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05.02.2014

11:00 Uhr

H10N8

Forscher warnen vor neuem Vogelgrippe-Virus

Ein neuer Vogelgrippe-Erreger hat offenbar ein hohes Risiko-Potenzial für Menschen. Das Virus H10N8, das bereits zu einem Todesfall führte, könnte sich leicht unter Menschen ausbreiten, warnen Forscher.

Abtransport von getöteten Hühnern nach einem Ausbruch der Vogelgrippe in Hongkong. Ein neuer Vogelgrippe-Erreger hat möglicherweise ein hohes Risiko-Potenzial, berichten chinesische Mediziner. dpa

Abtransport von getöteten Hühnern nach einem Ausbruch der Vogelgrippe in Hongkong. Ein neuer Vogelgrippe-Erreger hat möglicherweise ein hohes Risiko-Potenzial, berichten chinesische Mediziner.

PekingDas neue Virus H10N8, das in China im Dezember zu einem ersten Todesfall geführt hatte, könnte sich leichter unter Menschen ausbreiten als andere Vogelgrippeviren. Zu dieser Einschätzung kommen chinesische Wissenschaftler im britischen Medizin-Journal „Lancet“. „Das pandemische Potenzial dieses neuen Virus sollte nicht unterschätzt werden“, warnen die Forscher.

Viele Vogelgrippeviren können Symptome beim Menschen auslösen, als besonders gefährlich haben sich in den vergangenen Jahren die Erreger H5N1 und H7N9 erwiesen. Anfang Dezember wurde nun bei einer 73-Jährigen in Nanchang, der Hauptstadt der ostchinesischen Provinz Jiangxi, erstmals das Virus H10N8 nachgewiesen. Die Frau hatte am 27. November erste Symptome wie Husten gezeigt, war am 30. November mit Fieber und Atemproblemen ins Krankenhaus gebracht worden und dort neun Tage nach Ausbruch der Krankheit an multiplem Organversagen gestorben.

Infos zur Vogelgrippe H7N9

Was ist H7N9?

Das Virus H7N9 ist nach der Kombination zweier Eiweiße - Hämagglutinin und Neuraminidase - auf seiner Oberfläche benannt. Es geht in Geflügelfarmen um, gilt aber als „gering pathogenes“ Virus, das Vögel in der Regel nicht krank macht. Dies kann dazu führen, dass es sich unbemerkt verbreitet, was es deutlich erschwert, seinen Ursprung zu finden.

Wie gefährlich ist das Virus für den Menschen?

Seit Februar haben sich in China mehrere Dutzend Menschen infiziert. Zu den Symptomen gehören Fieber und Atemprobleme bis hin zu schweren Atemwegserkrankungen. Wie die Ansteckung genau verläuft, ist noch unklar. Viele Betroffene dürften sich bei infiziertem Geflügel angesteckt haben. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch galt lange als unwahrscheinlich, wird jetzt aber nicht mehr ausgeschlossen.

Welche Veränderungen des Virus beobachten Wissenschaftler?

Auch wenn es noch nicht sicher ist, scheint das Virus auf eine Weise mutiert zu sein, die es ihm einfacher macht, sich an Säugetiere anzupassen. Wissenschaftler versuchen derzeit, den aktuellen Wirt des Virus zu ermitteln. Eine Möglichkeit sind Schweine, weil sie einige grundlegende biologische Ähnlichkeiten mit Menschen aufweisen und als eine Art „Mischgefäß“ fungieren könnten, wenn sie mit verschiedenen Grippeviren-Typen gleichzeitig infiziert sind.

Gibt es eine Impfung?

Eine Impfung gegen H7N9 existiert nicht, allerdings arbeiten die Weltgesundheitsorganisation WHO und ihre Partner bereits daran, mögliche Viren zu isolieren und zu identifizieren, die künftig falls nötig für Impfungen genutzt werden könnten. Die Herstellung eines Impfstoffs würde allerdings Monate dauern.

