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Gesundheit

Stress-Mythen – und was dahintersteckt

VonJulia Gurol
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Stress ist unvermeidlich, er macht uns krank und lässt sich nur durch gezielte Entspannungsübungen wirksam bekämpfen: Viele Mythen ranken sich um das Thema. Doch halten sie einer Überprüfung stand? Hier der Faktencheck.

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„Wenn ich Stress habe, vergesse ich manchmal sogar zu essen“, sagen manche Menschen gerne. Grundsätzlich hat Stress aber einen gegenteiligen Effekt: Das Hormon Kortisol verändert den Stoffwechsel und führt zur vermehrten Fetteinlagerung, vor allem im Bauch- und Taillenbereich – und dort schadet es der Gesundheit besonders. Wer unter hoher Belastung leidet, ernährt sich außerdem häufig unausgewogen – Gestresste greifen vermehrt zu kohlenhydrat- und fettreichen Speisen. Da man auf der Arbeit wenig Zeit hat, vertilgt man sie schnell zwischendurch – oder isst am Abend die doppelte Portion. (Foto: Huk-Coburg)

Mythos 1: Stress macht schlank

„Wenn ich Stress habe, vergesse ich manchmal sogar zu essen“, sagen manche Menschen gerne. Grundsätzlich hat Stress aber einen gegenteiligen Effekt: Das Hormon Kortisol verändert den Stoffwechsel und führt zur vermehrten Fetteinlagerung, vor allem im Bauch- und Taillenbereich – und dort schadet es der Gesundheit besonders.

Wer unter hoher Belastung leidet, ernährt sich außerdem häufig unausgewogen – Gestresste greifen vermehrt zu kohlenhydrat- und fettreichen Speisen. Da man auf der Arbeit wenig Zeit hat, vertilgt man sie schnell zwischendurch – oder isst am Abend die doppelte Portion. (Foto: Huk-Coburg)

Genauso falsch ist es, Stress zu verteufeln. Denn er ist eine natürliche Reaktion, die Menschen hellwach und reaktionsschnell macht. Der Körper ist auf Angriff gepolt. Damit bewältigen wir schwierige Situationen besser und fühlen uns zunächst leistungsfähiger. Positiver Stress, den man auch Eustress nennt, tut gut: Es kommt zur Ausschüttung bestimmter Hormone wie zum Beispiel Dopamin, Serotonin oder Endorphin. Diese biochemische Mixtur kann dafür sorgen, dass wir Stress als neutral oder angenehm empfinden. Chronischer Stress („Distress“) wirkt sich hingegen schädlich auf die Gesundheit aus. dpa

Mythos 2: Stress ist immer schädlich

Genauso falsch ist es, Stress zu verteufeln. Denn er ist eine natürliche Reaktion, die Menschen hellwach und reaktionsschnell macht. Der Körper ist auf Angriff gepolt. Damit bewältigen wir schwierige Situationen besser und fühlen uns zunächst leistungsfähiger.

Positiver Stress, den man auch Eustress nennt, tut gut: Es kommt zur Ausschüttung bestimmter Hormone wie zum Beispiel Dopamin, Serotonin oder Endorphin. Diese biochemische Mixtur kann dafür sorgen, dass wir Stress als neutral oder angenehm empfinden. Chronischer Stress („Distress“) wirkt sich hingegen schädlich auf die Gesundheit aus.

