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07.01.2007

11:55 Uhr

Gesundheit

Debatte um Behandlung von Ashley

Einer der Ärzte der behinderten neunjährigen Ashley aus den USA, Douglas Diekema, hat die weltweit kontrovers diskutierte Behandlung des Mädchens verteidigt.

Ashley dpa

Die kleine Ashley leidet nach Angaben der Eltern an einer irreversiblen Hirnschädigung.

dpa SEATTLE/SAN FRANCISCO. Einer der Ärzte der behinderten neunjährigen Ashley aus den USA, Douglas Diekema, hat die weltweit kontrovers diskutierte Behandlung des Mädchens verteidigt. „Wir haben sehr gründlich darüber nachgedacht, ob bestimmte Behandlungen helfen könnten oder nicht“, sagte der Mediziner in der „Bild am Sonntag“.

Mit Operationen und einer Hormontherapie ist das Mädchen auf dem körperlichen Entwicklungsstand einer Sechsjährigen gehalten worden, unter anderem damit es weiter von seiner Familie zu Hause im US- Bundesstaat Washington gepflegt werden kann. Das Mädchen leidet nach Angaben der Eltern an einer irreversiblen Hirnschädigung, eine Aussicht auf Besserung ist nicht in Sicht.

„Die Entscheidung fiel nach einer langen Diskussion, und erst nachdem höchst verantwortungsvolle Mitglieder unseres Ethik- Ausschusses die Eltern angehört haben und gesehen haben, wie sie mit ihrer Tochter umgehen“, sagte Diekema der Zeitung. Neben „ein, zwei beunruhigenden E-Mails“ habe er auch viel zustimmende Post erhalten. „Jedes Mal, wenn wir Medikamente verschreiben, ein gebrochenes Bein behandeln oder versuchen, Krebspatienten zu heilen, verändern wir Dinge, die ansonsten eine natürliche Entwicklung gewesen wären“, erklärte der US-Mediziner aus Seattle in der „Bams“.

Arthur Caplan, Medizinethiker an der University of Pennsylvania, kritisierte den Eingriff, das Mädchen am Erwachsen werden zu hindern. „Ich glaube, dass die Peter Pan-Variante moralisch falsch ist“, schrieb Caplan am Sonntag in einem Kommentar in der US-Zeitung „Milford Daily News“. „Ashley klein zu halten ist eine pharmakologische Lösung für ein soziales Versagen - die Tatsache nämlich, dass die amerikanische Gesellschaft für schwer behinderte Kinder und ihre Familien nicht genug Hilfe leistet“.

Die Eltern teilten online mit, ihre Webseite habe seit Bekanntwerden der Geschichte in den Medien über eine Million Zugriffe erhalten. In 48 Stunden seien mehr als 1 000 Kommentare eingegangen. Im Internet erfuhren die Eltern Unterstützung, aber auch massive Kritik. „Abscheulich“, „grotesk“ und „wie bei Frankenstein“, hieß es. „Hier haben die Ärzte nur wieder versucht, Gott zu spielen.“

Der geistig und körperlich schwer behinderten Ashley wurden im Sommer 2004 die Gebärmutter und die Brüste entfernt, zweieinhalb Jahre lang bekam sie in hohen Dosen das weibliche Geschlechtshormon Östrogen verabreicht. Die Östrogentherapie habe das Wachstum des jetzt 135 Zentimeter großen Mädchens gebremst. Die Gebärmutteroperation sorge dafür, dass Ashley nicht unter Monatsblutungen und Schmerzen leiden müsse, argumentieren die Eltern.

Die Grünen in Deutschland verurteilten die Behandlung der Behinderten. Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck sprach in der „Netzeitung“ von Körperverletzung. Auch der CDU- Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe hatte schwerwiegende Bedenken angemeldet. Der Frankfurter Rundschau (Samstagsausgabe) sagte Hüppe: „Wenn es bloß darum geht, die Pflege zu erleichtern, handelt es sich um einen klaren Verstoß gegen jegliches Ethos, eine Verstümmelung.“ Der Eingriff wurde auch vom Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte scharf kritisiert.

Der Kinderarzt Volker von Loewenich sagte dagegen in der „Welt am Sonntag“, es sei vermessen, die Eltern zu verurteilen. Auf die Frage, ob er den Eingriff für richtig halte, antwortete Loewenich: „Ich denke, er hilft, die Lebensqualität des Mädchens zu halten.“ Es sei eine grenzwertige Situation, in der man versuchen müsse, das am wenigsten Schlechte herauszuholen. „Ich habe Hemmungen zu sagen, das ist prima. Die Entscheidung der Eltern ist aber mit Respekt zu betrachten.“

In einem öffentlichen Brief erklärten die Eltern ihre Beweggründe. „Ashley geht es gut, sie ist gesund, glücklich und wird liebevoll betreut“, heißt es auf der eigens eingerichteten Internetseite. „Die "Ashley Behandlung" hat den Zweck, die Lebensqualität unserer Tochter zu erhöhen und nicht die Bequemlichkeit ihrer Betreuer.“

Die Ursache für die Krankheit des Kindes ließ sich den Eltern zufolge trotz unzähliger Untersuchungen nicht klären. Ashley ist nach Angaben ihrer Eltern auf dem geistigen Entwicklungsstand eines drei Monate alten Babys. Sie könne sich nicht selbst bewegen, umdrehen oder den Kopf halten, geschweige denn ein Spielzeug in die Hand nehmen. „Wir nennen sie unseren Kissen-Engel“, schreiben die Eltern, „weil sie so süß ist und immer genau da bleibt, wo wir sie hinlegen - normalerweise auf ein Kissen“.

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