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29.06.2016

10:38 Uhr

Hautkrebsgefahr

Die dunkle Seite der Sommersonne

UV-Strahlen, Sonnenbrand, Solarium: Unsere Haut verzeiht einiges, merkt sich aber alles. Gerade die Sommersonne lässt die Hautkrebsgefahr steigen. Was Mediziner zu den Gefahren und möglichen Gegenmaßnahmen sagen.

Über die Jahre sammelt die Haut die Schäden an. Wenn irgendwann der Reparaturmechanismus der Zellen nicht mehr funktioniert, kann Krebs entstehen. dpa

Hautkrebs-Zellen

Über die Jahre sammelt die Haut die Schäden an. Wenn irgendwann der Reparaturmechanismus der Zellen nicht mehr funktioniert, kann Krebs entstehen.

MannheimWenn die Sommersonne vom Himmel brennt, lebt die Haut besonders gefährlich. Das Hautkrebsrisiko werde von vielen unterschätzt, sagen Experten. Besonders hellhäutige Menschen, die sich leicht einen Sonnenbrand einfangen, seien gefährdet. Ein Überblick über zentrale Fakten zum Hautkrebs.

Ursachen

Über die Jahre sammelt die Haut die Schäden an, sagt der Ärztliche Koordinator des Hauttumorzentrums Mannheim, Jochen Sven Utikal. „Sind genügend Schäden vorhanden, funktioniert die Reparatur der Zellen nicht mehr effektiv – dann kommt es zum Krebswachstum.“

Als Risikofaktoren für Hautkrebs gelten schwere Sonnenbrände, vor allem in der Kindheit, und Solarienbesuche. „Gebräunt zu sein ist nach wie vor ein Schönheitsideal – dabei gibt es die gesunde Bräune nicht“, sagt Oberärztin Jessica Hassel vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg. Die Bräune zeige an, dass die Haut geschädigt worden sei und sich das nächste Mal schützen wolle.

Symptome

Anfangs haben die meisten Menschen beim sogenannten schwarzen Hautkrebs so gut wie keine Beschwerden. „Man sieht einfach ein Muttermal, das sich verändert hat“, erläutert Utikal. „Beim weißen Hautkrebs wächst irgendetwas, ein Knötchen an der Haut, oft im Gesicht.“

In beiden Fällen kann es bluten und jucken. Während der weiße Hautkrebs überwiegend an Körperstellen auftritt, die oft der Sonne ausgesetzt sind, kann sich der schwarze Hautkrebs auch anderswo bilden.

Formen der Krebs-Therapie

Operation

Bei einer Operation wird der Tumor entfernt, häufig auch die umliegenden Lymphknoten um eine Streuung zu vermeiden. Eine Operation allein reicht meist nicht aus.

Quelle: Bayerische Krebsgesellschaft

Chemotherapie

Dabei kommen bestimmte Medikamente, sogenannte Zytostatika, zum Einsatz. Sie können bösartige Tumoren zerstören oder zumindest ein weiteres Wachstum verhindern. Die Medikamente greifen in den Zell-Stoffwechsel ein. Weil sie aber nicht zwischen gesunden Zellen und Tumorgewebe unterscheiden können, kommt es zu Nebenwirkungen, etwa Haarausfall, Erbrechen, Immunschwäche. Weil sich das Normalgewebe aber schneller regeneriert, wirkt die Chemotherapie auf Krebszellen stärker.

Strahlentherapie

Der Tumor wird vor, nach oder anstelle einer Entfernung mit energiereicher Strahlung beschossen. Die Bestrahlung kommt nur lokal zum Einsatz und kann das Wachstum des Tumors bremsen, indem die Tumorzellen zerstört werden.

Molekularbiologische Therapie

Es handelt sich um einen jungen Therapieansatz, auch "targeted therapy" (zielgerichtete Therapie) genannt. Hierunter fällt die in der US-Studie erforschte Blockierung des Ral-Proteins. Spezifische Wirkstoffe sollen zielgenau die Krebszellen angreifen.

Hormontherapie

Hierbei werden Antihormone gegeben. Sie können vor allem Tumoren der Geschlechtsorgane und Brustkrebs im Wachstum stoppen oder verlangsamen.

Hyperthermie

Hierunter versteht man die Überwärmung des Körpers oder einzelner Körperteile. Dies kommt beispielsweise ergänzend zu einer Strahlentherapie zum Einsatz, und kann ihre Wirkung verstärken.

Verbreitung

Der schwarze Hautkrebs tritt viel seltener auf als der weiße. „Bei schwarzem Hautkrebs gehen wir pro Jahr von 22 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner aus“, sagt Facharzt Uwe Reinhold vom Dermatologischen Zentrum Bonn Friedensplatz. Er komme besonders oft zwischen dem 18. und 30. Lebensjahr vor und mit Mitte 50. Experten beobachten in den vergangenen Jahren einen Anstieg bei jungen Frauen.

Bei dem hellen Hautkrebs spricht Reinhold von bis zu 400 Neuerkrankungen im Jahr pro 100.000 Einwohner. „Weißer Hautkrebs tritt häufiger bei Männern auf, die durch fehlende Kopfhaare oder Berufe unter freiem Himmel eher gefährdet sind.“

Gefährlichkeit

Schwarzer Hautkrebs kann schon ab einem Millimeter Tumordicke streuen, das macht ihn so heimtückisch. Betroffen sein können etwa Lymphknoten, Lunge und Gehirn. „Dort wächst er weiter und kann lebenswichtige Strukturen schädigen“, so Utikal.

Sei dieser Krebs erst einmal weit fortgeschritten, könne er nur sehr schwierig behandelt werden, sagt Hassel. „Es gehört auch eine Portion Glück dazu, zu denen zu gehören, die das langfristig packen.“

Die Medizinerin geht davon aus, dass heute wegen neuer Therapien bei etwa 35 Prozent der Patienten der gestreute schwarze Hautkrebs langfristig kontrollierbar ist. „Das bedeutet aber auch, dass wir mehr als 50 Prozent der Patienten nicht langfristig helfen können und sie daran sterben. Da können wir allenfalls eine Lebensverlängerung erreichen.“ Laut Reinhold ist der schwarze Hautkrebs im Alter von 18 bis 30 Jahren die zweithäufigste Todesursache.

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