Bild: dpa

Die Arbeit stresst, zuhause geht auch alles drunter und drüber – da hilft nur noch, sich ganz bewusst zu entspannen. Falsch! Denn wer viel Stress hat, steht unter Strom und kann nicht auf Knopfdruck entspannen. Der Grund: Das Hormon Kortisol macht gleichzeitig zappelig, steigert Aggression und Unruhe. Die lässt sich nicht einfach wegmeditieren oder wegbaden. In diesem Fall hilft Bewegung, etwa eine Runde joggen oder ein Spaziergang. Hinzu kommt: Wer beim Nichtstun ständig grübelt, hält sein Stresslevel trotz vermeintlicher Entspannung auf konstantem Niveau. Besser ist dann Ablenkung in Form von Spielen oder Gesprächen. dpa/picture alliance

Mythos 3: Gegen Stress hilft nur Entspannung

Die Arbeit stresst, zuhause geht auch alles drunter und drüber – da hilft nur noch, sich ganz bewusst zu entspannen. Falsch! Denn wer viel Stress hat, steht unter Strom und kann nicht auf Knopfdruck entspannen. Der Grund: Das Hormon Kortisol macht gleichzeitig zappelig, steigert Aggression und Unruhe. Die lässt sich nicht einfach wegmeditieren oder wegbaden.

In diesem Fall hilft Bewegung, etwa eine Runde joggen oder ein Spaziergang. Hinzu kommt: Wer beim Nichtstun ständig grübelt, hält sein Stresslevel trotz vermeintlicher Entspannung auf konstantem Niveau. Besser ist dann Ablenkung in Form von Spielen oder Gesprächen.

Bild: dpa/picture alliance

Körperlich reagieren Männer und Frauen zwar prinzipiell gleich auf Stress – die Folgen unterscheiden sich aber je nach Geschlecht. Während bei Männern ein hoher Stressfaktor eher zu Herz-Kreislauf-Problemen führt, macht er Frauen anfällig für psychische Erkrankungen. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass sich Frauen grundsätzlich mehr Gedanken über ihre Gesundheit machen. Typisch männliche Stressfolgen sind dagegen Herzinfarkt und Schlaganfall. Hinzu kommen Übergewicht, hoher Blutdruck sowie erhöhte Cholesterinwerte. Das Risiko, daran zu erkranken, steigt bei Managern, die wöchentlich mehr als 60 Stunden, rapide an. ZB

Mythos 4: Stress wirkt auf Männer und Frauen gleich

Körperlich reagieren Männer und Frauen zwar prinzipiell gleich auf Stress – die Folgen unterscheiden sich aber je nach Geschlecht. Während bei Männern ein hoher Stressfaktor eher zu Herz-Kreislauf-Problemen führt, macht er Frauen anfällig für psychische Erkrankungen. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass sich Frauen grundsätzlich mehr Gedanken über ihre Gesundheit machen.

Typisch männliche Stressfolgen sind dagegen Herzinfarkt und Schlaganfall. Hinzu kommen Übergewicht, hoher Blutdruck sowie erhöhte Cholesterinwerte. Das Risiko, daran zu erkranken, steigt bei Managern, die wöchentlich mehr als 60 Stunden, rapide an.

Bild: ZB

Ein riesiger Berg ungeliebter Aufgaben liegt vor Ihnen? Mit der Salamitaktik lässt sich der Stress besser bewältigen: Gliedern Sie im Geiste die umfangreiche Aufgabe in mehrere kleine Arbeitsschritte. So scheinen sie leichter zu bewältigen und nach jedem Arbeitsschritt haben Sie ein kleines Erfolgserlebnis. dpa

Mythos 5: Ungeliebte Arbeit stresst besonders

Ein riesiger Berg ungeliebter Aufgaben liegt vor Ihnen? Mit der Salamitaktik lässt sich der Stress besser bewältigen: Gliedern Sie im Geiste die umfangreiche Aufgabe in mehrere kleine Arbeitsschritte. So scheinen sie leichter zu bewältigen und nach jedem Arbeitsschritt haben Sie ein kleines Erfolgserlebnis.

