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11.05.2017

09:46 Uhr

Globale Klimakatastrophe

Als die Welt zum Schneeball wurde

VonLars Fischer
Quelle:Spektrum.de

Vor 700 Millionen Jahren wurde die Erde von ihrer schlimmsten Klimakatastrophe heimgesucht: Ein Eispanzer überzog für Äonen die gesamte Erdoberfläche. Jetzt präsentieren Forscher eine Erklärung für den „Schneeball Erde“.

Für Äonen gab es nur Eis, Himmel und Kälte auf der Erde. dpa

Schneeball Erde

Für Äonen gab es nur Eis, Himmel und Kälte auf der Erde.

HeidelbergUm ein Haar wäre das irdische Leben nie über das Stadium der Bakterienmatten hinausgekommen. Vor etwa 700 Millionen Jahren suchte eine kaum vorstellbare Klimakatastrophe den Planeten heim: ein Eispanzer, der praktisch die gesamte Erdoberfläche überzog.

„Schneeball Erde“ nennen Fachleute diese Episode in der Geschichte unseres Planeten. 60 Millionen Jahre lang war die Erde eine eisige Wüste. Wolken gab es vermutlich kaum, und nur wenige Bereiche der Kontinente und Ozeane waren wohl nicht vergletschert. Für Äonen gab es nur Eis, Himmel und Kälte.

Und Vulkane, denn tektonische Prozesse liefen auch unter dem Eis weiter. So reicherte sich langsam Kohlendioxid in der Atmosphäre an. Schließlich war die entscheidende Schwelle überschritten: Das Treibhausgas wärmte die Erde genug, um die Gletscher schmelzen zu lassen, und anschließend kippte das Klima ins andere Extrem: Im heißen Supertreibhausklima tobten gigantische Stürme, die das Meer bis in hunderte Meter Tiefe aufwühlten.

Erst als sich das Kohlendioxid in bis zu 30 Meter dicken Sedimentlagen ablagerte, beruhigte sich das Klima. So endete die vermutlich größte globale Katastrophe in der Geschichte der Erde.

Doch wie sie begann, ist weiter rätselhaft. Bisherige Erklärungen scheitern meist daran, dass sie in der Erdgeschichte nicht einzigartig genug sind: Warum vereiste der Effekt einst die Welt, bei seinem mehrfachen Auftreten davor oder danach jedoch nicht mehr?

Nun stellen Francis Macdonald und Robin Wordsworth von der Harvard University eine Hypothese auf, nach der vor exakt 717 Millionen Jahren zum Unglück auch noch zweimal Pech dazu kam. Zu jener Zeit, exakt am Beginn der großen Vereisung, entstanden Teile des so genannten Franklin-Flutbasalts, eine vulkanische Eruption, die große Mengen Lava förderte.

Flutbasalte sind in der Erdgeschichte nicht selten und bekanntermaßen katastrophal. So werden die Flutbasalte der Sibirischen Trapps mit dem schlimmsten Massenaussterben der Erdgeschichte an der Perm-Trias-Grenze in Verbindung gebracht. Die Franklin-Flutbasalte waren kleiner, dafür aber geschahen sie nach Angaben der beiden Harvard-Forscher in einer Region, in der verdampfendes Meerwasser dicke Salzlagen zurückgelassen hatte – darunter das schwefelhaltige Mineral Gips.

Kommentare (9)

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Herr Holger Narrog

11.05.2017, 10:23 Uhr

Traurig ist das man dieses wissenschaftliche Ereignis mit der ökoreligiösen Weltuntergangstheorie vom CO2 induzierten "Klimawandel" verbindet.

Bislang hat man sich nicht die wissenschaftliche Mühe gemacht den Treibhauseffekt und den Einfluss der Klimagase H2O, CO2, CH4 für die heutige Erde, beispielsweise über eine Monte Carlo Simualtion, zu quantifizieren. Für die Erde vor 700 Mio. Jahren liegen noch viel weniger Daten vor.

Sachlich gesehen sind die CO2 Emissionen aus Vulkanen gering und werden in den Berichten des IPCC (Klimaschwindlerorganisation) für den heutigen Kohlenstoffkreislauf deshalb soweit mir bekannt nicht quantitativ erwähnt. Die Löslichkeit von CO2 in den Ozeanen nimmt mit abnehmender Wassertemperatur zu. Dies bedeuted das emittiertes CO2 in Eiszeiten von den Ozeanen absorbiert wird wie dies in späteren Eiszeiten geschehen ist.

Ein interessanter Aspekt ist, dass die Sonne seinerzeit noch schwächer gestrahlt hat, die Erde etwas kleiner war, der Anteil der Landoberfläche grösser war.



Herr Tom Schmidt

11.05.2017, 10:46 Uhr

@Narrog:

Und der Tag war wesentlich kürzer!

Wobei heute unbestritten ist, das der "nasse" Treibhauseffekt im Vergleich zum CO2-Effekt der wesentliche ist, er ist aber noch nicht verstanden. Unterm Strich, es gibt kein valides Klimamodell. Vergleicht man die Planeten stellt man z.B. gerade auch eine Erwärmung auf Mars fest...

Unterm Strich: wir haben keine Ahnung warum es wärmer wird... die Frage ist jetzt aber, was machen wir draus und wie reagieren wir darauf?

G. Nampf

11.05.2017, 11:26 Uhr

Eine weitere Hypothese für das Einfrieren der Erde ist, das chemise Verwitterung von Mineralien so große Mengen an CO2 gebunden hat, daß der natürliche Treibhauseffekt zum Erliegen kam.

@ Holger Narrog11.05.2017, 10:23 Uhr

"Sachlich gesehen sind die CO2 Emissionen aus Vulkanen gering "

Die Vulkanausbrüche, die nachweislich in früheren Zeiten stattfanden, hatten flächenmäßig kontinentale Ausmaße über Zehntausende von Jahren , gegen die die heutigen Vulkanausbrüche nicht einmal laue Lüftchen sind:

ZB: der sibirische Flutbasalt (https://de.wikipedia.org/wiki/Sibirischer_Trapp) bedeckte fast ganz Sibirien oder das Auseinanderbrechen der Superkontinente Gondwana und Pangäa


Und da Vulkane heutzutage einen geringen Einfluß haben, kann man sie nicht für den jetzigen Klimawandel verantwortlich machen.

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