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10.11.2014

14:37 Uhr

Hamburger Universitätsklinikum

Erster deutscher Ebola-Impfstoff-Test am Menschen

Auf diesem Impfstoff ruhen viele Hoffnungen: Forscher des Hamburger Universitätsklinikums testen ein Mittel gegen die Ebola-Seuche. Es ist einer von mehreren Versuchen. Tests an Tieren seien schon erfolgreich verlaufen.

Ein Krankenpfleger im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in der Sonderisolierstation in einem Patientenzimmer. dpa

Ein Krankenpfleger im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in der Sonderisolierstation in einem Patientenzimmer.

Hamburg/Bad Neuenahr-AhrweilerBundesweit erstmals haben Forscher des Hamburger Universitätsklinikums am Montag mit der Erprobung eines Ebola-Impfstoffes an Menschen begonnen. Der von der Weltgesundheitsorganisation WHO gelieferte Impfstoff solle in den nächsten sechs Monaten an zunächst 30 Freiwilligen getestet werden, teilte das Klinikum mit. Die ersten Impfungen sollen in den nächsten Wochen erfolgen. Tests an Tieren seien erfolgreich verlaufen. Es bestehe keine Gefahr, dass sich die Freiwilligen tatsächlich mit Ebola infizieren könnten, betonten die Ärzte.

Wenn alle Phasen der Erprobung erfolgreich sein sollten, hoffe man, den Impfstoff etwa ab Herbst 2015 einsetzen zu können, sagte eine UKE-Sprecherin. Auch falls die aktuelle Seuche bis dahin eingedämmt sei, könne der Impfstoff dann möglicherweise bei weiteren Ausbrüchen helfen.

Wie sich Ebola verbreitet

Wann ist Ebola ansteckend?

Nur dann, wenn jemand bereits Symptome zeigt. Diese können allerdings unspezifisch sein. Die Krankheit kann mit Fieber, grippeähnlichen Schmerzen und Unterleibsschmerzen beginnen, später können Erbrechen und Durchfall folgen.

Wie breitet sich Ebola aus?

Durch Körperflüssigkeiten einer infizierten Person. Dazu zählen Blut, Schweiß, Erbrochenes, Urin, Kot, Speichel und Sperma. Diese Flüssigkeiten müssen bei einem anderen Menschen einen Eingangspunkt finden, sie können durch einen Schnitt oder Kratzer eindringen. Das Virus kann zudem weitergereicht werden, wenn jemand mit kontaminierten Händen die Nase, den Mund oder die Augen eines anderen berührt. Oder jemand wird mit den kontaminierten Flüssigkeiten angespritzt. Darum tragen Gesundheitsmitarbeiter Schutzhandschuhe und andere Schutzausrüstung.

Die Weltgesundheitsorganisation teilte mit, Blut, Stuhl und Erbrochenes seien die am stärksten ansteckenden Flüssigkeiten. In Speichel sei der Virus nur bei schwer erkrankten Menschen entdeckt worden, aus Schweiß sei er noch nicht entnommen worden.

Was passiert bei zufälligem Kontakt mit einem Infizierten?

Ebola wird nicht durch die Luft übertragen. Der Direktor der US-Seuchenbehörde (CDC), Tom Frieden, sagte, Menschen steckten sich nicht an, wenn sie beispielsweise nur in einem Bus neben einem Ebola-Patienten sitzen. „Es ist nicht wie bei der Grippe. Es ist nicht wie bei Masern, nicht wie bei der gewöhnlichen Erkältung. Es breitet sich nicht so aus“, sagte er.

Können Hunde das Virus übertragen?

Das weiß man noch nicht genau. Die Behörden schläferten den Hund der spanischen Krankenschwester ein, bei der Ebola diagnostiziert worden war. Es ist aber kein Fall dokumentiert, in dem jemals Ebola von einem Hund auf einen Menschen übertragen wurde. Aber es gibt eine Studie, nach der es möglich sein soll, dass Hunde Ebola bekommen können - ohne Symptome zu zeigen.

Wie wird vorgegangen, wenn ein Ebola-Verdacht besteht?

Die Krankenhäuser, die einen Verdachtsfall haben, informieren ihr Gesundheitsministerium oder die Seuchenbehörde. Dann wird eine Checkliste durchgegangen, um festzustellen, wie hoch das Risiko ist. So wird unter anderem gefragt, ob die Person von einem riskanten Kontakt mit einem bekannten Ebola-Patienten berichtet hat, wie krank sie ist und ob eine andere Diagnose wahrscheinlicher ist.

Es handle sich um die Phase I der Klinischen Studie, teilte Ansgar Lohse mit, Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE. Jetzt gehe es vorrangig darum, die Verträglichkeit des Wirkstoffs, aber auch die Wirkweise im menschlichen Körper zu erforschen.

Der Impfstoffkandidat „rVSV-ZEBOV“ soll bereits nach einer einzigen Dosis schützen. Er habe zudem Potenzial, auch unmittelbar nach einer erfolgten Ebola-Infektion zu wirken, hieß es. „In zahlreichen nicht-klinischen Studien konnten die Vakzine Labortiere vor dem tödlichen Ebola-Virus schützen“, teilte das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) mit. Das DZIF unterstützt die Studie am UKE.

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