Bild: dpa

Die Gesellschaft wird schnelllebiger, permanent müssen wir erreichbar sein, die Zeit wird knapper – und der Stress immer größer? Könnte man meinen, doch eigentlich ist Stress ein uralter Überlebensmechanismus: Der Puls beschleunigt sich, der Blutdruck steigt, Muskeln spannen sich an. Bei Stress schüttet unser Körper große Mengen der Hormone Adrenalin und Kortisol aus – alles ist auf Angriff oder Flucht gepolt. Auch wenn wir uns heute nicht mehr vor dem Säbelzahntiger retten müssen, läuft die körperliche Reaktion auf Stress ab wie bei den Steinzeitmenschen. Das Thema „Stress“ ist also keine Erfindung des 20. Jahrhunderts. dpa

Mythos 6: Stress ist ein modernes Phänomen

Die Gesellschaft wird schnelllebiger, permanent müssen wir erreichbar sein, die Zeit wird knapper – und der Stress immer größer? Könnte man meinen, doch eigentlich ist Stress ein uralter Überlebensmechanismus: Der Puls beschleunigt sich, der Blutdruck steigt, Muskeln spannen sich an.

Bei Stress schüttet unser Körper große Mengen der Hormone Adrenalin und Kortisol aus – alles ist auf Angriff oder Flucht gepolt. Auch wenn wir uns heute nicht mehr vor dem Säbelzahntiger retten müssen, läuft die körperliche Reaktion auf Stress ab wie bei den Steinzeitmenschen. Das Thema „Stress“ ist also keine Erfindung des 20. Jahrhunderts.

Bild: dpa

Das stimmt ebenfalls nicht – zumindest nicht generell. Zwar hat Stress bei Menschen höheren Alters schneller körperliche Folgen, weil sie weniger belastbar sind. Trotzdem ist die Zahl psychischer Erkrankungen durch Stress in den vergangenen Jahren in der Gruppe der 20- bis 35-Jährigen am stärksten angestiegen und hat den höchsten Anteil bei den 40- bis 44-Jährigen. Hier erreichen psychische Erkrankungen mit einem Anteil von 12,2 Prozent ihren Höchststand. Das liegt an den steigenden Leistungsanforderungen im Job – und zunehmend unsicheren Arbeitsverhältnissen. dpa

Mythos 7: Ältere Menschen sind schneller gestresst

Das stimmt ebenfalls nicht – zumindest nicht generell. Zwar hat Stress bei Menschen höheren Alters schneller körperliche Folgen, weil sie weniger belastbar sind. Trotzdem ist die Zahl psychischer Erkrankungen durch Stress in den vergangenen Jahren in der Gruppe der 20- bis 35-Jährigen am stärksten angestiegen und hat den höchsten Anteil bei den 40- bis 44-Jährigen. Hier erreichen psychische Erkrankungen mit einem Anteil von 12,2 Prozent ihren Höchststand. Das liegt an den steigenden Leistungsanforderungen im Job – und zunehmend unsicheren Arbeitsverhältnissen.

Bild: dpa

Richtig ist, dass Stress häufig im Arbeitsumfeld entsteht. Aber die Arbeitsbelastung selbst ist nicht ausschlaggebend, wie Wissenschaftler der Universität Helsinki herausfanden. Vielmehr sind oft negative Beziehungen und Emotionen am Arbeitsplatz die eigentlichen Übeltäter. Wer sich ständig mit anderen vergleicht, löst eine dauerhafte Frustrationsspirale in Gang. Wissenschaftler sprechen dabei von der „Gratifikationskrise“: Wer viel leistet, ohne dafür angemessen belohnt zu werden, hat ein doppelt so hohes Risiko an Depression oder Herzinfarkt zu erkranken. dpa

Mythos 8: Stress entsteht durch die Arbeit

Richtig ist, dass Stress häufig im Arbeitsumfeld entsteht. Aber die Arbeitsbelastung selbst ist nicht ausschlaggebend, wie Wissenschaftler der Universität Helsinki herausfanden. Vielmehr sind oft negative Beziehungen und Emotionen am Arbeitsplatz die eigentlichen Übeltäter.

