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22.03.2006

19:20 Uhr

Gesundheit

Bund plant neuen Impfstoff gegen Vogelgrippe

Die Bundesregierung will mit einem 60-Millionen-Euro-Forschungsprogramm den Kampf gegen die Vogelgrippe verstärken und einen neuen Impfstoff für Menschen entwickeln.

Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit dpa

Blick auf den Eingangsbereich des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit auf der Insel Riems.

dpa BERLIN. Die Bundesregierung will mit einem 60-Millionen-Euro-Forschungsprogramm den Kampf gegen die Vogelgrippe verstärken und einen neuen Impfstoff für Menschen entwickeln.

„Damit sind wir in der Lage, die Bevölkerung zu impfen, noch ehe das Virus mutiert ist“, sagte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) könnte ein solcher „Breitband- Impfstoff“ frühestens Ende 2007 vorliegen. Das Kabinett gab am Mittwoch in Berlin grünes Licht für das Sofortprogramm zur Seuchenforschung, das auf vier Jahre angelegt ist. Bund und Länder sind nach Angaben der Bundesregierung auf eine mögliche, besonders gefährliche Grippe-Epidemie vorbereitet.

Im Fall einer solchen Pandemie könne die medizinische Versorgung gewährleistet und das öffentliche Leben aufrechterhalten werden, teilten das Innen- und das Gesundheitsministerium mit. Ein abgestimmtes Vorgehen sei bereits geprobt worden. Konkrete Anhaltspunkte für eine Epidemie gebe es derzeit nicht.

Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) will die Forschung über Ursache und Ausbreitung der Vogelgrippe verstärken. „Es gibt erhebliche Wissenslücken.“ Der Ausbruch der Vogelgrippe auf Rügen und am Bodensee müsse untersucht werden. Bisher sei auch unklar, warum Hühner schnell an der Seuche sterben, Singvögel aber nicht betroffen seien. Seehofer zeigte sich offen, Zootiere auf Antrag zu impfen. Ein geeigneter Impfstoff für Nutzgeflügel wird erst entwickelt, nach einem Impfstoff für Katzen soll geforscht werden. SPD, FDP und Grüne hatten eine vorsorgliche Impfung von Zoo- und Zuchttieren verlangt.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) will trotz abnehmender Funde infizierter Vögel in Deutschland keine Prognose für die weitere Ausbreitung abgeben. „Möglicherweise können infizierte Zugvögel aus dem Süden zu uns gelangen“, warnte FLI-Präsident Thomas Mettenleiter. Seehofer betonte: „Zur Entwarnung besteht überhaupt kein Anlass.“

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte die verstärkte Erforschung von Krankheiten an, die von Tieren auf Menschen übertragen werden. Zu diesen Zoonosen gehört neben der Vogelgrippe auch die Rinderseuche BSE. Mit dem Projekt von 20 Mill. Euro soll auch die internationale Zusammenarbeit ausgebaut werden. Das Influenza-Sofortprogramm von Agrar- und Gesundheitsministerium besteht aus rund 18 Mill. Euro zur Vogelgrippe-Forschung. Bereits jetzt wird die Entwicklung von Impfstoffen für eine mögliche weltweite Grippe-Epidemie mit 20 Mill. Euro vom Bund unterstützt.

Die Vogelgrippe hat bislang nicht zu einer Infektionskette von Mensch zu Mensch geführt. Forscher befürchten, dass sich das Virus H5n1 beim Menschen verändern und eine weltweite Epidemie auslösen könnte. Das Virus könne durch die Entwicklung der vergangenen Monate ein Kandidat dafür sein, sagte RKI-Präsident Reinhard Kurth. Einen Zeitpunkt könne er nicht vorhersagen. Derzeit wird der Prototyp eines Grippe-Impfstoffs entwickelt. Für den endgültigen Schutz ist das veränderte Virus als Grundlage nötig. Daneben soll an dem breiter angelegten Impfstoff geforscht werden, der gegen sämtliche H5n1- Varianten eingesetzt werden könnte.

Forscher haben eine mögliche Ursache dafür gefunden, warum das gefährliche Virus H5n1 nicht einfach von Mensch zu Mensch übertragen wird. Während menschliche Influenzaviren bevorzugt Zellen der oberen Atemwege befallen, nisten sich die Erreger der Vogelgrippe vor allem in den tiefen, feinsten Lungenverästelungen ein, wie zwei Forschergruppen an diesem Donnerstag in den Fachjournalen „Nature“ und „Science“ berichten. Dies bedeute, dass ein Infizierter das Virus weniger leicht durch Husten oder Niesen verbreite, argumentieren die Wissenschaftler aus Japan, den Niederlanden und den USA.

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