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25.07.2014

11:55 Uhr

Hepatitis-C

Die stille Volksseuche

Hepatitis gilt immer noch als Krankheit der Drogenabhängigen, dabei ist sie weit verbreitet. Gegen das tückische Virus Typ C gibt es jetzt vielversprechende Medikamente. Ein Problem sind allerdings noch die Kosten.

Schematische Darstellung eines Hepatitis-C-Virus. Bis zu einer Million Menschen sind in Deutschland mit Hepatitis-Viren infiziert, aber die wenigsten von ihnen wissen davon. dpa

Schematische Darstellung eines Hepatitis-C-Virus. Bis zu einer Million Menschen sind in Deutschland mit Hepatitis-Viren infiziert, aber die wenigsten von ihnen wissen davon.

HannoverEs ist eine stille Volksseuche: Bis zu einer Million Menschen sind in Deutschland mit Hepatitis-Viren infiziert, aber die wenigsten von ihnen wissen davon. Die typische Gelbsucht entwickeln nur ein Drittel der Betroffenen, ein Drittel bemerkt lediglich Grippe-Symptome, ein weiteres Drittel gar nichts.

Jedoch kann die chronische Virushepatitis zu Spätfolgen wie Leberzirrhose sowie Leberkrebs führen und damit tödlich enden. Vor drei Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation deshalb den Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli eingeführt, der auf die Bedrohung aufmerksam machen soll.

Hepatitis A bis E

Tückische Viren

Hepatitis-Viren können Entzündungen der Leber hervorrufen und langfristig Krebs verursachen. In Deutschland sind nach Expertenschätzungen bis zu einer Million Menschen infiziert.

Hepatitis A

Übertragung von Mensch zu Mensch sowie über verunreinigte Nahrung und Wasser; Impfung gegen die „Reise-Gelbsucht“ möglich; keine spezielle Therapie; laut Robert-Koch-Institut (RKI) bundesweit 779 Fälle im Jahr 2013, 53 weniger als im Vorjahr.

Hepatitis B

Hohe Ansteckungsgefahr über Blut (etwa verunreinigte Spritzen) und andere Körperflüssigkeiten; Impfung möglich, antivirale Therapie für chronisch erkrankte Patienten; laut RKI 691 Fälle im Jahr 2013, 15 mehr als im Vorjahr.

Hepatitis C

Übertragung meist über Blutkontakt; keine Impfung, antivirale Therapie für chronisch erkrankte Patienten; 5156 Fälle 2013 dem RKI zufolge neu diagnostiziert, 150 mehr als im Vorjahr.

Hepatitis D

Tritt nur mit einer Infektion Typ B auf; Schutz durch Hepatitis-B-Impfung, keine wirksame Therapie; 33 Fälle in 2013, Zahl gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt.

Hepatitis E

Virus wird ausgeschieden und zum Beispiel über Wasser übertragen; keine Impfung, akute Leberentzündung kommt meist von selbst zum Stillstand, gefährlich für Schwangere; laut RKI 459 Fälle in 2013, 71 mehr als im Vorjahr.

Der Leberspezialist Michael Manns von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) appelliert an Risikogruppen wie Drogenabhängige, Migranten aus bestimmten Ländern sowie medizinisches Personal, sich testen zu lassen. Gleiches gelte für Menschen, die vor 1991 Bluttransfusionen erhalten haben oder häufig operiert wurden. Nur 10 bis 20 Prozent von Hepatitis B und C werde aktuell diagnostiziert, schätzt Manns. „Erhöhte Leberwerte gelten vielfach als Kavaliersdelikt, dabei müssen sie abgeklärt werden“, sagt der Gastroenterologe.

Während Patienten mit einer chronischen Hepatitis B ähnlich wie HIV-Infizierte lebenslang Medikamente nehmen müssen, ist bei chronischer Hepatitis C eine vollständige Heilung möglich. Seit Jahresbeginn sind zwei neue Wirkstoffe auf dem Markt, welche einer größeren Patientengruppe helfen und weit weniger Nebenwirkungen haben als die bisherige Standardtherapie.

Die MHH-Mediziner waren an Zulassungsstudien für die neuen Mittel beteiligt. Für Manns ist es eine „unglaubliche, seltene Erfolgsgeschichte der Medizin“, dass die Infektionskrankheit jetzt zu nahezu 90 Prozent geheilt werden kann. Dies mache zukünftig rund ein Viertel aller Lebertransplantationen vermeidbar.

Bei der Deutschen Leberhilfe meldeten sich seit Jahresbeginn viele Hepatitis-C-Patienten, die auf die neuen Mittel hoffen. „Es handelt sich um eine Therapie-Revolution“, sagt der Sprecher der Selbsthilfeorganisation, Ingo van Thiel. „Allerdings sind die Arzneimittelkosten noch ein großes Hindernis.“ Für eine 24-wöchige Therapie fallen derzeit Kosten von rund 120.000 Euro an.

Kommentare (1)

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Herr Helmut Metz

25.07.2014, 15:55 Uhr

Das besonders Tückische an Hepatitis C ist die hohe Chronifizierungsrate (bis zu 80%) mit lebensbedrohlichen Spätfolgen (Leberzirrhose, primäres Leberzell-Ca.), während die Akutphase der Infektion oft sogar symptomlos bleibt (also nicht die klassische "Gelbsucht" zeigt). Die Infektion wird daher oft auch erst diagnostiziert, wenn die Chronifizierung bereits erfolgt ist - außer man arbeitet in einem "Risikoberuf", wo man regelmäßig unersucht wird.
Ein besonderes Augenmerk ist daher auch auf die Aufklärung über den Übertragungsweg und Schutzmaßnahmen zu richten.
Hier in D spielt die (iatrogene) Infektion durch kontaminierte Blut(Plasma-)produkte zum Glück so gut wie keine Rolle mehr. Hauptübertragungsweg sind Nadelstichverletzungen mit Übertragung von kontaminiertem Blut, wobei hier eben nicht nur das berüchigte Fixerbesteck gemeint ist. Auf dem Vormarsch sind hier nämlich z.B auch Infektionen durch unsauberes, unsteriles Arbeiten bei Tätowierungen und Piercings.
Und wie bei HIV, so kann man sich auch bei Hepatitis C vor einer Übertragung durch Geschlechtsverkehr auf bekannte Weise schützen...

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