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19.01.2007

11:20 Uhr

Gesundheit

Impfkampagne senkt Zahl tödlicher Masernfälle drastisch

Eine massive Impfkampagne hat die Zahl tödlicher Masernfälle weltweit in nur sechs Jahren um 60 Prozent gesenkt. Die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, begrüßte das Ergebnis als „historischen Sieg der globalen Gesundheitsvorsorge“.

Impfbuch mit Masernimpfung dpa

Flächendeckende Routineimpfungen von Kindern haben in den vergangenen sechs Jahren fast 7,5 Mill. Leben gerettet.

dpa NEW YORK/LONDON/KöLN. Eine massive Impfkampagne hat die Zahl tödlicher Masernfälle weltweit in nur sechs Jahren um 60 Prozent gesenkt. Die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, begrüßte das Ergebnis als „historischen Sieg der globalen Gesundheitsvorsorge“.

Es zeige, wie erfolgreich Infektionskrankheiten bekämpft werden können, „wenn wir alle zusammen arbeiten“. Die Leiterin der US-Seuchenbehörde CDC, Julie Gerberding, empfahl die Strategie gegen Masern als Modell für künftige Kampagnen gegen Atemweginfektionen, Durchfall und andere Infektionskrankheiten. Chan, Gerberding sowie Unicef-Chefin Ann Veneman äußerten sich bei einer internationalen Telekonferenz.

Nach einem Bericht im britischen Medizinjournal „The Lancet“ (Bd. 369, S. 191) vom Freitag starben 2005 dank der neuen Masern-Strategie eine halbe Million Menschen weniger an der hochansteckenden Virusinfektion als noch 1999. Den Autoren um Lara Wolfson von der internationalen Maserninitiative zufolge kosteten Masern 1999 weltweit 873 000 Menschen das Leben, 2005 noch 345 000. Damit sei das Ziel der UN-Vollversammlung, die Zahl der Maserntodesfälle bis 2005 zu halbieren, sogar noch übertroffen worden. Insgesamt hätten Masernimpfungen in diesem Zeitraum 7,5 Mill. Menschenleben gerettet - allein 2,3 Mill. davon habe die neue Impfkampagne vor dem Tod bewahrt.

Obwohl ein zuverlässiger und preiswerter Impfstoff gegen Masern schon seit vier Jahrzehnten auf dem Markt war, blieb die Infektion auch zu Beginn des Millenniums noch eine der führenden Todesursachen bei Kindern weltweit. Rund 90 Prozent der Maserntoten von 1999 waren nach WHO-Angaben noch keine fünf Jahre alt. Betroffen sind auch heute noch vor allem die Entwicklungsländer, während die Krankheit in vielen Industrieländern nahezu verschwunden ist.

Um der Krankheit endlich global Einhalt zu gebieten, entwickelten die WHO und das UN-Kinderhilfswerk Unicef eine Strategie für Masernimpfungen und -überwachung. In den 45 am schwersten betroffenen Ländern wurden Kleinkinder flächendeckend geimpft und bekamen die Gelegenheit für eine zweite Impfung zum Auffrischen. Dennoch auftretende Masernfälle wurden beobachtet und behandelt, heißt es in „The Lancet“.

Besonders erfolgreich war diese Strategie in Teilen Asiens, wo die Zahl der Todesfälle um 81 Prozent sank. In Afrika schraubte die Impfstrategie die Opferzahl um 75 Prozent zurück. So hatte etwa Uganda berichtet, dass die Zahl der Maserntoten in dem Land von rund 6 000 vor zehn Jahren auf nur noch elf im vergangenen Jahr gesunken sei. „In Afrika sind viele Masern-Stationen heute wie ausgestorben“, sagte Chan.

Angesichts dieser Erfolge will die internationale Maserninitiative, an der die Vereinten Nationen (UN), die CDC und das Amerikanische Rote Kreuz beteiligt sind, die Zahl tödlicher Masernfälle in diesem Jahrzehnt weltweit um 90 Prozent senken. Die Kosten für dieses ehrgeizige Vorhaben bezifferte Chan auf knapp 500 Mill. Dollar. Etwa ein Drittel dieses Geldes liege bereits vor, betonte sich die WHO-Chefin.

In Europa sollen die Masern nach WHO-Plänen bis 2010 sogar ausgerottet sein. Deutschland ist nach Expertenansicht allerdings noch nicht gegen gefährliche Masernepidemien gefeit. „Die Durchimpfungsrate ist zwar besser geworden, aber längst nicht zufrieden stellend“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (RKI) und Leiter des Kölner Gesundheitsamts, Jan Leidel, in einem dpa-Gespräch.

Für die Ausrottung der Masern müssten mindestens 95 Prozent der Kinder bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs zwei Mal geimpft sein. Die Schuleingangsuntersuchungen 2005 hätten aber eine bundesweite Quote von nur 73 Prozent ergeben. Würden bestehende Impflücken nicht geschlossen, könne Deutschland international eine zweifelhafte Spitzenposition beibehalten, warnte Leidel. „Derzeit sind wir Vize- Weltmeister im Export von Masern.“

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