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02.11.2014

13:31 Uhr

Handel mit Buschfleisch

Ebola verdirbt das Geschäft

Das Fleisch von Wildtieren gilt vielen Menschen in Afrika als Delikatesse – doch die Tiere können das Ebolavirus übertragen. Die Behörden versuchen deshalb, Verkauf und Verzehr des sogenannten Buschfleischs einzudämmen.

Buschfleisch auf einem afrikanischen Markt. Wildtiere wie Flughunde können Ebola auf den Menschen übertragen. ap

Buschfleisch auf einem afrikanischen Markt. Wildtiere wie Flughunde können Ebola auf den Menschen übertragen.

AccraZiemlich verloren sitzt Yaa Kyerewaa auf dem Markt in Accra neben einem Berg von Tierteilen: Kieferknochen eines großen Nagetiers, Hufe von Wildschweinen, Schnecken. Dieses „Buschfleisch“ galt einst als Delikatesse, sein Verkauf brachte viel Geld ein. Doch der Ebola-Ausbruch in nahegelegenen Ländern Westafrikas hat die Kundschaft verschreckt, und Kyerewaa hat seit Tagen nichts verkauft.

Auf dem belebten Agbogbloshie-Markt der ghanaischen Hauptstadt boten immer mehrere Händler Fleisch von Wildtieren an, doch inzwischen ist sie die einzige. Die 53-Jährige sagt, mit den Einkünften aus dem Fleisch finanziere sie den Schulbesuch ihrer vier Kinder. Sie beklagt einen Einbruch der Einnahmen, nachdem die Gesundheitsbehörden erklärt haben, dass das Fleisch mit dem gefährlichen Ebola-Virus verseucht sein könnte.

Wie sich Ebola verbreitet

Wann ist Ebola ansteckend?

Nur dann, wenn jemand bereits Symptome zeigt. Diese können allerdings unspezifisch sein. Die Krankheit kann mit Fieber, grippeähnlichen Schmerzen und Unterleibsschmerzen beginnen, später können Erbrechen und Durchfall folgen.

Wie breitet sich Ebola aus?

Durch Körperflüssigkeiten einer infizierten Person. Dazu zählen Blut, Schweiß, Erbrochenes, Urin, Kot, Speichel und Sperma. Diese Flüssigkeiten müssen bei einem anderen Menschen einen Eingangspunkt finden, sie können durch einen Schnitt oder Kratzer eindringen. Das Virus kann zudem weitergereicht werden, wenn jemand mit kontaminierten Händen die Nase, den Mund oder die Augen eines anderen berührt. Oder jemand wird mit den kontaminierten Flüssigkeiten angespritzt. Darum tragen Gesundheitsmitarbeiter Schutzhandschuhe und andere Schutzausrüstung.

Die Weltgesundheitsorganisation teilte mit, Blut, Stuhl und Erbrochenes seien die am stärksten ansteckenden Flüssigkeiten. In Speichel sei der Virus nur bei schwer erkrankten Menschen entdeckt worden, aus Schweiß sei er noch nicht entnommen worden.

Was passiert bei zufälligem Kontakt mit einem Infizierten?

Ebola wird nicht durch die Luft übertragen. Der Direktor der US-Seuchenbehörde (CDC), Tom Frieden, sagte, Menschen steckten sich nicht an, wenn sie beispielsweise nur in einem Bus neben einem Ebola-Patienten sitzen. „Es ist nicht wie bei der Grippe. Es ist nicht wie bei Masern, nicht wie bei der gewöhnlichen Erkältung. Es breitet sich nicht so aus“, sagte er.

Können Hunde das Virus übertragen?

Das weiß man noch nicht genau. Die Behörden schläferten den Hund der spanischen Krankenschwester ein, bei der Ebola diagnostiziert worden war. Es ist aber kein Fall dokumentiert, in dem jemals Ebola von einem Hund auf einen Menschen übertragen wurde. Aber es gibt eine Studie, nach der es möglich sein soll, dass Hunde Ebola bekommen können - ohne Symptome zu zeigen.

Wie wird vorgegangen, wenn ein Ebola-Verdacht besteht?

Die Krankenhäuser, die einen Verdachtsfall haben, informieren ihr Gesundheitsministerium oder die Seuchenbehörde. Dann wird eine Checkliste durchgegangen, um festzustellen, wie hoch das Risiko ist. So wird unter anderem gefragt, ob die Person von einem riskanten Kontakt mit einem bekannten Ebola-Patienten berichtet hat, wie krank sie ist und ob eine andere Diagnose wahrscheinlicher ist.

„Buschfleisch ist gesund. Ich esse es normalerweise als besondere Mahlzeit an Sonntagen“, sagt die Händlerin. „Wir essen es seit Jahren, und jetzt wird es durch diese unnötigen Gerüchte unbeliebt gemacht. Keiner will unsere Produkte mehr kaufen. Es ist traurig.“

Viele Restaurants in Accra führen kein Buschfleisch mehr. Die Rohrratte, ein bis zu neun Kilogramm schweres Nagetier, war bisher besonders beliebt. Jäger fangen die Grasnager mit Fallen oder züchten sie zu Hause. Das Fleisch soll ähnlich wie Huhn schmecken.

Experten vermuten, dass viele Ebola-Ausbrüche vom Verzehr oder dem Umgang mit infizierten Tieren ausgelöst wurden. Anschließend verbreitete sich die Krankheit über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Mensch zu Mensch. Flughunde und Primaten wie Schimpansen werden häufig als mögliche Überträger von Ebola genannt – Tiere, die in Afrika häufig gejagt werden.

Nach Angaben der US-Seuchenschutzbehörde CDC werden Ebola-Infektionen beim Menschen auf die Jagd, die Schlachtung und die Zubereitung von Fleisch infizierter Tiere zurückgeführt, nicht aber auf den Verzehr gekochten Buschfleischs. Ebola trat erstmals 1976 im Kongo auf, seither kam es dort und in anderen afrikanischen Staaten wiederholt zu Ausbrüchen. Der aktuelle ist der erste in Westafrika und die bislang am tödlichsten verlaufende Epidemie. Mehr als 4500 Menschen erlagen der Krankheit laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bislang, die meisten in Guinea, Sierra Leone und Liberia.

Zwar konzentrieren sich die Anstrengungen der Gesundheitsbehörden darauf, die Übertragung von Mensch zu Mensch zu unterbinden. Doch seien afrikanische Gesellschaften, die frei lebende Tiere jagen, gefährdet, sich bei potenziellen Virusträgern wie Flughunden, einigen Primatenarten und einer bestimmten Antilopenart anzustecken, warnt die Welternährungsorganisation (FAO).

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