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16.12.2012

10:00 Uhr

Higgs-Boson

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Es war eine der wichtigsten Forschungsmeldungen des Jahres: Physiker haben ein neues Teilchen nachgewiesen. Ist es wirklich das „Gottesteilchen“ Higgs-Boson? Die Frage wird wohl erst im kommenden Jahren beantwortet.

Die Illustration zeigt den möglichen Zerfall eines Higgs-Bosons. Seit über 30 Jahren jagen Physiker dem mysteriösen Teilchen hinterher. dpa

Die Illustration zeigt den möglichen Zerfall eines Higgs-Bosons. Seit über 30 Jahren jagen Physiker dem mysteriösen Teilchen hinterher.

Berlin„Gottesteilchen entdeckt!“ titelte ein großes deutsches Medium im Sommer. Die Physiker am europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf waren vorsichtiger. „Wir haben in unseren Daten klare Anzeichen für ein neues Teilchen“, verkündete Fabiola Gianotti am 4. Juli.

Gianotti ist Sprecherin der Atlas-Gruppe, eines der beiden Teams mit zusammen rund 6000 Forschern, die am Teilchenbeschleuniger LHC nach dem Higgs-Teilchen fahnden. Weltweit lauschten der Italienerin an jenem Tag 270.000 Menschen live per Internet.

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Das Cern in Genf hat die bislang überzeugendsten Belege für ein neues Elementarteilchen vorgelegt - möglicherweise das lang ersehnte Higgs-Boson. Physik-Nobelpreisträger Martinus Veltman ordnet die Entdeckung ein.

Von einem Gottesteilchen mochte Gianotti wie fast alle Physiker nicht sprechen. Aber klar ist: Higgs ist für unser Verständnis vom Aufbau der Materie fundamental - es wäre der letzte unbekannte Baustein im Standardmodell der Teilchenphysiker.

Fragen und Antworten zum Higgs-Teilchen

Welche Aussagen für die Teilchenphysik stecken in der Entdeckung des Cern?

Die von beiden Großdetektoren ATLAS und CMS beobachteten Signale beschreiben Zerfälle eines neuen Teilchen. Die Zahl der Ereigniskandidaten und die Verteilungen der nachgewiesenen Zerfallsteilchen entsprechen der Hypothese, dass es sich um das Higgs-Boson handelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die beobachteten Signale eine Fehlmessung oder statistische Fluktuation sind, liegt bei 1:1.000.000.

Welche Bedeutung hat diese Beobachtung für die Wissenschaft?

Die Entdeckung des Higgs-Teilchens ist ein Meilenstein der Grundlagenforschung. „Wir sind dem Traum der Menschheit, zu verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält, ein wichtiges Stück näher gekommen“, so die offizielle Einordnung des Cern. Darüber hinaus zeigt das Ergebnis, was die Wissenschaft erreichen kann, wenn sie ihre Kräfte weltweit bündelt. 10.000 Wissenschaftler aus 60 Ländern von allen Kontinenten arbeiten am LHC-Projekt friedlich zusammen. „Auf diese Weise trägt die Elementarteilchenphysik einen wichtigen Beitrag zur Kultur unseres Zeitalters bei“, sind die Cern-Forscher überzeugt.

Welche Bedeutung hat das Higgs-Boson?

Jedem Elementarteilchen kommt eine besondere Aufgabe zu: aus den sogenannten Fermionen, das sind Quarks und Leptonen, wird die Materie aufgebaut, während die sogenannten Bosonen Kräfte übermitteln. Das Higgs-Boson ist dafür verantwortlich, dass Elementarteilchen ihre (träge) Masse erhalten. Jedes dieser fundamentalen Teilchen ist ein unverzichtbarer Baustein unserer Natur, ohne den die Welt entweder nicht existieren würde oder sich aber in einem sehr exotisch Zustand befände.

Welche offenen Fragen kann der LHC noch beantworten?

