angelegte Versuch wird seinen Angaben zufolge nach fünfeinhalb Jahren beendet, weil man genug Daten gesammelt habe. Eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten sei bei den gentechnisch veränderten Pflanzen nicht festgestellt worden. Auch habe sich die Qualität des gewonnenen Weins nicht von herkömmlichem Wein unterschieden. Die Reben sollen noch im Januar gerodet werden.

Das Institut, das zum Bundesamt für Züchtungsforschung gehört, hatte 1999 auf seinem Gelände 127 transgene Weinpflanzen der Sorten Riesling, Dornfelder und Seyval blanc angepflanzt. Den Reben waren Gene der Gerste eingesetzt worden. Das sollte ihre Widerstandskraft gegen Pilze wie den Echten und den Falschen Mehltau erhöhen. Die Forscher hatten gehofft, dass im Erfolgsfall der Gebrauch von Pflanzenschutzmittel eingeschränkt werden könne.

Bei dem Versuch wurde nach Töpfers Angaben geprüft, ob sich die Pollen der genveränderten Pflanzen über eine Entfernung von 50 Metern ausbreiten, und ob es auf eine Entfernung von 20 Metern zur Befruchtung anderer Eizellen kommt. Die Auskreuzung finde statt, die Daten müssten aber noch ausgewertet werden, sagte Töpfer. Eine wilde Verbreitung sei nicht zu fürchten, weil nicht jeder Samen aufgehe und weil wild wachsende Keimlinge von den Winzern entfernt würden.

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