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04.01.2011

14:15 Uhr

Geowissenschaften

Auf Tsunami-Jagd im Mittelmeer

VonSabrina Hüttermann
Quelle:Spektrum.de

Durch Erdbeben ausgelöste Monsterwellen treffen die Anrainerstaaten des Mittelmeers häufig völlig unerwartet. Wissenschaftler versuchen mit neuen Methoden, das Risiko für Tsunamis künftig kalkulierbarer zu machen.

Die Idylle trügt: Den Bewohnern der Küstenregionen des Mittelmeer bliebe im Katastrophenfall kaum eine Stunde, um sich vor den anrollenden Wassermassen in Sicherheit zu bringen. gms

Die Idylle trügt: Den Bewohnern der Küstenregionen des Mittelmeer bliebe im Katastrophenfall kaum eine Stunde, um sich vor den anrollenden Wassermassen in Sicherheit zu bringen.

HEIDELBERG. Die Welle traf die kleine Hafenstadt am 22. September 1522 unerwartet und mit zerstörerischer Wucht. Tausende Menschen starben durch das schwere Beben und die folgenden Tsunamis. Nur ein zeitgenössischer Holzschnitt berichtet von dem Ereignis: Sinkende Schiffe, ertrinkende Menschen und eine zerstörte Stadt führen die Naturgewalten vor Augen.

Die Metropole, von der hier die Rede ist, befand sich nicht im weit entfernten Pazifik, sondern gewissermaßen vor unserer Haustür: im Mittelmeer. Almería war eine blühende Stadt an der andalusischen Küste, als 1522 die Flutwelle über sie hereinbrach. Heute erinnert nichts mehr an die Katastrophe: Weiß getünchte Häuser ducken sich in engen Gassen vor der strahlend blauen Hafenkulisse und entzücken viele Reisenden. Kaum jemand denkt hier noch an die Gefahr durch einen Tsunami.

Tsunamis im Mittelmeer keine Seltenheit

Doch das ist ein Trugschluss: Etwa zehn Prozent aller Tsunamis weltweit treten im Mittelmeer auf; statistisch trifft alle 100 Jahre eine wirklich katastrophale Welle die Bevölkerung im Mittelmeerraum. Und die Bedingungen für verheerende Fluten sind gerade im Mittelmeer gegeben, denn seine Fläche ist im Gegensatz zu den großen Ozeanen klein.

Der Bevölkerung bleibt daher nicht viel Zeit zur Vorwarnung - für eine Evakuierung bleiben maximal kaum 60 Minuten. Erschwerend hinzu kommt die hohe Bevölkerungsdichte entlang der 185 000 Kilometer Küstenlinie, zudem sind viele mediterrane Regionen Zentren des Massentourismus.

Schon ab einer Erdbebenstärke von 6,5 können sich in der Region Tsunamis bilden. Lösen sich Spannungen in der Erdkruste, schlagen sie direkt von unten gegen die komplette Wassersäule und versetzten diese so in Bewegung. Treffen die entstehenden Wellen dann auf eine flache Küste, staut sich das Wasser oft haushoch auf und überrollt das Land mit durchschnittlich 25 Kilometern pro Stunde.

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