Wer sich ständig mit anderen vergleicht, löst eine dauerhafte Frustrationsspirale in Gang. Wissenschaftler sprechen dabei von der „Gratifikationskrise“: Wer viel leistet, ohne dafür angemessen belohnt zu werden, hat ein doppelt so hohes Risiko an Depression oder Herzinfarkt zu erkranken.

Bild: dpa

Ein Leben ohne Belastung gibt es nicht, auch wenn viele Ratgeberbücher „Nie mehr Stress“ versprechen. Doch er entsteht automatisch und lässt sich nicht vermeiden. Bereits wenn wir morgens aufwachen, schüttet unser Körper Stresshormone aus, damit wir in Schwung kommen. Ebenso lösen Geräusche – Lärm, Babyschreien oder Straßenverkehr – unwillkürlich Stress aus. Sogar wenn wir leidenschaftlich Küssen, ist das Stress. Denn auf jeden Reiz reagiert das Gehirn mit Gedanken und Gefühlen – und der Ausschüttung von Stresshormonen. Entscheidend dafür, ob sich der Stress auf unsere Gesundheit auswirkt, ist daher nicht ob wir Stress haben, sondern wie viel und wie lange. obs

Mythos 9: Stress lässt sich vermeiden

Ein Leben ohne Belastung gibt es nicht, auch wenn viele Ratgeberbücher „Nie mehr Stress“ versprechen. Doch er entsteht automatisch und lässt sich nicht vermeiden. Bereits wenn wir morgens aufwachen, schüttet unser Körper Stresshormone aus, damit wir in Schwung kommen. Ebenso lösen Geräusche – Lärm, Babyschreien oder Straßenverkehr – unwillkürlich Stress aus.

Sogar wenn wir leidenschaftlich Küssen, ist das Stress. Denn auf jeden Reiz reagiert das Gehirn mit Gedanken und Gefühlen – und der Ausschüttung von Stresshormonen. Entscheidend dafür, ob sich der Stress auf unsere Gesundheit auswirkt, ist daher nicht ob wir Stress haben, sondern wie viel und wie lange.

Bild: obs

Aufgaben müssen priorisiert werden! Das erkannte schon der frühere US-Präsident Dwight D. Eisenhower (Bild). Er teilte seine Aufgaben in vier Gruppen auf: Sofort erledigen! Später machen! Delegieren! Vergessen! So wenden Sie diese Theorie an: Legen Sie sich eine Liste an, in der Sie Ihre Aufgaben in diese vier Kategorien einteilen. Müssen Sie das selbst tun? Wenn nicht, in die Tonne damit. Meiden Sie Zeitfresser. Merken Sie sich Zeit vor, um gewisse Aufgaben zu erledigen. Das Haus wird nicht einstürzen, wenn Sie manche Dinge nicht sofort erledigen. Doch einige Dinge können nicht warten, sie sollten sofort erledigt werden. Weitere Theorien beschreiben James McGrath und Bob Bates in ihrem Buch Der 5-Minuten-Manager (Börsenmedien, 2014). dapd

10. Das Eisenhower-Prinzip

Aufgaben müssen priorisiert werden! Das erkannte schon der frühere US-Präsident Dwight D. Eisenhower (Bild). Er teilte seine Aufgaben in vier Gruppen auf: Sofort erledigen! Später machen! Delegieren! Vergessen!

So wenden Sie diese Theorie an: Legen Sie sich eine Liste an, in der Sie Ihre Aufgaben in diese vier Kategorien einteilen. Müssen Sie das selbst tun? Wenn nicht, in die Tonne damit. Meiden Sie Zeitfresser. Merken Sie sich Zeit vor, um gewisse Aufgaben zu erledigen. Das Haus wird nicht einstürzen, wenn Sie manche Dinge nicht sofort erledigen. Doch einige Dinge können nicht warten, sie sollten sofort erledigt werden.

Weitere Theorien beschreiben James McGrath und Bob Bates in ihrem Buch Der 5-Minuten-Manager (Börsenmedien, 2014).

Bild: dapd

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