Auch nach der Entdeckung des Higgs-Teilchens sind noch nicht alle grundlegenden Geheimnisse der Physik aufgedeckt. Offene Fragen gibt es etwa noch zur Beschaffenheit der Dunklen Materie oder zu den Asymmetrien in der Natur. Die Cern-Froscher hoffen, dass ein langjähriges Messprogramm am LHC, ab 2015 bei doppelter Energie, hier deutliche Erkenntnisgewinne bringen wird.

Ein paar Monate und Milliarden ausgewerteter Daten später sprechen zwar auch die Physiker von einer wissenschaftlich gesicherten Entdeckung eines Teilchens. „Noch immer ist aber nicht klar, ob es "Das Higgs" ist“, sagt Teilchenphysiker Joachim Mnich, der am Beschleunigerzentrum Desy in Hamburg und am Cern arbeitet.

Das stehe voraussichtlich erst im Frühjahr 2013 fest, und: „Ob es das einzige Higgs ist, das im Standardmodell vorausgesagt wurde, oder ob es noch mehrere Higgse gibt, ich glaube, diese Frage wird uns noch mehrere Jahre beschäftigen.“

Kommentare (9)

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MUSEUMSREIF

16.12.2012, 10:33 Uhr

Manchmal versteht man die Wissenschaft einfach nicht.

Warum ist es denn nicht möglich, dass wir und alles nur ein Zufallsprodukt sind und hätte es keine Kometen gegeben, wäre wohl nie Leben auf dieser Erde.

easyway

16.12.2012, 22:42 Uhr

Der Größenwahn ist einfach nicht auszurotten. Der Mensch ist Teil des Systems und daher außer Stande, das Ganze zu begreifen. Je mehr die Forschung in die Randbereiche des Universums eindringt, desto unschärfer werden die Ergebnisse. Das ist eine völlig natürliche Sache.

Zudem sind viele Theorien durchsetzt mit Paradoxien. Das beginnt schon mit der Lichtgeschwindigkeit, die nichts als eine folgenschwere Märe ist und endet nicht mit der Relativitätstheorie - Zwillingsparadoxon.

Mit der Rechenkunst läßt sich alles beweisen, auch das Gegenteil.

Die alten Griechen (ich will deren Weltsicht gar nicht schmälern) wunderten sich ob der Schlangenlinien (Rückläufigkeit), welche die äußeren Planeten ans Himmelsgewölbe malten. Weil sie nicht begriffen haben, wie die zustande kamen, zeichneten sie Epizykeln in die Kreisbahnen und schon stimmte die Berechnung - einigermaßen.

Die vermeintlich moderne Physik geht da ganz ähnlich vor. Was unverständlich ist, wird mit Mathematik gestrafft. Und so erklären sich alle Paradoxien - mit Epizykeln verbogen in die Wirklichkeitsferne.

Der Mensch früher war genauso intelligent wie der Mensch heute, wobei manche Forscher sogar davon ausgehen, die Menschheit heute sei weit weniger intelligent als Zugeständnis an die Zivilisation.

Manche wissenschaftlichen Ergebnisse sind passabel für die Erdoberfläche, aber im Micro- und im Macrocosmos ticken die Uhren anders.

Eine Analogie für den Irrtum der Wissenschaft liefert ein Rätsel:

Man zeichne sich 9 Punkte im Quadrat und probiere sie mit 4 graden Strichen zu verbinden.
Wer das Rätsel löst, ist schlauer.

Wissenschaft ist abhängig vom Geld und subjektiv. Da fließen Milliarden über Milliarden, weil damit eine Dominanz über das Herdentier gesichert wird; chinesisch, um sich abzusetzen.
Daß Einstein eine Niete war, läßt sich nachweisen, wird jedoch nie zugegeben werden - die Gläubigen wären desavouiert für alle Zeit.
Diktaturen und Wissenschaftsglaube kriegt man nur mit Druck kaputt.



F-E-P

17.12.2012, 23:56 Uhr

@EASYWAY
Bemerkenswert klug Ihr Kommentar, finde ich.
Es würdemich freuen, wenn Sie Zeit und Interesse für ein Telefonat o.ä. übrig hätten.
Mit freundl.Gruß
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