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27.09.2015

14:33 Uhr

Grab der Nofretete

Spurensuche im Tal der Könige

Ein britischer Forscher glaubt zu wissen, wo der unentdeckte Sarkophag von Königin Nofretete ist und will das nun beweisen. Es wäre eine Sensation vergleichbar der Entdeckung des Grabs von Pharao Tutanchamun.

Bislang konnte das Grab der altägyptischen Herrscherin noch nicht entdeckt werden. ap

Büste der Nofretete

Bislang konnte das Grab der altägyptischen Herrscherin noch nicht entdeckt werden.

LuxorEs sind nur ein paar feine Linien in einer Wand aus Kalkstein. Doch sie könnten zu einer der größten archäologischen Sensationen führen, die die Welt seit langem gesehen hat. Am Montag will sich eine Expedition von Wissenschaftlern um den britischen Ägyptologen Nicholas Reeves im Tal der Könige nahe der ägyptischen Stadt Luxor auf die Suche machen – nach nichts geringerem als der Grabkammer der Nofretete.

Millionen Menschen haben ihre weltberühmte Büste auf der Berliner Museumsinsel schon bewundert. Den Sarkophag der rätselhaften Pharaonengattin dagegen hat noch keiner ausfindig machen können. Das könnte sich nun ändern: Reeves, der an der Universität von Arizona lehrt, äußerte in einem Aufsatz Vermutungen auf weitere Räume hinter der 1922 entdeckten Grabkammer von Nofretetes Stiefsohn Tutanchamun (um 1330 v. Chr.).

Nofretete: 3000 Jahre alte Stil-Ikone

Nofretete

3000 Jahre alte Stil-Ikone

Ihr Lächeln macht der Mona Lisa Konkurrenz: Nofretete gilt als eine der schönsten Frauen der Geschichte. Vor 100 Jahren wurde die Büste der Herrscherin entdeckt – bis heute ein Zankapfel zwischen Ägypten und Deutschland.

In neuen, hochpräzisen Oberflächenaufnahmen zweier Wände der Kammer mit dem Kürzel KV62 fand Reeves Linienstrukturen, in denen er zugemauerte Durchgänge zu erkennen glaubt. Doch damit nicht genug: Reeves vermutet hinter der bemalten Nordwand einen Korridor, der genug Platz für einen großen Sarkophag böte. Dem der „Nofretete selbst, der gefeierten Gattin, Mitregentin und späteren Nachfolgerin von Pharao Echnaton“, wie Reeves schreibt.

Ein wirklich guter Ägyptologe

Die archäologische Welt ist seitdem in Aufregung. Nicht nur wegen der schönen Nofretete, bei der Ägyptologen seit jeher in Schwärmen geraten, sondern auch deshalb, weil Reeves seine Theorie gut begründet.

So sei der vermutete Gang die exakte Fortführung des Korridors in der Grabkammer Tutanchamuns. Auch scheint die Nordwand später bemalt worden zu sein als die übrige Raumdekoration. Reeves zufolge deshalb, weil sie durch das Zumauern erst nachträglich entstand.

Experten schätzen Reeves als seriösen Wissenschaftler. „Er ist ein wirklich guter Ägyptologe, der zu den größten Kennern des Tals der Könige gehört“, sagt sein belgischer Kollege Harco Willems. Seiner Ansicht nach hat Reeves handfeste Hinweise für seine Theorie gefunden. „Was er auf den Bildern sieht, sehe ich auch. Es scheint mir außer Frage zu stehen, dass da zwei Türen sind.“

Zwei zugemauerte Durchgänge also. Eine zu einer kleineren Kammer. Die andere – womöglich – zu einer Legende der Amarnazeit. Aber warum soll es gerade Nofretete sein, die seit Tausenden von Jahren hinter der berühmten Wandbemalung ruht?

Der Theorie zufolge verbirgt sich hinter dem Namen von Tutanchamuns Vorgänger, Semenchkare, niemand anderes als die nach dem Tod ihres Gemahls Echnaton zur Herrscherin aufgestiegenen Nofrete. Ihre Grabkammer sei nach dem plötzlichen Tod Tutanchamuns hastig für diesen umgebaut und der Raum mit ihrem Sarkophag eingemauert worden. Nofretete als direkte Vorgängerin ihres Stiefsohns Tutanchamun: Eine unter Ägyptologen umstrittene These.

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