Wie unterscheidet sich diese Vogelgrippe vom gefürchteten H5N1-Virus?

Anders als das H7N9-Virus war H5N1 meist tödlich bei Vögeln, was es leichter machte, Ausbrüche der Vogelgrippe zu identifizieren und ihnen entgegenzuwirken. H5N1 bleibt eine Vogelgrippe und hat nicht die Abzweigung zu weiteren Spezies wie Schweinen genommen. Die meisten Ansteckungen bei Menschen gingen entsprechend auf den Kontakt mit infizierten Vögeln zurück.

Der Erreger H5N1 infizierte seit 2003 weltweit mehr als 600 Menschen. 371 Patienten von ihnen starben. Experten fürchten allerdings, dass das H5N1-Virus in eine Form mutieren könnte, die leicht von Mensch zu Mensch übertragen wird und damit möglicherweise eine Pandemie auslöst.

Sollte man Geflügelfleisch derzeit meiden?

Solange Geflügelprodukte vernünftig gekocht werden, gilt ihr Verzehr als ungefährlich.

Die Analyse weise darauf hin, dass H10N8 den Tod verursachte, berichten die Forscher. Eine zusätzliche Infektion mit Bakterien oder Pilzen habe es nicht gegeben. Die Frau hatte vier Tage vor Auftreten der ersten Symptome einen Markt mit lebendem Geflügel besucht. Das wäre eine typische Inkubationszeit für Vogelgrippeviren – direkt nachgewiesen werden konnte H10N8 in Proben von dem Markt allerdings nicht.

In der Provinz Jiangxi sei aber Ende Januar eine weitere Erkrankung entdeckt worden. „Das bereitet große Sorgen, weil es zeigt, dass das H10N8-Virus sich weiter verbreitet und in der Zukunft mehr menschliche Infektionen auslösen kann“, wird Mitautor Mingbin Lin vom Gesundheitsamt in Nanchang in einer „Lancet“-Mitteilung zu der Studie zitiert.

Das Virus H10N8 war bis dahin nur zweimal nachgewiesen worden, in beiden Fällen nicht bei Menschen: 2007 in einer Wasserprobe im Dongting-See in der Provinz Hunan und 2012 in einem Geflügelmarkt in der Südprovinz Guangdong. Die Erbgut-Analyse zeige allerdings, dass das jetzt festgestellte H10N8-Virus anders sei, berichten die Wissenschaftler. Es habe genetische Eigenheiten entwickelt, die es ihm erlauben könnten, „sich in Menschen rasch zu vervielfältigen“, erläutert Mitautor Yuelong Shu von Chinas Gesundheitsbehörde in Peking.

Kommentare (1)

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atinak

06.02.2014, 12:37 Uhr

Der Wahnsinn wird weitergehen, solange wir Massentierhaltung in brutalen Tierfabriken haben, in denen diese erbarmungswürdigen Mitgeschöpfe in qualvoller Enge unter unvorstellbarem Dauerstress gehalten werden - da sind das Infektionsrisiko und die Mischung von Keimen trotz steigender Medikamentengaben vorprogrammiert, was der Konsument diese Folterprodukte auch jenseits der Pandemien zu spüren bekommt, u.a. durch das Mitessen der Antibiotika, die auch ins Grundwasser gelangen, in Form von resistenten Keimen, die in den Krankenhäusern inzwischen ein massives Problem bilden und Infektionen teilweise unbehandelbar macht. Der Mensch erntet eben die Saat seiner sinnlosen (wir brauchen kein Fleisch für eine gesunde Ernährung, im Gegenteil, ein regelmäßiger Fleischverzehr fördert Krebs, Fettleibigkeit (allein schon durch die mitgegessenen Maststoffe), Herz-Kreislauf-Erkrankungen etc.) bösen Taten. Und nun warte ich auf die tatsachenfernen Kommentare der Fleischmafia-Trolle.

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