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21.01.2005

13:50 Uhr

Forschung + Medizin

Heftigster Strahlungssturm seit 15 Jahren fegt über die Erde hinweg

Nach einer massiven Sonneneruption ist der stärkste Strahlungssturm seit 15 Jahren über die Erde hinweggefegt.

dpa BOULDER/POTSDAM. Nach einer massiven Sonneneruption ist der stärkste Strahlungssturm seit 15 Jahren über die Erde hinweggefegt.

Der Hagel energiereicher Sonnenteilchen sei bis zu einem Drittel der Lichtgeschwindigkeit schnell gewesen, sagte der Weltraum-Meteorologe Bill Murtagh von der amerikanischen Atmosphärenbehörde Noaa in Boulder (US-Staat Colorado) der dpa am Donnerstagabend (Ortszeit). Berichte über Schäden an Satelliten oder an Kommunikationsanlagen auf der Erde lagen zunächst nicht vor.

Ursprung des Ausbruchs war ein gigantischer Sonnenfleck von der Größe Jupiters, bei dem es in den vergangenen Tagen schon mehrere Eruptionen gegeben hatte. Sie hätten Fluggesellschaften veranlasst, einige ihrer Polarrouten umzulegen, erläuterte Murtagh.

Bei starken Sonnenstürmen, die das Erdmagnetfeld schwächen können, sind Passagiere und Personal auf Langstreckenflügen über den Pol oft einer erhöhten Strahlenbelastung aus dem All ausgesetzt. Außerdem können Funkverbindungen und großräumige Elektrizitätsnetze gestört werden. „Dieses Mal haben wir aber offensichtlich Glück gehabt“, sagte der Magnetfeldforscher Prof. Hermann Lühr vom Geoforschungszentrum Potsdam am Freitag. Das Magnetfeld des Sonnenwinds sei gleich polarisiert gewesen wie das Erdmagnetfeld und habe daher dieses nicht geschwächt.

Strahlungsstürme wie der jetzige stellten auch eine Gefahr für Satelliten dar, sagte Murtagh. Einige Betreiber hätten die Instrumente auf ihren Satelliten vorsorglich gesichert. Selbst die Noaa sei betroffen. „Unsere Sensoren waren in kürzester Zeit so gesättigt, dass wir keine Daten mehr bekamen.“ Die beiden Raumfahrer auf der Internationalen Raumstation ISS waren nach Angaben der russischen Flugleitung schon vor dem heftigen Ausbruch angewiesen worden, sich in besser strahlengeschützte Teile der Station zu begeben.

Auf dem Erdboden besteht keine Gefahr für Menschen, weil die Atmosphäre die energiereichen Teilchen in der Regel abfängt. Weder die Eruption noch der Strahlungssturm sind einzigartig oder wesentlich stärker als andere in früheren Sonnenzyklen. Überraschend ist Murtagh zufolge eher, dass sie sich - in diesem Fall - fünf Jahre nach dem Höhepunkt des elfjährigen Aktivitätszyklus der Sonne ereignen.

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