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20.02.2006

13:55 Uhr

Gesundheit

Forscher: Vogelgrippe löst Urängste aus

Die Vogelgrippe löst nach Ansicht des Göttinger Angstforschers Prof. Borwin Bandelow bei vielen Menschen Urängste aus. Einhergehend mit der Ausbreitung der Tierkrankheit rechne er deshalb mit einer zunehmenden Panikstimmung, sagte der Arzt und Psychiater in einem dpa-Gespräch.

Vogelschwarm dpa

Nach Expertenmeinung löst die Vogelgrippe bei vielen Menschen Urängste aus.

dpa GöTTINGEN. Die Vogelgrippe löst nach Ansicht des Göttinger Angstforschers Prof. Borwin Bandelow bei vielen Menschen Urängste aus. Einhergehend mit der Ausbreitung der Tierkrankheit rechne er deshalb mit einer zunehmenden Panikstimmung, sagte der Arzt und Psychiater in einem dpa-Gespräch.

Die Vogelgrippe werde von den Menschen als besonders gefährlich wahrgenommen, weil sie „wie eine biblische Plage“ wirke. „Sie kommt von oben, ist unkontrollierbar, unbeherrschbar und geht um die ganze Welt. Das macht uns mehr Angst als tatsächliche Gefahren“, sagte Bandelow, der an der Universität Göttingen lehrt. „Dabei ist die Gefahr, vom Blitz erschlagen zu werden, sicher höher als die Gefahr, durch ein Vogelgrippevirus zu Tode zu kommen.“

Viele Menschen haben nach Ansicht des Göttinger Forschers Angst vor vermeintlichen Gefahren, obwohl es dafür keine rationale Erklärung gibt. Beispiel Spinnen: „Es gibt keine Spinnen in Deutschland, die beißen, stechen oder kratzen könnten.“ Obwohl sie also keine schlechten Erfahrungen gemacht haben können, hätten 48 Prozent aller Deutschen Angst vor Spinnen.

Ähnlich sei es offenbar bei Vögeln. Der Regisseur Alfred Hitchcock habe die unbewusste „Urangst der Menschen vor Vögeln“ in seinem Film thematisiert. Jeder Mensch habe „in seinem Gehirn Gefahren abgespeichert, die uns vor Hunderttausenden von Jahren hätten gefährlich werden können, heute aber nicht mehr“. Er wolle die Gefahr durch Vogelgrippe nicht herunterspielen, sagte Bandelow, der im vergangenen Jahr mit einem „Angstbuch“ bekannt geworden war. „Aber wenn man sich mit den virologischen Gegebenheiten beschäftigt, stellt man fest: Ein Virus wird abgetötet durch Braten. Und die Gefahr, sich an Hühnerfleisch zu infizieren, ist gleich Null.“

Deshalb seien die teilweise panischen Reaktionen auf die Vogelgrippe rational nicht zu erklären. „Da viele Menschen nicht strukturiert denken, sondern ihnen alles, was fliegt, gefährlich erscheint, werden viele Leute bald jede tote Amsel melden“, meinte Bandelow. „Andere werden nicht mehr aus dem Haus gehen aus Angst, Vogelkot auf den Kopf zu kriegen.“

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