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29.03.2006

09:45 Uhr

Handel mit Fußballprofis

Anpfiff zum Milliardenspiel

VonRoland Wengenmayr

Lothar Krempels neuester Coup ist die Analyse des internationalen Marktes für Fußballprofis. Der Sozialwissenschaftler vom Max-Planck für Gesellschaftsforschung-Institut in Köln fragte sich, welcher Nationalspieler bei welchen Vereinen im Ausland spielt. Im Internet fand er alle nötigen Daten, zum Beispiel die Spielerlisten des internationalen Fußballverbandes Fifa.

FRANKFURT. Der Wissenschaftler ist Experte in der Erforschung von unterschiedlichsten gesellschaftlichen Netzwerken. Er zeichnet sie in farbigen Karten nach, die das oft komplexe Beziehungsgeflecht leicht lesbar machen. Intuitiv erkennen Betrachter, welcher Akteur wichtig ist, welcher nicht und wer mit wem in Verbindung steht. Da die Grafiken kaum erklärenden Text benötigen, sprechen sie eine Sprache, die international verständlich ist.

Sein Fußball-Projekt sieht der Forscher keinesfalls als nette Spielerei zur Weltmeisterschaft. Mit nur zwei Zahlen skizziert er, welche enorme wirtschaftliche Bedeutung dieser Markt hat: Während die in Genf ansässige Welthandelsorganisation WTO dieses Jahr mit einem Budget von rund 110 Millionen Euro auskommen muss, weist allein die Fifa in ihrem Geschäftsbericht 2004 einen Umsatz von knapp 475 Millionen Euro aus. Im Jahr der WM dürfte dieser noch kräftig steigen.

Krempel interessiert am Vergleich beider Organisationen besonders die Tatsache, dass die WTO derzeit eher noch für den klassischen Welthandel mit Industrieprodukten steht. Der Handel mit Fußballprofis gehorcht jedoch neueren Marktgesetzen. "Der jüngste internationale Markt ist der Handel mit Eigentumsrechten, mit Patenten und Urheberrechten", stellt der Forscher fest.

Ein solcher Motor treibt auch den Spielermarkt an, denn das Kapital kommt zunehmend aus dem Verkauf von Übertragungsrechten. Das Fernsehen vor allem spült enorme Erträge in die Kassen der großen Clubs. "Manchen Clubs bringt das bei den Einkünften dreißig Prozent und mehr", sagt Krempel, "während die Eintrittskarten im Schnitt nur noch gut zwanzig Prozent ausmachen." Weitere Einnahmequellen sind Sponsoren, Merchandising und die Börse - vor allem bei britischen Clubs.

Krempels Grafik zeigt, dass FC Chelsea, Juventus Turin und Real Madrid die Clubs mit den meisten ausländischen Spielern sind. Offenbar sind sie besonders kaufkräftig. Das Gros der Spieler kommt aus Brasilien. Das überrascht kaum - eher die Bedeutung Großbritanniens. Deutschland agiert in beiden Fällen im Mittelfeld, ist aber eng mit allen wichtigen Fußballmärkten vernetzt.

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