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14.01.2005

12:32 Uhr

Heute landet die Sonde Huygens auf dem Saturnmond Titan. Die Esa braucht spektakuläre Erfolge

Der Traum von den Sternen

VonThomas Wiede (Handelsblatt)

Am schlimmsten ist es vor dem Start“, brummt Michael McKay in seinen grauen Vollbart. „Stress pur.“ Der Brite beherrscht als einer der wenigen Menschen auf diesem Planten das Fliegen von Weltraumsonden. Er hat die aktuelle Mission „Mars Express“ der European Space Agency (Esa) zum roten Planten geflogen.

Heute landet die Sonde Huygens auf dem Saturnmond Titan.

Heute landet die Sonde Huygens auf dem Saturnmond Titan.

HB PARIS/DARMSTADT. Drei Monate hat seine Mannschaft vor dem Start geprobt. Sie zählt bis zu 120 Köpfe, die in mehreren Schichten alle nur erdenklichen Probleme durchspielen, die auf dem Flug der Sonde durch die Weiten des Weltraums auftreten könnten. Die Abläufe bei den großen Projekten gleichen sich immer wieder: trainieren, testen, trainieren.

Jetzt sitzen die Mathematiker, Astronomen und Ingenieure im Kontrollraum der Esa in Darmstadt wieder wie gebannt vor ihren Monitoren. 1,6 Milliarden Kilometer entfernt soll Europas Sonde „Huygens“ am heutigen Freitag gegen 11.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit in die Atmosphäre des Saturnmonds Titan eintauchen, später Proben nehmen und dort landen. Die Welt schaut auf die Esa – es darf nichts schief gehen.

Fehlschläge wie beim missglückten Start der Trägerrakete Ariane 5 vor drei Jahren, die knappen Forschungsetats der 15 Mitgliedstaaten und die immer wiederkehrende Kritik an ihrer komplizierten Struktur und der wenig effizienten Arbeitsweise haben die Agentur in eine Position gedrängt, in der sie sich dringend reformieren muss. Die Tage, an denen ihre Wissenschaftler um des puren Erkenntnisgewinns tüfteln und Geld ausgeben konnten, sind längst vorbei. Und doch sucht die Agentur immer noch nach ihrer Rolle – auf der Erde und im All.

Schlussverkaufskonditionen

Im Keller der Esa in Darmstadt steht ein riesiger Computer, den ein Spezialist ständig mit Szenarien füttert – um die Wissenschaftler im Kontrollraum schon vor wichtigen Manövern bei den Missionen so richtig ins Schwitzen zu bringen. Das Solarsegel der Sonde klemmt, und die Batterien verlieren an Spannung. Und weil zudem auch noch der so genannte Spacecraft Controller, kurz Spaco, ganz irdisch am Wiesbadener Kreuz im Stau steckt, ist die Aufgabe mehr als heikel.

„Wenn einer fehlt, haben wir gleich ein echtes Problem“, sagt McKay. Der 48-jährige Informatiker und Luftfahrtingenieur hat schon viele Esa-Missionen begleitet. „Unter diesen Bedingungen mache ich das nicht noch einmal“, sagt er heute. Unter „diesen Bedingungen“ versteht er hohe Ansprüche und wenig Geld für die Mission. Und das bedeutet: Das Risiko eines Fehlschlags steigt. Nur 330 Millionen Euro hat etwa das Mars-Projekt gekostet – im All ein echtes Schnäppchen.

Zu Schlussverkaufskonditionen lassen sich die meisten Weltraumabenteuer aber nicht haben: Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain sucht daher vor allem nach Geld. Die Agentur muss eine Vielzahl von großen Programmen stemmen, beschlossen vor vielen Jahren: Das Navigationssystem Galileo, die Ariane 5 und die Beteiligung an der internationalen Raumstation ISS. Eines ist inzwischen klar – solange diese Programme nicht stehen, kommen auch neue Pläne nicht voran.

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